Wenn Hören zu Kontemplation wird

Mit Schwung ans Werk: Dirigent Wolfgang Kläsener gastierte mit dem Kettwiger Bach-Ensemble beim Festival „Orgel Plus“ in Herz Jesu.
Mit Schwung ans Werk: Dirigent Wolfgang Kläsener gastierte mit dem Kettwiger Bach-Ensemble beim Festival „Orgel Plus“ in Herz Jesu.
Foto: FUNKE FotoServices
Mit lupenreiner Intonation und stilistisch versiert begeisterte das Kettwiger Bach-Ensemble beim Festival „Orgel Plus“ in Herz Jesu. An der großen Rensch-Orgel gab Franz-Josef Reidick ein Bottroper Heimspiel.

Bottrop..  Das Kettwiger Bach-Ensemble gehört nicht unbedingt mehr zu den Geheimtipps der Region. Seit gut 30 Jahren zählen die derzeit 25 Sängerinnen und Sänger unter ihrem Gründungsleiter Wolfgang Kläsener zu den profilierten Kammerchören.

Auch beim Festival „Orgel Plus“ überzeugten der Chor, der sich auch hier stilsicher und vor allem mit lupenreiner Intonation durch die unterschiedlichen Musikepochen bewegt. Die hohe Klangkultur des Ensembles zog die Zuhörer in der nicht ganz voll besetzten, großen Herz Jesu-Kirche sogleich mit William Byrds Introitus der Weihnachtsmesse „Puer natus est nobis“ nebst Psalmvers und „Gloria patri“ in den Bann. Im durchhörbar gestalteten A-capella Satz ließen die Kettwiger Feinheiten und harmonische Reibung delikat auf der Zunge zergehen, arbeiteten die verschiedenen Stimmen so fein heraus, dass Hören zugleich Kontemplation bedeutete.

Die große Rensch-Orgel von 1986, damals gewissermaßen Auslöser für das heutige Festival „Orgel plus“, hatte nach Bachs prächtiger C-Dur-Toccata BWV 582 ihren großen Auftritt in Max Regers Choralkantate „Vom Himmel hoch“. Unter den Händen von Franz-Josef Reidick, dem vierten Organisten, der für das Festival wieder einmal in seine Bottroper Heimat zurückkehrte, entspann sich das hochromantische Geflecht zwischen Orgel, den beiden Geigerinnen Theresia Norpoth-Weber und Almut Funk sowie dem Chor in sensibel durchgeformter Dramatik.

Packend erneut das Kettwiger Bach-Ensemble, das sich geschmeidig zwischen dem mal solistisch agierenden Sopran und dem dann wieder voluminösen Gesamtklang des vollen Chores bewegte. Und Reidick gab dort, wie auch bei den Lobgesängen des „Magnificat“ und dem „Nunc dimittis“ des Engländers Charles Villiers-Stanford, einfühlsam und dennoch effektvoll die nötigen Orgel-Farben dazu.

Neben dem englischen Liederabend am Dienstag im Kammerkonzertsaal, war dieses auch vom Publikum gefeierte Konzert vielleicht einer nachhaltigsten Abende von „Orgel Plus“ 2015.