Virtuosin mit Verstand und Gefühl

Die beiden Abstecher des Klavier-Festivals Ruhr nach Bottrop gehören seit Jahren fest zum Klassik-Kalender der Stadt. Jetzt gab es im voll besetzten historischen Lokschuppen einen Auftritt mit Mona Asuka Ott, die mittlerweile, so scheint es, beim Festival auf Bottrop abonniert ist. Zu ihrem rein romantischen Programm setzte auch die überarbeitete Fassung von Kensaku Shimizus Komposition „Izumi“, die so hier erstmals erklang, keinen Kontrapunkt.

Vielmehr scheint Shimizu das spätromantisch-impressionistische Arsenal durchpflügt zu haben. Mit flirrenden Klangwirbeln, die an gewisse Wasserspiele erinnern, gebrochenen Akkorden, Arpeggien und kurzen raschen Läufen webt er ein feines zum Teil virtuoses Klang-Gespinst, das Mona Asuka Ott beherzt wie schwerelos durch den Raum gleiten lässt. Wenige wuchtige Klang-Blöcke, Dissonanzen, die sich durch munteren Pedalgebrauch förmlich verhauchen und zartes Töne-Tröpfeln am Ende sind hübsch anzuhören, hinterlassen aber keinen bleibenden Eindruck.

Dagegen muss Liszts „Rhapsodie espagnole“ mit ihrer Virtuosität und den Hell-Dunkel-Effekten vor rund 150 Jahren fast avantgardistisch geklungen haben. Ott treibt das Stück brillant und technisch mühelos durch Höhen und Tiefen. Glitzernde Leichtigkeit, dunkel getöntes Geheimnis führt sie souverän vor.

Bach durch die romantische Brille betrachtet: So könnte man Mendelssohns Präludien und Fugen op. 35 charakterisieren, deren erstes mit prächtigem Choral wie ein imposantes Portal in Otts Mendelssohn-Welt der folgenden „Lieder ohne Worte“ daherkommt. In Schuberts früher a-Moll Sonate D 537 lässt sie bereits spätere Abgründe schroff aufblitzen. Als Zugabe schloss sie mit Bachs Invention Nr. 15 den Kreis.