Vor 60 Jahren eröffnet das Kino „Scala“

Auch Bottrop war einmal eine Kinostadt. Nicht nur zur Hoch-Zeit der Kunstform „Film“, in den 50er Jahren, als bis zu 11 Lichtspielhäuser in der Stadt existieren und über 1,6 Millionen Besucher zählen - das war im Jahr 1956. Ein Jahr zuvor - vor 60 Jahren - eröffnet auf der Hochstraße das Filmtheater „Scala“. Vor 85 Jahren zeigt die alte Schauburg mit dem Ufa-Streifen „Atlantic“ den ersten abendfüllenden Tonfilm in der Stadt.

Das Archiv der WAZ und vor allem auch die von Wilfried Krix akribisch erarbeitete Publikation „Film ab in Bottrop. Vom Kirmes-Kinematographen bis zum Kommunalen Kino“, die in der Reihe „Geschichtsstunde“ des Stadtarchives erschienen ist, zeichnet diese Epoche - kurz vor dem endgültigen Durchbruch des Fernsehens - nach.

Der Niedergang kommt schnell

Natürlich rief die berühmte „Sünderin“ mit der jungen Hilde Knef 1951 die Bottroper ebenso auf den Plan, wie anderswo. So etwas wird im zwei Jahre später eröffneten Kino im katholischen Matthiasheim nicht auf dem Spielplan gestanden haben. Aber auch Säle im kleinsten Vorort zeigen, wie populär das Medium Film in diesen Jahren war.

Trotz eigener Theater in Batenbrock , dem „Corso“ im Fuhlenbrock oder der „Kamera“ in der Boy bleiben die Innenstadt-Kinos die Magneten für die Bottroper. Dazu gehören die Traditionskinos „Alhambra“, „Capitol“, Thalia-Theater“ und natürlich die Schauburg, deren Schließung bereits 1986 dazu führt, dass Bottrop kein kommerzielles Kinos mehr hat.

Die Bottroper „Scala“ entststeht direkt neben dem „Capitol“. Oberbürgermeister Ernst Wilczok eröffnet das moderne 600-Plätze-Haus 1955 mit dem „Förster vom Silberwald“, einem der Filme, die dem Verlangen der Nachkriegszeit nach Romantik und (vermeintlichem) Idyll entgegenkommen.

Das WAZ-Foto oben zeigt die elegant geschwungene Bar, mit der das Haus dem „Casino-Typ“ der damaligen Zeit, wie Wilfried Krix den Stil bezeichnet, entspricht.

Kino war damals Treffpunkt. Wie Theater verfügten die Häuser über Garderoben, Bars, zahlreiches Personal - und oft genug auch die klassifizierenden zwei Ränge.

Wie schnell ein Boom vorbei sein kann, zeigen die Besucherzahlen, die in nur wenigen Jahren rapide fallen. So berichtet Wilfried Krix in seiner Statistik von von 1,6 Millionen verkaufter Kinokarten 1956, während vier Jahre später die Zahl bereits bei nur 785 000 liegt. Das erste Kino, das nach dem Krieg schließt, ist das Fuhlenbrocker „Corso“. Es folgen das „Universum“ in Lehmkuhle, 1965 die „Kamera“ in der Boy., bis es schließlich nach 1967 nur noch die City-Kinos „Schauburg“, „Capitol“ und die „Scala“ gibt.