Vereine nutzen Chancen zur Kostensenkung

Installateurmeister Dirk Smit (l) erklärt dem Vereinsvorsitzenden Peter te Heesen die Wirkungsweise der Brennstoffzelle im Keller des Vereinsheim.
Installateurmeister Dirk Smit (l) erklärt dem Vereinsvorsitzenden Peter te Heesen die Wirkungsweise der Brennstoffzelle im Keller des Vereinsheim.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der TV-Blau-Weiß erzeugt seit kurzem seinen eigenen Strom. Auch andere Clubs haben ihre Kosten gesenkt und sparen Energie. Sie müssen wirtschaftlich denken.

Bottrop..  Rund 17 000 Kilowattstunden Strom verbraucht der Tennisverein Blau Weiß im Jahr – in der Gastronomie müssen Lebensmittel und Getränke gekühlt werden und bei Abendspielen muss das Flutlicht den Platz erhellen. Da kommt einiges zusammen – und am Ende des Jahres auch eine erkleckliche Rechnung. Von rund 5000 Euro Stromkosten im Jahr spricht Vereinsgeschäftsführer Theo Köhne.

Dieses Jahr – und auch in Zukunft – wird die Stromrechnung der Blau-Weißen niedriger ausfallen. Der Grund dafür steht im Keller des Vereinsheims und erzeugt den Strom, den der Club verbraucht. Rund 13 000 Kilowattstunden kommen nun aus einer modernen Kraftwärme-Kopplung. Seit dem 15. Dezember läuft die Anlage und hat bisher rund 1721 Kilowattstunden Strom erzeugt. Davon wurde die Hälfte ins Netz eingespeist. Geht der Spielbetrieb wieder los, wird auch der Eigenverbrauch steigen.

Gemeinsam mit dem Klimaschutzprojekt Innovation City hat der Verein das verwirklicht. Zusätzlich erzeugt die Anlage Wärme. Die reicht nicht aus, um das Clubhaus komplett zu beheizen, doch genutzt wird sie trotzdem. Nicht nur zum Heizen. Mittels eines Wärmetauschers erwärmt er künftig auch das Duschwasser. Installateurmeister Dirk Smit vergleicht diese Technik mit einem Durchlauferhitzer. Denn es wird nicht literweise Warmwasser vorgehalten, „sondern das durchströmende Wasser wird blitzschnell erwärmt“.

Es ist kein Zufall, dass mit dem TV Blau Weis ein Sportverein die Technik zum Energiesparen nutzt. Andere Vereine sind ebenfalls aktiv geworden, schließlich müssen auch sie wirtschaftlich denken und Kosten senken. Schon vor rund vier Jahren hat der TC Blau Gelb reagiert – ebenfalls ein Tennisclub. Auf dem Eigen setzte man damals auf eine moderne Gasbrennwertheizung.

Neues Beleuchtungskonzept

„Die Mikro-KWK-Technik war damals noch nicht so weit fortgeschritten“, sagt der Vorsitzende Michael Amft. Deckenventilatoren in der Tennishalle ergänzen die Heizung. Sie drücken die erwärmet Luft zu Boden. Zusätzlich setzen die Blau-Gelben auf ein neues Beleuchtungskonzept und konnten ein Drittel der Leuchtstoffröhren, die früher die Halle erhellten, einsparen. Das habe auch schon Nachahmer über die Grenzen Bottrops hinaus gefunden, so Amft. Einige Vereine seien bereits da gewesen und hätten sich umgeschaut. Rund 50 000 Euro hat der Verein investiert. Mit Unterstützungen und Zuschüssen „sparen wir pro Jahr 12 000 Euro“. Für einen Verein, der mit spitzem Stift rechnen muss, ein ordentlicher Batzen.

Bei der Rudergemeinschaft ist man inzwischen so weit, dass sich die Investition rentiert. 2008 hatten die Mitglieder in ihrem Bootshaus Nachtspeicheröfen gegen eine Luftwärmepumpe ausgetauscht. 12 400 Euro hat das gekostet. „Ein Invest, das wir selbst gestemmt haben“, sagt Vorsitzender Gerd Oelerich. 1500 Euro sparen die Ruderer im Jahr, damit wird sich die Investition in Kürze amortisieren. „Wir haben vieles in Eigenarbeit gemacht, haben mit dem Installateur abgesprochen, was getan werden muss und konnten so sparen“, erklärt der Vorsitzende. Er ist – wie in anderen Vereinen auch – der Meinung: „Das hat sich absolut gerechnet.“

Mitglieder als Multiplikatoren für Innovation City

Den Einbau der KWK-Anlage beim TV Blau-Weiß hat Innovation City begleitet, ist er doch Teil des Projekts 100 KWK-Anlagen. Die Maßnahmen anderer Vereine sind zum Teil in Zeiten vor Innovation City angestoßen worden. Trotzdem seien sie ein gutes Beispiel für das, was Innovation City erreichen will, so Sebastian Bittrich, Sprecher des Klimaschutzprojekts. Im Zuge der Entwicklung des Masterplans wendet sich Innovation City auch gezielt an Vereine. Denn über die erreicht das Klimaschutzprojekt ja noch einmal viel mehr Leute. Dies Multiplikatorwirkung sei wichtig, so Bittrich.

Gutes Beispiel dafür: Demnächst wird Installateur Dirk Smit den Mitgliedern des TV Blau-Weiß die neue Technik im Vereinsheim vorstellen. Das Interesse sei groß, sagt Theo Köhne.

Der VfL Grafenwald schließlich bespielt ein bundesweites Vorzeigeprojekt: Die neue Flutlichtanlage ist das erste Produkt der Kooperation zwischen dem Essener Ferrostaal-Konzern und dem US-Beleuchtungsexperten Musco. Die Anlage spart Energie und der Stadt zehn Jahre lang Zeit und Geld: So lange läuft die Garantie. Über Innovation City und die Flutlichtanlage ist Musco Ferrostaal mit vielen Kunden ins Gespräch gekommen, sagt Geschäftsführer Hauke Petersen: „Das Geschäft hat sich gut angelassen.“