Vor 20 Jahren beginnt der Abriss des alten Hauptbahnhofs

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Vielen alten Bottropern wurde es im Februar 1995 sicher auch etwas wehmütig ums Herz, als die Abrissbagger sich durch das alte „Knusperhäuschen“ fraßen. Der frühere Hauptbahnhof, von vielen eben mit Namen wie diesem bespöttelt, bedeutete für so manchen auch ein Stück Heimat, vielleicht auch etwas nostalgische Gemütlichkeit. Die kann das neue, etwa eine halben Kilometer weiter nach Westen gerückte, Ensemble aus Beton, Glas und Stahl mit seinen Aufzügen und Rampen bei aller Funktionalität sicher nicht bieten.

So sei an dieser Stelle noch einmal an das frühere Gebäude erinnert, das im Laufe der 70er und 80er Jahre immer mehr verfiel und bald nur noch als teilweise malerisches Provisorium wahrgenommen wurde. Dennoch: Für viele Familien hatte dort, am alten Häuschen, das im Kern noch auf das Eröffnungsjahr 1905 zurückging. die Fahrt in den Urlaub, zur Arbeit oder lange davor auch in den Krieg begonnen. Man holte sich ab, brachte Verwandte dorthin, wenn sie Bottrop verließen - und manch einer trank sicher noch ein Bier in der später angebauten Bahnhofsgaststätte.

Von Anfang an war der Hauptbahnhof - bis in die 30er Jahre hieß er noch Bottrop-West - etwas kurios. Direkt zu Anfang, 1905, lag er wie eine Insel zwischen zwei Gleisen, die zu unterschiedlichen Strecken damals unterschiedlicher Gesellschaften gehörten. Und erlag eben nicht im Stadtzentrum, sondern dort, wo bereits die Hauptadern von Industrie und Verkehr verliefen: in der Nähe der Bergwerke, auf der nördlichen Schiene des alten Industriereviers zwischen Rhein und den kohlefördernden Städten weiter östlich entlang der Emscher. Was für die Zechen - viele von ihnen schlossen ihre Betriebs-Trassen direkt an dieses Verkehrsnetzwerk an - und andere Industriezweige vorteilhaft war, sollte sich für den Personenverkehr bis heute als Nachteil erweisen. Denn Bahn und City sind auch jetzt nur durch Busse verbunden. Dafür zerschneiden andererseits auch keine Gleise mit ratternden Zügen die Innenstadt.

Von den ursprünglich fünf Bahnhöfen auf heutigem Stadtgebiet - West, Nord, Süd, Boy sowie Kirchhellen - sind nur noch der Hauptbahnhof und Boy als Bahnhöfe, sowie Vonderort und Feldhausen als Haltepunkte, erhalten.

Der Bahnhof Nord zeigt seine hübsche Ziegelarchitektur seit 1997 wieder im alten Glanz. Wer heute dort auf der Terrasse des gleichnamigen beliebten Restaurants sitzt, kann sogar mit etwas Glück noch einen Güterzug langsam vorbeizockeln sehen.