Viel Aufklärungsbedarf beim Mindestlohn

Suzann Drähter  und Dieter Langnickel vom DGB informieren Elisabeth Groneberg (mi.) Sie nimmt die Information für ihre Kinder und Enkel mit.
Suzann Drähter und Dieter Langnickel vom DGB informieren Elisabeth Groneberg (mi.) Sie nimmt die Information für ihre Kinder und Enkel mit.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Am bundesweiten Aktionstag verteilen die Gewerkschaften Informationsbroschüren am ZOB. Sie appellieren an alle Betroffenen, sich bei Fragen und Problemen zu melden.

Bottrop..  Reinhard Thater drückt dem vorübereilenden Passanten einen Flyer in die Hand: „Was bedeutet das Mindestlohngesetz für mich?“ So lautet der Titel der Broschüre, die der Bottroper DGB-Vorsitzende gemeinsam mit seinen Mitstreitern am Montagmittag am ZOB verteilt. Bundesweit macht der DGB an diesem Tag mit Aktionen auf den Mindestlohn aufmerksam. 8,50 Euro pro Stunde sollen Arbeitnehmer verdienen, „aber es besteht noch viel Aufklärungsbedarf“, sagt Thater. Der DGB biete Hilfe an, wenn Unternehmen nicht bereit sind, den Mindestlohn zu zahlen oder wenn Arbeitnehmer unsicher sind, ob ihnen der Lohn zusteht.

Elisabeth Groneberg greift nach der Broschüre und nimmt sie gern mit. Sie selbst ist zwar inzwischen Urgroßmutter und arbeitet nicht mehr, „aber meine Tochter und Enkelkinder stehen im Berufsleben“. Die Einführung des Mindestlohns zum Jahreswechsel findet sie richtig und wichtig. „Es kann doch nicht sein, dass jemand arbeitet und dann aufs Amt angewiesen ist.“ Gerade Familien, so glaubt sie, könnten von dem Mindestlohn profitieren. „Mit zwei Kindern steht man sonst schnell auf dem Schlauch.“

Suzann Dräther beteiligt sich für die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) an der Mindestlohnaktion. In ihrer Branche sei das ein wichtiges Thema, vor allem in der Gastronomie, sagt sie. So gebe es Gastronomen, die sich vor der Zahlung des Mindestlohns mit dem Verweis auf Trinkgelder drücken wollten.

Für noch wichtiger hält Suzann Dräther aber die Kontrolle des Mindestlohns bei geringfügig Beschäftigten. Denn auch die so genannten 450-Euro-Kräfte haben einen Anspruch auf Mindestlohn. Damit haben sie am Ende des Monats zwar nicht mehr im Portemonnaie – es bleibt bei 450 Euro – doch für das Geld müssen sie weniger arbeiten. Die Gewerkschafterin appelliert an alle Betroffenen, diese Stundenreduktion auch tatsächlich nachzuhalten. In dem Bereich sieht Suzann Dräther auch den größten Kontrollbedarf. Sie fürchtet, dass gerade Verkäufer in kleineren Betrieben Probleme bekommen könnten, den Mindestlohn durchzusetzen. Für die Kontrolle des Mindestlohns ist der Zoll zuständig, genauer die dortige Finanzkontrolle Schwarzarbeit.

Thater rät allen Betroffenen, sich bei Problemen und Fragen zum Mindestlohn an die DGB-Hotline zu wenden. Dort würden die Fälle gesammelt und an die zuständigen Gewerkschaften weitergegeben. „Die versuchen dann, mit den Arbeitgebern eine Lösung zu finden.“ Und im Zweifelsfall, so Thater, böten sie auch rechtliche Hilfe für die Betroffenen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat eine Hotline für alle Fragen und Probleme zum Thema Mindestlohn eingerichtet. Sie ist zum Festnetztarif erreichbar unter folgender Rufnummer: 0391 4088003