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Ehrenamt

Wer lacht, der leidet nicht

28.02.2016 | 13:00 Uhr
Wer lacht, der leidet nicht
Karin Lipps als Demenz-Clownin Sansula die Gäste der ASB-Tagespflege An der Kommende.Foto: Winfried Labus

Bottrop.   Demenz-Clownin Sansula besucht die Gäste der ASB-Tagespflege „Zur Gartenstadt“. Die frühere Pflegedienstleiterin hat ein besonderes Ehrenamt.

Clownin Sansula kommt in den Saal. Sie hat ihren braunen Lederkoffer dabei. Auf ihrem Kopf thront ein kleiner roter Hut und mitten im Gesicht die rote Nase. Sansula hat eine rote Krawatte um. „Ich bin mal wieder vorbei gekommen“, ruft sie fröhlich in die Runde. Eine prompte Antwort kommt direkt von gegenüber: „Hallo, gibt es denn auch wieder ein Bonbon?“ Die Nascherei muss aber noch warten, denn erst wird gesungen: „Horch, was kommt von draußen rein.“

Sansula stimmt an und viele Stimmen fallen ein. Bis zur letzten Strophe singen die Gäste mit, Text und Melodie haben sie im Kopf. Viele der Menschen in der ASB-Tagespflege „Zur Gartenstadt“ haben demenzielle Veränderungen. Die Ende 2014 eröffnete Einrichtung An der Kommende betreut fünf Tage in der Woche insgesamt 19 Menschen, die alleine zu Hause nicht mehr zurecht kommen und meist von ihren Angehörigen betreut werden.

Clownin Sansula kennt sich gut aus mit diesen Menschen. Eigentlich heißt die 63-Jährige Karin Lipps und ist eine erfahrene Fachkraft. 30 Jahre lang war sie Pflegedienstleiterin im Altenwohn- und Pflegeheim St. Elisabeth in Wattenscheid. Vor drei Jahren ist sie in Altersteilzeit gegangen. An der Kommende ist sie nun ehrenamtlich im Einsatz.

„Ich habe erst einmal einen Schnitt gemacht“, erzählt die Bottroperin von ihrem Abschied aus dem Beruf. Zwei Jahre lang hat sie mal nichts für andere und nur was für sich gemacht. Sie hat die Klangschalen-Therapie erlernt, das Mantra-Singen für sich entdeckt und sich zur Clownin ausbilden lassen. „Und das alles versuche ich jetzt hier zusammen zu führen“, erzählt sie.

Warum als Clownin? „Menschen mit Demenz erreicht man nicht mehr rational, nur emotional“, erklärt sie. Wenn sie den „dummen August“ gibt, müssen sich die Menschen ihr gegenüber nicht unterlegen fühlen, wo sie doch sonst oft ihre eigene Unzulänglichkeit erleben. Und sie bekommen was zum Lachen: „Wer lacht, leidet in dem Moment nicht.“

„Man muss ihre Sinne nutzen“, meint Karin Lipps mit Blick auf die Gäste und holt ihre Klangschale aus dem braunen Koffer. „Oh was schön“, ruft die alte Dame und bewundert das Gold der Schale aus Indien. Karin Lipps schlägt mit dem Klöppel dagegen und jeder darf dem Klang mit den Fingern nachspüren. Sie hat Gewürze zum Schnuppern dabei und die alten Damen lächeln versonnen alten Erinnerungen aus der Küche nach.

Es gibt Herzchen-Ballons für jeden und auch einen Schoko-Hasen am Stiel. Aber der ist für später gedacht, gleich geht es erst gemeinsam an den Kaffeetisch. Der Schoko-Hase kommt statt in die Jackentasche in den Rollator und ist gleich vergessen.

Eine Bereicherung

„Ich haben keinen gekriegt“, beschwert sich die alte Dame und wundert sich auch über die Clownin: „Habe ich die schon mal gesehen?“ – „Ja“, erklären ihr die anderen, „die war doch schon mal hier.“ Als dann alle „Bruder Jakob, Bruder Jakob, schläfst Du noch?“ singen, fällt sie mit lauter Stimme und ganz textsicher ein.

„Die Karin ist eine Bereicherung“, freuen sich Ulrike Sanders und Jutta Deden-Dieckmann vom Team der Tagespflege, dass Karin Lipps als Clownin Freude und Lachen in den oft traurigen Alltag ihrer Gäste bringt. Die sind zwischen 47 und 90 Jahren und können je nach Pflegestufe bis zu fünf Tage hier verbringen.

Ute Hildebrand-Schute

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2016-02-28 13:00
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