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Emscher-Umbau

Wie die Boye wieder sauber wird

22.01.2015 | 18:14 Uhr
Wie die Boye wieder sauber wird
Im Stauraumkanal - hier eine Aufnahme zu Baubeginn - können 23 200 Kubikmeter Schmutzwasser aufgestaut und abgeschieden werden.Foto:Oberhäuser

Bottrop.  Drei große Bauwerke entstehen aktuell an der Boye, einem heute noch in Teilen offenen Schmutzwasserlauf. Die Anlagen werden bald das Regen- vom Abwasser trennen. Das säubert am Ende auch die Emscher.

Wer von der Prosperstraße in die Welheimer Mark einbiegt, stößt auf ein unübersehbares Baufeld: Unmittelbar im Bereich ihres größten Pumpwerks im gesamten Emschergebiet baut die Emschergenossenschaft einen unterirdischen Stauraumkanal. Der verbessert künftig nicht nur bei Starkregen das Hochwasser-Management, sondern trennt auch noch sauberes Regen- von schmutzigem Abwasser. Der Stauraumkanal ist nur eine von insgesamt drei neuen Anlagen zur Regenwasserbehandlung, die aktuell an der Boye entstehen.

Miefende Fracht

Bislang fließt das Bottroper Flüsschen als offener Schmutzwasserlauf, als „Köttelbecke“ zum Pumpwerk Bottrop-Boye an der B 224. Von dort aus wird die miefige Fracht zur Kläranlage hochgepumpt. Das wird sich ändern, wenn der Abwasserkanal Boye fertig ist. Dann führt das Schmutzwasser sowohl am Pumpwerk als auch an der Kläranlage vorbei und geht direkt in den großen Abwasserkanal Emscher.

Das Abwasser aus dem Einzugsgebiet der Boye wird also künftig im Klärwerk Emschermündung in Dinslaken gereinigt. Auf Bottroper Gebiet gelangt das saubere Bach- und Regenwasser aus der Boye in die dann ebenfalls saubere Emscher, die an der Oberfläche fließt.

Unterirdisch

Um es von der Schmutzfracht zu separieren, baut die Genossenschaft entlang der Boye drei unterirdische Behandlungsanlagen. Sie entstehen an den Straßen Im Gewerbepark, Kraneburgstraße und In der Welheimer Mark und haben die Aufgabe, das Regen- vom Abwasser mithilfe der Schwerkraft zu trennen.

Verfahren senkt die Kosten
Verfahren schont die Umwelt und senkt Kosten

Stauraumkanäle und Anlagen zur Regenwasserbehandlung säubern Emscher-Zuflüsse wie die Boye, während die Abwasserkanäle und insbesondere die Kläranlagen entlastet werden.

Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch, denn die Abwasserkanäle können kleiner dimensioniert werden, was die Baukosten senkt. Zudem muss Regenwasser in der Kläranlage nicht noch einmal kostenträchtig mit gereinigt werden.

Das Arbeitsprinzip: Der neue unterirdische Abwasserkanal parallel zur Boye kommt zum Beispiel an der Straße „Im Gewerbepark“ mit einem Innendurchmesser von 3,50 Meter an. Hier führt er noch Regen- und Schmutzwasser. In dem gigantischen Stauraumkanal können große Mengen gesammelt werden.

Nun kommt es zur so genannten Regenwasserbehandlung: Bei starken Güssen wird das Mischwasser zunächst „angehalten“ und beruhigt. Die schwereren Schmutzsedimente setzen sich nach unten ab und können gedrosselt durch eine Ableitung in den Schmutzwasserkanal transportiert werden. Diese Leitung hat nur noch einen Durchmesser von 1,60 Meter – ein deutlicher Unterschied zu den vorherigen 3,50 Meter.

Nachbarstadt leitet mit ein

In Fließrichtung gesehen wächst der Durchmesser des Abwasserkanals der Boye nun wieder, denn er muss weitere Einleitungen aus Bottrop und Gladbeck aufnehmen. Zu einer Entlastung kommt es am neuen Stauraumkanal an der Kraneburgstraße, wo nach dem selben Schwerkraft-Prinzip getrennt wird.

Hinterher hat auch hier der Kanal zunächst wieder nur einen geringen Durchmesser, der dann mit 2,40 Meter im letzten Stauraumkanal In der Welheimer Mark ankommt. In diesem Bauwerk können rund 17 000 Kubikmeter aufgestaut werden, die Entlastungsschwelle misst 15 Meter.

Anbindung an Emscher-Kanal

Die Anbindung des Abwasserkanals der Boye an den großen, zentralen Abwasserkanal der Emscher kann nun, aufgrund der Entlastung durch die Reinwassertrennung, wiederum mit einem geringen Durchmesser von 1,60 Meter erfolgen.

Das oben schwimmende, weitgehend saubere und nicht klärpflichtige Regenwasser dagegen kann nach Erreichen einer bestimmten Menge und Höhe über eine 42 Meter lange Entlastungsschwelle ins Gewässer „schwappen“.

Michael Friese

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2015-01-22 18:14
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