Warenengpass wird zum Problem für die Tafel in Bottrop

Bei der Tafel in Bottrop sind die Waren, die hier von Helfern sortiert werden, knapper als sonst. Statt wie bislang zweimal in der Woche erhalten die Kunden nur noch einmal in der Woche Lebensmittel.
Bei der Tafel in Bottrop sind die Waren, die hier von Helfern sortiert werden, knapper als sonst. Statt wie bislang zweimal in der Woche erhalten die Kunden nur noch einmal in der Woche Lebensmittel.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bedürftige dürfen nun nur noch einmal pro Woche zur Lebensmittelausgabe kommen. Die ehrenamtlichen Helfer wollen weitere Supermärkte für Mitarbeit gewinnen.

Bottrop.. Warenmangel macht der Bottroper Tafel zu schaffen. Die Folge: Konnten Bedürftige bislang zweimal wöchentlich zur Lebensmittelausgabe kommen, wird das ab dieser Woche auf einen Besuch reduziert.

Und die jeweiligen Abgabemengen fallen gegebenenfalls kleiner aus, sagt der erste Vorsitzende Dieter Kruse. Mit der Knappheit stehe Bottrop nicht alleine da: „Andere Tafeln haben bereits einen Aufnahmestopp verhängt. Wir haben uns dagegen entschieden.“ Vielmehr sollen alle Berechtigten bedient werden – dafür erhält aber jeder etwas weniger.

Verteilmenge ist kleiner geworden

Dass die Verteilmenge kleiner geworden ist, liegt an mehreren Faktoren. Teils sei die Knappheit jahreszeitlich bedingt. „Das Gemüse, das über den Winter eingelagert war, geht jetzt zu Neige“, sagt der Vorsitzende. Das sei jedes Jahr im Frühjahr so. Eine bedeutende – und dauerhafte – Rolle spielt aber eine recht neue Entwicklung bei den Lebensmittelmärkten, von denen die Tafel die unverkäuflichen Waren erhält. „Die Geschäfte ordern ihre Waren nicht mehr wie früher einmal in der Woche, sondern sie werden jeden Tag beliefert“, sagt Kruse. Die Folge: „Es gibt nicht mehr so viele Waren, die sie abschreiben.“

Zudem seien die meisten Lebensmittelketten dazu übergegangen, Waren vom Vortag zum halben Preis zu verkaufen – wovon die Kunden regen Gebrauch machten. Teils würden Lebensmittel kurz vor Ladenschluss billiger gemacht, hat Kruse beobachtet. Unterm Strich bleibt weniger übrig, was von der Tafel an Bedürftige – wie Hartz-IV-Empfänger oder Rentner, die aufstocken müssen – verteilt werden kann.

Keine Auswirkungen auf die Warenmengen hätten hingegen die Unstimmigkeiten bei der Tafel gehabt, die 2013 bekannt geworden waren und nach denen sich der Verein neu aufgestellt hatte (die WAZ berichtete). Kein Supermarkt-Betreiber sei deswegen abgesprungen, so Kruse.

Die Waren werden weniger – gleichzeitig kommen mehr Menschen zur Tafel. „Seit Herbst haben wir wöchentlich fünf bis zehn Neuanmeldungen“, schildert Kruse. Darunter auch viele Flüchtlinge. An vier Standorten verteilt die Tafel Lebensmittel, allein an der Hauptstelle Gladbecker Straße zählte der Verein zuletzt an jedem der drei Ausgabetage pro Woche 100 bis 120 Kunden – die wiederum Lebensmittel für insgesamt 200 bis 250 Erwachsene und Kinder mitnehmen.

Der Verein ist jetzt dabei, weitere Geschäfte anzusprechen, um sie für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Sollte der Engpass irgendwann überwunden werden können, soll jeder Kunde wieder zweimal pro Woche zur Tafel kommen können.

Lebensmittel für Flüchtlinge

„Wir bereiten uns darauf vor, dass Ende April/Anfang Mai die Körnerschule mit Flüchtlingen belegt wird“, erzählt der Ehrenamtliche. „Ich weiß natürlich nicht, ob sie alle zu uns kommen – aber sie wären dazu berechtigt.“

Freiwilliges Angebot

Manchen müsste erst erklärt werden, dass die Tafel ein freiwilliges, ehrenamtliches Angebot ist – aus Unkenntnis heraus werde manchmal geglaubt, es bestehe ein Anspruch auf Lebensmittel für eine ganze Woche. Weil die Sprache nicht zuletzt bei der Aufnahme in die Tafel-Kartei ein Problem ist, wurde zusammen mit dem Integrationsrat ein Bogen entwickelt, der inzwischen in ein Dutzend Sprachen übersetzt ist, sagt Kruse.

Familien mit Kindern

„Wir brauchen etwa Angaben zum Familienstand, zur Anzahl und zum Alter der Kinder.“ Danach richtet sich, was die Kunden mitnehmen können – so gehen Obst, Milchprodukte und Süßes vorrangig an Familien mit Kindern.