Veterinärin stoppt Pferde-Verkauf und wird beschimpft

Die Scheck-Stute bei der Versteigerung Ende Juni auf dem Hof Rechmann in Kirchhellen.
Die Scheck-Stute bei der Versteigerung Ende Juni auf dem Hof Rechmann in Kirchhellen.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Wegen gravierenden Mängeln wurde einem Oberhausener die Pferdehaltung untersagt. Nun wurden die Tiere versteigert. Doch auch hier schritt das Amt ein.

Bottrop-Kirchhellen.. Die drei Pferde aus schlechter Haltung bleiben vorerst in Kirchhellen. Die Meistbietenden hielten der Überprüfung durch das Veterinäramt nicht stand.

Amtstierärztin Dr. Annette Geisthard hat die Verkäufe der drei Pferde aus dem aufgelösten Bestand eines Oberhausener Halters gestoppt. Die Kaufwilligen, die auf der Auktion auf dem Rechmanns Hof am 20. Juni die Höchstgebote abgegeben hatten, hält sie für nicht geeignet.

Die sehen das naturgemäß anders und werfen der Tierärztin Willkür vor. Wütende Proteste, Beschimpfungen im Internet, Tränen am Telefon, Beteuerungen von Pferdeliebe: Die Zutaten dieser Geschichte taugen für eine Seifenoper.

Was bisher geschah: Das Veterinäramt Oberhausen hatte einem Oberhausener Halter wegen „fortgesetzer, gravierender Mängel“ in der Pferdehaltung die Tiere weggenommen und ein Haltungsverbot verhängt. Kurz zuvor hatte der drei seiner Tiere nach Bottrop gebracht, für die das Veterinäramt in Kirchhellen Amtshilfe leistete. Dr. Annette Geisthard ließ die Stute „Sinderella“, den Wallach „Jamies Little Jack“ und den Hengst „Rancer“ von einem Experten begutachten und setzte dessen Schätzung als Mindestgebot einer Versteigerung an.

Amtstierärztin prüfte die Sachkunde der neuen Besitzer

Bei dieser Auktion kaufte eine Frau vom Niederrhein Stute und Wallach für 900 und 2200 Euro, der Hengst ging zum Mindestgebot von 400 Euro weg. Unter Vorbehalt: Die Amtstierärztin wollte die Sachkunde der neuen Besitzer ebenso prüfen wie die künftige Unterbringung - auf dass es den Tieren besser ergehe als zuvor.

Aus eben diesem Grund hat die Amtstierärztin den Verkauf von Stute und Wallach gestoppt. Die Kaufinteressentin habe die Sachkundeprüfung nicht bestanden.

Die wiederum schimpft über „Fragen, die höchstens ein Tierarzt beantworten kann, aber kein Pferdehalter beantworten muss.“ Ihr Lebensgefährte wirft der Tierärztin Willkür vor.

Der Kaufinteressent des Hengstes wiederum sei ein Verwandter der Vorbesitzerin, sagt die Amtstierärztin: „Der Strohmann-Verdacht liegt nahe.“ Er ist jetzt vorgeladen zur Sachkunde-Prüfung. Fällt er durch, macht die Stadt einen neuen Anlauf - mit dem bis dahin kastrierten Tier.