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Altenpflege

„Wir sind die Kinder der Awo“

28.09.2012 | 18:21 Uhr
„Wir sind die Kinder der Awo“
Die Absolventen des Fachseminars Altenpflege der Arbeiterwohlfahrt zeigen stolz ihre Examensbescheinigung bei der Feierstunde am Freitag.Foto: Heinrich Jung

Bottrop. „Wir verdienen als examinierte Altenpfleger jetzt zwischen 1400 und 1500 Euro netto,“ erzählt Katharina Gossen bei der Abschlussfeier im Seniorenzentrum „Schattige Buche“. Nach drei Jahren Ausbildung bei der Arbeiterwohlfahrt im Fachseminar Gelsenkirchen des Lucy-Romberg-Hauses Marl hat sie jetzt das Zertifikat in der Hand. Sie ist examinierte Altenpflegerin. Warum hat sich die junge Frau für diesen Beruf entschieden? Er ist hart und nicht besonders gut bezahlt.

Persönlicher Kontakt

„Ich hatte eine Ausbildung zur Krankenschwester begonnen. Das hat mir aber nicht gefallen. Hier in der Altenpflege ist die Arbeit viel persönlicher. Ich kann viel mehr Kontakt zu den Bewohnern aufbauen.“ Das sei ein weiterer, wichtiger Unterschied zur Arbeit im Krankenhaus. Die Altenpfleger werden in Senioreneinrichtungen oder für ambulante Pflegedienste arbeiten. Nicht nur bei der Arbeiterwohlfahrt. „Unsere Absolventen können sich aussuchen, wo sie arbeiten wollen“, sagt Jörg Schulte-Dölz, Seminarleiter der Awo. „Bei uns im Haus gibt es ein schwarzes Brett mit sehr vielen Stellenangeboten für die Altenpfleger.“ Nein, sie habe kein Helfersyndrom, sagt Nathalie Kümmel, die ebenfalls ihr Examen gemacht hat. Direkt nach der Schule hatte die 23-Jährige ihr Freiwilliges Soziales Jahr geleistet, in der Stadt Ottawa in Kanada. Hier arbeitete sie mit geistig und körperlich behinderten Menschen. „Nach der Ausbildung sind wir jetzt alle Kinder der Awo“, sagt sie stolz. „Meine Mutter, meine Schwester und mein Schwager arbeiten alle in der Sparte.“ Dennis Busowski (27) ist einer der Männer, die die Ausbildung geschafft haben. Er ist stolz darauf. „Ich habe nach meinem Schulabschluss eine Ausbildung zum Altenpflegerhelfer gemacht. Das hat mir gefallen, danach hab’ ich die neue Ausbildung angehängt.“ Jetzt wird er in einer Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt in Gelsenkirchen Buer arbeiten.

Personalnotstand in der Pflege

„Ich habe in den letzten Jahren auch schon mal gedacht: Das kann ich nicht mehr, wofür mache ich die ganze Sache überhaupt?“

Katharina Gossen hat ihre Zweifel besiegt und wird ebenfalls in ihrem Job eine Stelle bei der Arbeiterwohlfahrt in Gelsenkirchen antreten. Obwohl es weiter Personalnotstand in der Altenpflege gibt, sind die Gehälter noch sehr gering. „Das erklärt sich so“, sagt Kursleiter Klaus Kons: „Vor Jahren sagte man, es sei ein klassischer Beruf für Frauen, die die Pflege nebenberuflich machen. Das hängt uns immer noch hinterher.“ Heute ist die Altenpflege als professionelle Arbeit anerkannt.

In dem Examenskurs haben vor drei Jahren 30 Auszubildende angefangen. Übrig geblieben sind 16, 13 davon haben die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Drei weitere werden im Dezember in die Nachprüfungen gehen. „Der Rest hat erkannt, dass die Arbeit in der Altenpflege nichts für sie ist“, sagt Kons.

Patrick Mammen

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