Wiltrud Evers ist seit 30 Jahren im Frauenzentrum Courage

Die Dipl.Pädagogin Wiltrud Evers  ist Frau der Ersten Stunde im Frauenzentrum Courage, das in diesem Jahr seinen30. Geburtstag feiert.
Die Dipl.Pädagogin Wiltrud Evers ist Frau der Ersten Stunde im Frauenzentrum Courage, das in diesem Jahr seinen30. Geburtstag feiert.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Diplom-Pädagogin war in den 80-er Jahren eine der Mitgründerinnen. Heute ist das autonome Frauenzentrum wichtiger Teil des Bottroper Netzwerkes.

Bottrop..  Wer hätte das gedacht 1985, dass das Frauenzentrum Courage einmal sein 30-jähriges Bestehen feiern und der Oberbürgermeister der Stadt ein Grußwort für die Festschrift schreiben würde. Beides ist Fakt im Jahre 2015. Wiltrud Evers, die schon bei den Anfängen von Courage dabei war, hätte damit vor 30 Jahren auf jeden Fall nicht gerechnet.

Aus einer Selbsthilfegruppe von Frauen für Frauen ist der Verein seinerzeit hervorgegangen. „Wir sind total angefeindet worden“, erinnert sich die Diplom-Pädagogin Wiltrud Evers an die Reaktionen auf den Plan, einen Raum nur für Frauen schaffen zu wollen. Das habe damals bei vielen eine Menge komischer Fantasien freigesetzt.

Die Anfangsjahre waren schwierig

Second-Hand-Kleiderladen

Am Anfang haben die Frauen als Projektgruppe miteinander gearbeitet. Alle waren gleich, wollten sich selber verwirklichen und hatten politische Ziele im Kopf. Sie waren radikal und wenig konziliant. Ihr Ziel war es, einen Treffpunkt, eine Beratungsstelle für Frauen zu schaffen. Es wurden Räume angemietet, und da erwies sich der Beratungsbedarf ziemlich schnell als riesengroß. Erstmals gab es nämlich mit Courage in Bottrop eine Anlaufstelle für Frauen in Not- und Problemsituationen.

„Wirklich schwierig“ fand Wiltrud Evers die Jahre zwischen 1985 und 1992, als die Arbeit im Frauenzentrum immer wieder neu ausgehandelt werden musste, Stellen über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) finanziert wurden und übers Ehrenamt. Auch Wiltrud Evers hat im Mai 1985 hier ihre erste Stelle als ABM bekommen. Als Courage 1992 in die Landesförderung für autonome Frauengruppen aufgenommen wurde, gab es mehr Sicherheit. Stadt und Land finanzieren heute eineinhalb Stellen, die sich drei Frauen teilen.

Neben der Dipl.Pädagogin Wiltrud Evers, arbeiten hier die Dipl.Sozialwissenschaftlerin Silke Kutz und die Dipl.Sozialarbeiterin Ute Speier-Lemm. Alle sind Traumafachberaterinnen und haben weitere Therapieschwerpunkte. Sie machen Trennungs-, Scheidungs- und Gewaltschutzberatung, es gibt weitere Beratungsangebote. Vor zwei Jahren ist als neuer Schwerpunkt die Arbeit mit Kindern dazu gekommen, die zu Hause Gewalt erlebt haben. Wenn das Land zustimmt, wird die Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingsfrauen bald ein weiterer Schwerpunkt.

Teil des Bottroper Netzwerkes

Das Frauenzentrum ist heute ein wichtiger und unbestrittener Teil des Bottroper Netzwerkes. „Courage nimmt eine Fülle von Aufgaben für den Schutz und die Beratung von Frauen in Krisen- und Notsituationen wahr“, schreibt OB Bernd Tischler in seinem Jubiläumsvorwort. Bis zu 200 Frauen bitten jährlich um Beratungstermine. Wiltrud Evers ist stolz darauf, dass sie immer noch zeitnah einen Termin bekommen können.

Courage ist eine von 52 autonomen Frauenberatungsstellen im NRW-Dachverband, der sich politisch für die Interessen von Frauen einsetzt.

Frauenzentrum Courage, Essener Str. 13, 02041/63593, Mo-Fr, 9-14 Uhr, www.frauenzentrumcourage.de

Courage lädt zum Tag der offenen Tür ein

Bei einem Tag der offenen Tür will das Frauenzentrum sich am Samstag, 20. Juni, von 12 bis 16 Uhr der Öffentlichkeit präsentieren. Dann werden die Mitarbeiterinnen ihre Arbeit vorstellen, über Prävention und die Kindergruppe informieren, Warnsignale häuslicher Gewalt aufzeigen. Die Entwicklung der Rechte für Frauen ist Thema einer Ausstellung, die gezeigt wird. Außerdem wird es eine Kunstausstellung mit Wilma Reidick geben, Birgit Gill informiert über Kunst- und Entspannungspädagogik, es gibt auch eine Lesung.

Mit einer großen Party will das Frauenzentrum dann am 15. August ab 18 Uhr im Malakoffturm das 30-Jährige feiern. Dann soll Reden geben, Musik vom All Women-Chor und weiteren Gästen, Salate und Gegrilltes, Bierwagen und Cocktailbar. Eintrittskarten für zehn Euro sind schon jetzt im Frauenzentrum und bei Passmanns erhältlich.

Das Jubiläumsjahr endet mit der Second-Hand-Modenschau und Versteigerung am 6. November. Der Erlös ist dann für das Präventionsprojekt „Meine kleine Welt“ – Hilfe für Kinder bei häuslicher Gewalt bestimmt.