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Vom Trabrennsport zur Gebisspflege

14.08.2012 | 19:04 Uhr
Vom Trabrennsport zur Gebisspflege
Pferdedentist Raymond van den Berg untersucht das Gebiss seines Pferdes Keen Boy Action. Foto: Birgit Schweizer

Bottrop. Der Blick in das Maul von Keen Boy Action ist imposant: Pferdedentist Raymond van den Berg hat dem 19-jährigen Traber ein so genanntes Maulgatter zwischen Ober- und Unterkiefer geklemmt, um das Gebiss des Pferdes zu untersuchen. „Das sollte bei jungen Pferden bis zu fünf Jahren zweimal pro Jahr erfolgen, dann einmal jährlich“, stellt der Dentalpraktiker für Pferde fest. „Denn auch das Gebiss der Pferde braucht regelmäßige Pflege.“

Vor drei Monaten hat Raymond van den Berg seine Weiterbildung zum Pferdedentisten abgeschlossen. „Mir war immer schon wichtig, mich um Pferde und ihr Wohlergehen zu kümmern“, erklärt van den Berg seine Beweggründe für diese außergewöhnliche Weiterbildung neben seinem Beruf als Lagerist in einem Möbelhaus. Schon als Kind war das Reiten sein Hobby und mit 16 Jahren begann van den Berg seine Ausbildung zum Pferdewirtschaftmeister im Trabrennsport. Lange Zeit faszinierte ihn der Rennsport, und natürlich fuhr er auch selbst Rennen.

„Schon damals wusste ich, dass die Zähne meines Pferdes in Ordnung sein müssen, damit es sich wohl fühlt und gute Ergebnisse auf der Rennbahn zeigt“, so der Pferdedentist. „Wenn ein Pferd beispielsweise schlecht frisst, das Maul aufsperrt, die Zunge heraushängen lässt oder mit dem Kopf schlägt, so kann das auf Gebissprobleme hinweisen.“ Auch weitere Probleme wie Widerwille beim Aufzäumen, übermäßiges Zungenspiel, mit dem Schweif schlagen, Ohren anlegen, Herunterschlingen von Futter oder übermäßiger Speichelfluss könnten Hinweise für Gebissprobleme sein. „Pferde können sich halt nur so äußern“, meint van den Berg. „Und wahrscheinlich bereiten ihnen manche Gebissprobleme sogar Schmerzen - genauso wie dem Menschen.“

Im Vordergrund der Arbeit des gebürtigen Holländers steht grundsätzlich nicht die Schönheit des Pferdegebisses, sondern seine Funktion. Pferde sind Pflanzenfresser und bis zu 16 Stunden mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Dabei müssen die Gräser beim Kauen gut zermahlen werden, um deren weitere Verdauung durch Mikroorganismen im Dickdarm zu gewährleisten. „Aber Gräser sind heute auch nicht mehr das, was sie einmal waren“, schmunzelt van den Berg. „Sie sind heute weicher und feiner, und auch der Boden ist sauberer, so dass die Pferde nur selten kleine Steine aufnehmen.“ Die Folge ist, dass die Pferdezähne - sie wachsen ohnehin rund zwei Millimeter im Jahr und können durchaus die Größe einer Wäscheklammer erreichen - häufig Kanten oder Haken entwickeln, die den Mahlprozess des Gebisses behindern. „Drum müssen diese Hindernisse ein- bis zweimal im Jahr abgeschliffen werden, je nach Alter des Pferdes“, erläutert der 38-Jährige. Zudem würden grundsätzlich die so genannten Wurfzähne entfernt, die junge Pferde etwa im Alter von drei Jahren bekommen. „Diese Zähne stören nur und haben keinerlei Funktion“, stellt van den Berg fest und erläutert das Pferdegebiss. Fohlen haben zunächst 24 Milchzähne, die bis zum fünften Lebensjahr 36 bis 44 bleibenden Zähnen weichen. „Ein Zahnwechsel also, wie beim Menschen.“

Zwar sind Pferde und ihr Wohlergehen die große Leidenschaft von Raymond van den Berg. „Aber reiten kann ich sie nicht“, gibt der Pferdedentist schmunzelnd zu. „Ich kann allenfalls drauf sitzen. Aber ich schätze ihre Schnelligkeit und athletischen Körper und das Vertrauen, das man zu den Pferden aufbauen kann.“ Weitere Infos: www.pferd-dentist.de

Andrea Kleemann


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