Vor 40 Jahren schließt das Straßenbahndepot

1913 als Betriebshof und Depot für die Vestische Straßenbahn errichtet und 1975 geschlossen. Heute befindet sich dem Gebäude das Brauhaus Bottich.
1913 als Betriebshof und Depot für die Vestische Straßenbahn errichtet und 1975 geschlossen. Heute befindet sich dem Gebäude das Brauhaus Bottich.
Foto: WAZ

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an: Was im Schlager nett klingt, trifft auf die Straßenbahn in Bottrop nicht zu. Gerade einmal 66 Jahre, von 1909 bis 1976, währt die Zeit der „Elektrischen“ im westlichsten Zipfel der alten „Vestischen Straßenbahnen GmbH“. Dabei handelt es sich bei der endgültigen Stilllegung des letzten Streckenabschnitts der Linie 17, die bis 1976 noch zwischen Bottrop und Gladbeck verkehrt nur um das Ende eines sich schon längst abzeichnenden Todeskampfes.

Bahndirektion für das „Westnetz“

Ein sicheres Zeichen dafür, dass man für den Schienenverkehr in Bottrop keine Zukunft mehr sieht, ist sicherlich auch die Aufgabe des alten Straßenbahndepots vor 40 Jahren an der Gladbecker Straße. Man setzt eben ganz auf Busse, was der Beschluss zur Errichtung eines neuen Busbetriebshofes im selben Jahr zeigt - und die „Vestische“ in ihrem Jubiläumsband „Auf Linie“ bestätigt.

Den stattlichen Komplex, der bis heute im Kern besteht und das Brauhaus Bottich beherbergt, errichtet die „Vestische“ 1909. Zu der Zeit erweitert die Straßenbahngesellschaft, deren Wurzeln in Herten und Recklinghausen liegen, nicht nur ihr Liniennetz, sondern vor allem auch ihren Wagenbestand deutlich. Dadurch wird neben Herten ein zweiter Betriebshof nötig, der am anderen Ende des Einzugsgebietes, im damals aufstrebenden Bottrop gebaut wird. Im selben Jahr eröffnet auch die Strecke von Horst über Gladbeck nach Bottrop und wenige Monate später der Abschnitt von Bottrop nach Osterfeld.

Damals sitzt in Bottrop sogar eine Straßenbahndirektion für das so genannte Westnetz, dass mit knapp 20 Kilometer Länge wesentlich kürzer ist, als das Ostnetz mit gut 30 Kilometer Länge. In den 1950er Jahren sollten es einmal über 260 Kilometer mit insgesamt 21 Linien sein, wie „Auf Linie“ betont. Die Verwaltung bündelt die „Vestische“ aber noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Herten.

Fest steht, dass in den 1950er Jahren das Straßenbahnnetz am dichtesten ausgebaut ist. Eine Linie fährt in die Boy. Auf der Schiene nach Sterkrade? Kein Problem. Und selbst von Gladbeck nach Kirchhellen gibt es ein Straßenbahnstrecke. Wie rasant der Umbau stattfindet, zeigt sich am Abschmelzen der Linien im Gesamtgebiet der „Vestischen“ auf 11 im Jahr 1966. Bis 1975 reduziert man das Schienennetz von 260 auf 82 Kilometer.

In Bottrop werden zunächst die Strecken nach Oberhausen sukzessive gekappt. Die „17“ nach Gladbeck „verschwindet“ gleichsam über Nacht. Am 28. November 1976 fährt die 17 endgültig nicht mehr.

Vom Straßenbahndepot zum Brauhaus

Nach der Stilllegung des Straßenbahndepots 1975 gehen die Gebäude zunächst in städtischen Besitz über. Die überigen gebäude nutzen verschiedene Vereine und Verbände. Nach einigen Jahren eröffnet dort das Brauhaus Bottich, das sich noch heute dort befindet.
Aus Anlass der Stilllegung der letzten Straßenbahnlinie, dann vor 40 Jahren, plant das Stadtarchiv 2016 eine Ausstellung.