Widerstand gegen Scooter-Verbot

Solche Scooter nehmen die Nahverkehrsunternehmen nicht mehr mit. Der Transport sei zu gefährlich, das Kipprisiko zu hoch, so die Begründung.
Solche Scooter nehmen die Nahverkehrsunternehmen nicht mehr mit. Der Transport sei zu gefährlich, das Kipprisiko zu hoch, so die Begründung.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Behindertenverbände sehen eine Diskriminierung. Das Land hat nun auch ein Gutachten zum Transport von E-Scootern in Bussen in Auftrag gegeben.

Bottrop..  „Wir müssen draußen bleiben“ – das gilt seit Dezember für die so genannten E-Scooter in den Bussen. Die kleinen zweiachsigen Elektromobile mit dem längeren Radstand, die manche körperlich eingeschränkte Menschen nutzen, seien ein Sicherheitsrisiko, so die Argumentation der Nahverkehrsunternehmen. Wie berichtet berufen sie sich auf ein Gutachten, das der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen in Auftrag gegeben hat. Darin wird das „Kipprisiko“ der Gefährte bemängelt.

Auf Landesebene regt sich Widerstand gegen dieses Beförderungsverbot. Der Landesbehindertenbeirat hat eine Resolution verabschiedet, Titel: „E-Scooter müssen auch weiterhin befördert werden.“ So kritisiert der Beirat, dass das Gutachten „alleine eine theoretische und berechnende Grundlage hat“. Zudem verstoße das Beförderungsverbot gegen das Behindertengleichstellungsgesetz und die UN-Behindertenrechtskonvention, so die Kritik des Landesbehindertenbeauftragten.

Peter Nowroth, Vorsitzender des örtlichen Behindertenbeirats, signalisiert Unterstützung für die Resolution. „Bisher habe ich nirgendwo Angaben gefunden, ob tatsächlich schon einmal so ein Unfall passiert ist.“ Wenn eine Gefahr bestehe, dann sieht Nowroth zuerst die Hersteller von E-Scootern in der Pflicht. Oder die Verkehrsunternehmen sollten überlegen, wie ein Transport sicher vonstatten gehen könne. „Ein generelles Verbot ist die schlechteste Lösung“, so Nowroth. Zwar habe sich der Beirat in Bottrop bisher nicht mit dem Thema befasst, doch der Vorsitzende geht davon aus, dass es im Februar so weit sein wird.

Dann wird er auch auf Bruno Woznitza treffen. Der Rollstuhlfahrer ist ebenfalls Mitglied im Beirat, und er kann das Verbot für E-Scooter nachvollziehen. Die Gefährte hätten einen ganz anderen Schwerpunkt als herkömmliche Elektro-Rollstühle, die vom Verbot nicht betroffen sind. Hinzu komme, dass die Scooter, weil sie nur über die Vorderachse gelenkt würden, nicht so wendig seien. „Anders als Rollstühle, die auf der Stelle drehen können und so auch gegen die Fahrtrichtung im Bus stehen können.“ Scooter ständen meist quer zur Fahrtrichtung, sagt Wozniza.

Josef Kleinert sieht das anders. Der 79-Jährige nutzt seit zehn Jahren einen Scooter. Sicherheitsprobleme sieht er nicht. In seinen Augen ist es vor allem ein Platzproblem, das durch den Ausbau einer Sitzreihe zu lösen sei. Er habe zumindest keine Schwierigkeiten gehabt und habe seinen Scooter auch nie quer abstellen müssen.

Norbert Konegen, Sprecher der Vestischen, sieht keine andere Möglichkeit als das Verbot. Denn die Versicherungen lehnten im Schadensfall eine Haftung ab. Nun hat das NRW-Verkehrsministerium ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Es soll die mögliche Gefahr umfassender beleuchten und auch Lösungsvorschläge oder Kompromisse anbieten. Ende März soll es vorliegen. So lange gelte es, abzuwarten, meint Konegen.