Von Prospers Grubenwehr blieb nur die Wache

Das alte Gebäude der Berufsgrubenwehr Prosper an der Essener Straße ist noch teilweise erhalten.
Das alte Gebäude der Berufsgrubenwehr Prosper an der Essener Straße ist noch teilweise erhalten.
Foto: Friedhelm Wessel
Was wir bereits wissen
Vor hundert Jahren heuerte die Arenbergsche Aktiengesellschaft für Bergbau- und Hüttenbetriebe ihre erste eigene Feuerwehr für unter Tage an.

Bottrop..  Vor 100 Jahren gründete die Arenbergsche Aktiengesellschaft für Bergbau- und Hüttenbetriebe die Berufsgrubenwehr der Zeche Prosper. Es ging dabei wohl recht militärisch zu. Denn mit der Leitung betraute die in Bottrop ansässige Bergbaugesellschaft 1914 - den Essener Oberwachtmeister Pabelik von der Kruppschen Werksfeuerwehr. Zehn Jahre später trat dann ein ehemaliger Reichswehrhauptmann als Chef der Grubenwehr den Dienst in Bottrop an. Georg Paschke hatte aber zuvor schon Berufserfahrung bei der Rheinelbe-Wehr gemacht.

Die Gründung der Bottroper Grubenwehr am neuen Rhein-Herne-Kanal ist wohl auf das größte Grubenunglück 1906 im nordfranzösischen Courriers zurückzuführen: Dort hatte es fast 1100 Toten gegeben. Zwar war Prosper I zuvor von großen, untertägigen Unglücken verschont geblieben, trotzdem hatte Arenberg-Direktor Brenner darauf gedrungen, eine Berufsgrubenwehr nach Vorbild der Zechen Rheinelbe in Gelsenkirchen und Shamrock in Herne einzurichten.

Die neue Berufsgrubenwehr, die im Schatten von Prosper I ein Gebäude bezog, verfügte nach dem Neubau der Hauptwache über 14 Fahrzeuge, darunter drei Krankenwagen. Sie war voll in das Bottroper Rettungswesen integriert. So rückte die Prosper-Wehr am 11. November 1927 zu einem Verkehrsunfall mit einem Krupp-LKW aus. 1959 halfen die Prosperianer bei der Bekämpfung eines Brandes im Schwellenlager am Hauptbahnhof, 1962 war sie zur Brandbekämpfung in der Arenbergschen Hauptverwaltung eingesetzt. Als im April 1960 in Düsseldorf eine Papierfabrik in Flammen stand, kam die Bottroper Berufsgrubenwehr ebenfalls zum Einsatz.

Unter Tage wurden die Wehrmänner von 1924 bis 1965 zu mehreren spektakulären Großeinsätzen gerufen: auf die Zeche „Carl Funke“ (Essen), auf „Consol“, „Dahlbusch“ und „Bismarck“ (Gelsenkirchen) und die Zeche „Jacobi“ in Osterfeld. Von 1914 bis 1964 wurde die Wehr zu 1458 Einätzen gerufen und absolvierte dabei über 150 000 Kranken- und Verletztentransporte.

1979 kündigte sich das Ende des Berufsgrubenwehr an. Am 31. Dezember 1982 verabschiedete sich ihr letzter Chef, Felix Noll, von den 58 Mitarbeitern. Bis 1984 bestand die Grubenwehr aber noch mit wenigen Mitgliedern weiter. Zwischenzeitlich waren alle Formalitäten zwischen der RAG und der Stadt Bottrop geklärt. Denn nun war die Kommune auch für den Brandschutz in der ehemaligen Kohleölanlage in Welheim, der Kokerei und den Prosper-Haniel-Werksanlagen zuständig. Dazu wurden sieben neue Planstellen bei der Bottroper Berufsfeuerwehr geschaffen.

45 Kumpels kamen ums Leben

In der fast 150-jährigen Geschichte des heimischen Bergbaus kamen 45 Kumpels im Untertagebetrieb der Zechen „Arenberg“, „Prosper-Haniel“, „Rheinbaben“ und „Welheim“ seit 1856 ums Leben. Dabei blieb der Bottroper Bergbau jedoch von größeren Unglücken – wie auf Nachbarzechen in Gelsenkirchen – verschont.

Auf Prosper I ereignete sich bereits 1866 ein Unfall, bei dem 14 Bergleute ihr Leben ließen. Es war ein Seilriss, denn damals verfügte der Bergbau noch nicht über die längst zum Standard gewordenen Förderseile aus Stahl, damals beförderte man Kumpels und Kohle noch mit dicken Naturseilen. Ein weiteres Unglück gab es dann 1907 am Schacht 5. Hier starben drei Kumpels. 19 Jahre später, es war der 9. Oktober 1926, forderte ein Strebbruch auf Prosper II das Leben von drei Bergleuten.

Auf der Schachtanlage „Arenberg“ starben bei einem Strebbruch, der sich 1919 ereignete, vier Kumpels. Eine Explosion im Untertagebetrieb von „Rheinbaben“ im Jahre 1920 forderte fünf Menschenleben. 13 Kumpels ließen auf der Zeche „Welheim“ ihr Leben. Hier kam es am 24. August 1921 und am 20. Januar 1927 zu Grubenunglücken. Während es 1921 ein Brand war, starben 1927 die Bergleute wieder bei einem Seilfahrtsunglück. Die Prosper-Wehr war auch auf der Nachbarzeche „Jacobi“ - sie gehörte seit Anfang 1965 zum Verbund mit „Haniel“ - im Einsatz, als dort am 28. Juli 1965 ein Grubenbrand ausbrach. Zwei Kumpels starben. Die Toten konnten erst Monate später aus „Flöz Hugo“ geborgen werden