Werben um die Innovation City
12.11.2009 | 18:21 Uhr 2009-11-12T18:21:00+0100
Bottrop. Oberbürgermeister Bernd Tischler bringt die Stadt beim Initiativkreis Ruhr als Kandidatin für die Niedrig-Energie-Stadt ins Gespräch.
Die Innovation City spukte auch in den Köpfen der illustren Runde, die sich im Klärwerk der Emschergenossenschaft in der Welheimer Mark über Zukunftstechnologien austauschte. „Das kann ja nur Bottrop sein”, sagte Oberbürgermeister Bernd Tischler, als Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) darauf zu sprechen kam, dass der Initiativkreis Ruhr ja auch eine Art Niedrig-Energie-Stadt sucht.
Die Ministerin ermunterte den Oberbürgermeister, dem Initiativkreis die Vorzüge der Stadt in dessen Wettbewerb um das Vorzeige-Viertel für Energie-Effizienz und Kohlenstoffdioxid-Minderung näher zu bringen. „Ich habe mich getraut, Eon nur zwei Teilräume zu nennen”, sagte Christa Thoben lächelnd – nämlich in Herten und eben Bottrop.
Energiebedarf aus regenerativen Quellen decken
Der Ort schien gut gewählt für den kurzen Gedankenaustausch, ist das Klärwerk doch auch ein Ort innovativer Energie-Erzeugung. Zu 60 Prozent deckt es seinen Energiebedarf aus den eigenen regenerativen Quellen, unterstrich Dr. Jochen Stemplewski, der Vorstandsvorsitzende der Emschergenossenschaft.
Dazu produziert es Strom aus dem Faulgas, das in seinen vier großen Faulbehältern entsteht. Aus einem Teil stellen die Techniker auch Bio-Erdgas her, das als Treibstoff für die werkeigene Fahrzeugflotte dient. Aus dem Erdgas gewinnen sie außerdem hochreinen Wasserstoff. Damit wird über eine 900 Meter kurze Pipeline ein Wasserstoff-Kraftwerk gespeist, das das Schulzentrum in der Welheimer Mark mit Wärme versorgt. „Emmissionsfrei, sauber und klimafreundlich”, sagte Stemplewski. Der dort gewonnene Strom wird ins Netz von Emscher Lippe Energie gespeist.
Wasserstoff-Pipeline führt durch Bottrop
Um die Innovationen im Sektor Energie-Erzeugung und Energie-Effizienz besser zu vermarkten, soll ihre Umsetzbarkeit vor Ort demonstriert werden. Innovation City wird also ein Praxistest.
Der Initiativkreis Ruhr setzt dabei auf die Erneuerung gewachsener Stadt- und Gebäudestrukturen. Sein Ziel ist es, Kohlenstoffdioxid-Minderung mit höherer Lebensqualität und Wirtschaftlichkeit zu kombinieren. Dabei sollen die Synergien der Unternehmen genutzt und solche Projekte umgesetzt werden, die einzelne Akteure alleine nicht realisieren könnten.
Und der Wasserstoff aus Klärschlamm soll irgendwann ja auch Sprit für Wasserstoff-Fahrzeuge werden. Ein Projekt, das wie gemacht scheint für den Wettbewerb des Initiativkreises. Beiläufig erwähnte Stemplewski: „Wir sind im Arbeitskreis für die Innovation City mit dabei”. Bottrop möchte diese Vorzeigestadt werden, unterstrich Oberbürgermeister Tischler: „Unbedingt”. Er habe auch schon den Initiativkreis Ruhr angeschrieben, sagte Tischler. „Es wäre wirklich gut, wenn wir hier modellhaft zeigen könnten, wie durch intelligente Energiegewinnung ökologische Fortschritte zu erzielen sind”, sagte Tischler.
Dafür sei das Projekt in der Welheimer Mark ja nur ein Beispiel. Tischler führte auch den Zero-Emission-Park im Kruppwald an. Und: „Die Wasserstoff-Pipeline geht mitten durch Bottrop”, hob er hervor. Aus der Leitung der Firma Air-Liquide lasse sich mit Hilfe von Brennstoffzellentechnik auch die Siedlung in der Welheimer Mark mit Wärme und Strom versorgen.
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