Vernachlässigte Pferde finden neue Heimat

Die Stute Sinderella scheint zu gefallen. Einge Pferdefreunde haben jedenfalls ihre Freude an dem Tier.
Die Stute Sinderella scheint zu gefallen. Einge Pferdefreunde haben jedenfalls ihre Freude an dem Tier.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Großes Interesse an der Versteigerung der drei beschlagnahmten Tiere. Auch der ehemalige Besitzer bot mit – zum Unmut einiger Besucher und Mitbieter.

Kirchhellen..  Der Unmut einiger Bieter war am Ende des Verkaufs kaum zu überhören: „Was soll das Ganze? Die Pferde kommen wieder dahin, wo sie waren“, ärgerten sie sich. Vorausgegangen war auf dem Hof Rechmann ein ungewöhnliches Verfahren. Das hatte folgende Vorgeschichte: Im Wege der Amtshilfe für eine Nachbarstadt bot die Stadt Bottrop drei Pferde zum Verkauf an, die ihrem Eigentümer weggenommen wurden. Fortgesetzte Verstöße gegen den Tierschutz erforderten dies und zogen für den Besitzer sogar das generelle Verbot nach sich, Pferde zu halten.

Kauf unter Vorbehalt

Für Gregor Ingendoh, Obervollziehungsbeamter der Stadt, war es in 28 Dienstjahren der zweite Verkauf dieser Art. „Das ist ein Kauf unter Vorbehalt“, erklärte Michael Althammer, Leiter der Vollstreckungsbehörde. Denn die Stadt, speziell das Veterinäramt, bestand auf einer Prüfung, damit es den Tieren „in der Zukunft besser geht als in der Vergangenheit“.

Dr. Annette Geisthardt, Fachbereich Veterinärwesen, stellte den rund 40 Zuhörern und potenziellen Bietern die drei Tiere vor. „Sie sind nicht viel wert“, erklärte sie eingangs, aber „augenscheinlich gesund“. Ein Hengst, ein Wallach und eine 18 Jahre alte Stute standen zum Verkauf.

Viel konnte die Ärztin über sie nicht verraten: „Wir wissen nichts“, sagte sie. So komme Hengst „Rancet“ offenbar aus Spanien, habe aber keinen Abstammungsnachweis. Folge: Ohne Papiere dürfe das Tier gar nicht vom Hof. Immerhin gab’s für die anderen beiden Pferde Papiere. Seit Februar leben der Hengst, Stute „Sinderella“ und Wallach „Jamies Little Jack“ auf dem Hof. Die Tiere seien geritten worden und hätten keine Verletzungen. Details der Vorgeschichte, die zur Enteignung des bisherigen Halters führten, dürfe sie nicht preisgeben, so Geisthardt.

Ingendoh erläuterte das „etwas umständliche Verfahren“. Und: „Es läuft ab wie bei einer Versteigerung.“ Mit einem großen Unterschied zu sonstigen Auktionen: Sollte der Höchstbieter die Prüfung durch das Amt nicht bestehen, bekommt das zweithöchste Gebot den Zuschlag. „Das kommt auf jeden Einzelfall an“, sagte Geisthardt auf Nachfrage zum Inhalt der Prüfung, pauschal lasse sich das nicht beantworten. „Es ist das härteste Mittel“, erklärte sie zur Wegnahme der Tiere. Zuletzt habe es einen ähnlichen Fall vor zehn Jahren gegeben, erinnerte sich Althammer.

Der Verkauf war in wenigen Minuten erledigt, bei Hengst „Rancet“ besonders schnell. Ingendoh rief den von einem vereidigten Gutachter geschätzten Mindestwert von 400 Euro auf. Und für die Summe gab es genau einen Bieter. Spannender war es bei „Sinderella“. 200 Euro sollte die Stute mindestens kosten, für 900 Euro wechselte sie unter Vorbehalt den Besitzer. Richtig teuer wurde es bei Wallach „Jamies Little Jack“: Bei 300 Euro ging es los, nach mehrmaligem Hin und Her (inklusive der mitbietenden Alteigentümer) standen satte 2200 Euro bei Ingendoh auf dem Zettel. „Dafür bekomme ich ein ausgebildetes Reitpferd“, kommentierte eine junge Zuschauerin den Preis.

Jeder darf mitbieten

Die Kritik einiger Bieter an der Teilnahme der bisherigen Tierhalter konnten die Vertreter der Stadt nachvollziehen, aber nichts dagegen tun: „Wir dürfen niemanden ausschließen“, so Ingendoh. Bei einem solchen freihändigen und vor allem öffentlichen Verkauf dürfe sich jeder beteiligen.