Von Bottrop nach Australien

Alle versammeln sich um Paul Klimek (Bildmitte): Die 13-jährige Paula Noonan (v.li.), Renate Klimek, Lee Noonan, Regina Noonan und Sohn Stefan.
Alle versammeln sich um Paul Klimek (Bildmitte): Die 13-jährige Paula Noonan (v.li.), Renate Klimek, Lee Noonan, Regina Noonan und Sohn Stefan.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Regina Noonan verließ vor 17 Jahren das Ruhrgebiet – der Liebe wegen. Sie lebt nun mit Ehemann und zwei Kindern an der Küste, nah am Großen Barrier Riff.

Für viele Menschen ist es das Urlaubsparadies schlechthin, für die gebürtige Bottroperin Regina Noonan ist es das neue Zuhause: die Ostküste Australiens, gleich am weltberühmten Großen Barrier Riff. „Blaues Meer, das Korallenriff, sauberer, feiner Sand, fangfrischer Fisch, ja, das gehört für uns zum Leben“, erzählt die 48-Jährige. Eine Beschreibung, die für an Regen und dunkle Tage gewöhnte Bottroper wie aus einem Ferien-Katalog klingt. Jetzt ist Regina Noonan mit Ehemann Lee, 60, Tochter Paula, 13, und Sohn Stefan, 8, für einige Wochen bei den Eltern zu Besuch. „Wir kommen regelmäßig nach Bottrop“, sagt sie, „das hier ist schon unser zweites Zuhause.“

Knallige Farben, Sand wie Zucker

Vor 17 Jahren hat die Krankenschwester ihre „erste“ Heimat verlassen – der Liebe wegen. „Ich hatte mich verliebt, in Lee, meinen jetzigen Mann.“ Da war sie ungefähr 24 Jahre alt und als Rucksack-Touristin unterwegs in Australien. Die Schwester ihres Vaters Paul Klimek lebte zu dieser Zeit schon auf der Südhalbkugel, auch sie war der Liebe wegen nach Australien gegangen. Sie war ihrem Verlobten gefolgt. Regina Noonan, damals noch Klimek, hat ihre Tante dort getroffen. „Mein Cousin hat mich mit meinem Mann bekannt gemacht, die beiden sind Freunde.“ Ihre Liebe hielt, trotz der enormen Entfernung, und 1999 war es soweit, sie heiratete Lee Noonan.

Für die Eltern, Renate und Paul Klimek, sei der Abschied schlimm gewesen, sagen sie. „Wir wussten ja nicht, wann wir uns wiedersehen“, sagt Renate Klimek. Zur Hochzeit allerdings haben sie die weite Reise – von Haustür zu Haustür dauert sie 40 Stunden lang – dann doch gewagt. „Wir sind gleich vier Monate da geblieben“, erzählen sie noch immer überwältigt von dem außergewöhnlichen Erlebnis – das sie inzwischen allerdings mehrfach wiederholt haben. „Sie können sich das kaum vorstellen“, schwärmt Renate Klimek, „wenn man mit dem Boot rausfährt zum Großen Barrier Riff, es kommt einem vor, als führe man direkt in einen riesengroßen Opal hinein. Die Farben sind ist unbeschreiblich, richtig knallig.“ Der Sand, sagt die 76-Jährige, sei fein wie Zucker.

Das Große Barrier Riff, das größte Korallenriff der Erde, beeindruckt auch Regina Noonan. „Es ist etwas ganz Besonderes.“ Ihr Haus liege an der Küste, in Townsville, erzählt sie, drei Stunden mit dem Boot entfernt von diesem Unesco-Kulturerbe.

Jetzt, während des Besuchs in Bottrop, werde das Haus von einem Ehepaar bewohnt, das auch auf die zwei Hunde aufpasst. „Das ist üblich bei uns“, lacht sie, „in Deutschland gibt es Babysitter, bei uns gibt es Haussitter.“

Weihnachtsfeiern am Strand

In der Region an der australischen Ostküste herrsche subtropisches Klima, im feuchten „Winter“ liege die Temperatur bei rund 24 Grad, im trockenen Sommer seien es um die 32 Grad. Mehr Jahreszeiten gebe es nicht. Und weil das Klimas so mild ist, spielt sich sehr viel draußen ab. „Bei uns wird selten zuhause gefeiert, man trifft sich meistens draußen, am Strand oder im Park.“ Überall stünden Grills für die beliebten Barbecues bereit. „Das wird sehr oft benutzt, trotzdem ist alles immer sauber. Jeder macht seinen Schmutz wieder weg.“ Auch die Weihnachtsfeiern der Betriebe würden nicht in einem Lokal, sondern am Strand abgehalten. „Erst machen wir Barbecue, dann gehen wir schwimmen“, erzählt Lee Noonan.

Paula und Stefan Noonan besuchen, weil sie meist viele Wochen bei den Großeltern in Bottrop sind, dann hier die Schule. „Sie gehen in die Fichteschule“, sagt Regina Noonan. Paula sei jetzt erstmals zum Josef-Albers-Gymnasium gegangen. „Toll, dass das so gut funktioniert“, lobt die Mutter, die im Knappschaftskrankenhaus ihre Ausbildung zur Krankenschwester gemacht hat und in Australien auch in diesem Beruf arbeitet.

Und was vermissen „die Australier“ hier am meisten? „Schnee“, rufen Paula und Stefan, die aus der Australien „nur“ zwei Jahreszeiten kennen, spontan. Kürzlich, als hier die ersten Flocken des Jahres fielen, sind sie gleich alle ‘raus in den Westerwald gefahren -- Schnee gucken.