Wenn Knochen brechen: Osteoporose

Dr. Gerald Schmitt: „Knochenabbau ist zwar nicht rückgängig zu machen und Osteoporose auch nicht heilbar, doch es ist möglich, den Krankheitsverlauf aufzuhalten.“
Dr. Gerald Schmitt: „Knochenabbau ist zwar nicht rückgängig zu machen und Osteoporose auch nicht heilbar, doch es ist möglich, den Krankheitsverlauf aufzuhalten.“
Foto: Winfried Labus / WAZ Foto Pool

Bottrop..  Wenn im Alter die Knochen schwinden oder gar brechen, steckt Osteoporose dahinter. Heimtückisch, unbemerkt und schleichend hat sie sich meist über Jahrzehnte entwickelt, bevor es zu den ersten und oftmals zugleich schwerwiegenden Beschwerden kommt.

„Rund 10 000 Menschen im Stadtgebiet sind betroffen“, schätzt Dr. Gerald Schmitt, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. „Meist trifft es Frauen. Vor allem die über 70-Jährigen sind gefährdet.“

Osteoporose gerät als Alterserkrankung zunehmend in den Blick. „Die Menschen werden immer älter, und bessere Diagnostik, Forschungs- und Behandlungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass die Krankheit sensibler wahrgenommen wird“, erläutert Schmitt. Charakteristisch für die Krankheit ist die Veränderung von Knochenmasse und -struktur, die sich etwa bis zum 30. Lebensjahr aufgebaut haben. Nach einer Phase der maximalen Knochenmasse baut sich diese ab etwa dem 40. Lebensjahr wieder ab.

Der Knochenschwund trifft vor allem Frauen nach der Menopause. Kalziumarme Ernährung, Bewegungsmangel, Untergewicht, Rauchen, Stoffwechselerkrankungen und Cortison-Einnahme gelten als Risikofaktoren. „Man spürt erstmal nichts, die Krankheit entwickelt sich schleichend über Jahrzehnte“, sagt Schmitt. „Und plötzlich stehen die Patienten da mit einem schmerzhaften Wirbelbruch und wissen nicht, wie sie sich den zugezogen haben.“ Blutentnahme, Röntgenaufnahme und Knochendichtemessung geben Gewissheit, ob Osteoporose dahinter steckt. „Die Knochen sind in diesem Stadium durchlöchert und nicht mehr stabil.“

Doch besteht auch die Chance, der heimtückischen Krankheit ein Schnippchen zu schlagen. „Knochenabbau ist zwar nicht rückgängig zu machen und Osteoporose auch nicht heilbar, doch es ist möglich, den Krankheitsverlauf aufzuhalten.“ Sich täglich eine halbe Stunde in der Sonne zu bewegen, rege den Vitamin-D-Stoffwechsel an, und der sei die Basis für den Erhalt der Knochenmasse.

Überhaupt sei Bewegung für den Erhalt der Knochen wichtig. „Denn Knochen leben von Be- und Entlastung, sie müssen gefordert werden“, sagt Schmitt. „Spaziergänge, Walken und Joggen sind ideal, um Osteoporose vorzubeugen.“ Zudem sei eine kalziumreiche Ernährung mit Milchprodukten sowie das Vermeiden von Kalziumräubern wie Fleischprodukten, Wurst und Limonaden hilfreich. Gerade ältere Osteoporose-Patienten sollten zudem versuchen, Stolperfallen in ihrer Wohnung aufzuspüren. „Ein Sturz kann schwerwiegende Folgen haben“, warnt der Mediziner.