Das aktuelle Wetter Bottrop 14°C
Bottrop

Urlaubsziel Weißrussland

24.01.2008 | 19:38 Uhr

Es wird keine Vergnügungsreise, zu der die Grafenwälderin Johanna Becker mit zwei Freundinnen aufbricht.Im Kinderzentrum "Nadeshda" betreuen sie Kinder, die an den Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl leiden

Aufregung und Vorfreude verspürt die Grafenwälderin Johanna Becker im Moment. Kein Wunder, schließlich plant sie zusammen mit ihren Freundinnen Verena Jenter aus Oberhausen und Julia Dumpe aus Gladbeck eine weite Reise - und das nicht zum Vergnügen. In den Osterferien zieht es die Drei für zehn Tage in die weißrussische Provinz Wilejka. Dort wollen sie im Kinderzentrum "Nadeshda" helfen. "Das ist ein Erholungsheim für Kinder, die an den Folgen von Tschernobyl leiden", erklärt die 18-jährige Johanna.

Was sie dort tun wird? "Ich mache ein medizinisches Praktikum, das heißt ich helfe bei der Betreuung der erkrankten Kinder mit." Was sie dort allerdings genau zu tun hat, weiß sie noch nicht. "Ich stelle mir vor, dass ich bei Massagen oder Krankengymnastik-Anwendungen helfe oder auch bei der Ernährungslehre dabei bin." Ihre beiden Freundinnen zieht es dagegen mehr in den sozialen Bereich. "Wir werden mit den Kindern spielen, basteln oder Ausflüge machen", so Julia Dumpe. So genau wüssten sie das noch nicht. "Die Verantwortlichen vor Ort haben da schon bestimmte Vorstellungen, aber es ist ausdrücklich gefordert, dass wir eigene Ideen einbringen."

Vor der fremdem Sprache schrecken die drei engagierten Mädchen nicht zurück, schließlich lernen sie in der Gladbecker Waldorfschule schon seit der ersten Klasse Russisch. Sorgen macht ihnen viel eher die Verpflegung. "Das Essen wird wahrscheinlich relativ fettig sein. Das ist dort üblich", warnt Verena ihre Freundinnen. Sie muss es wissen, immerhin war sie schon mehrmals in Osteuropa unterwegs. Sogar bis Sibirien hat es sie verschlagen. "Ich interessiere mich einfach sehr für diese Kultur und habe das Glück, dass auch meine Eltern dem offen gegenüberstehen."

Ihre Begeisterung hat Johanna und Julia angesteckt. Beide freuen sich auf eine neue, aufregende Kultur. "Und auf die Kinder, das ist eine gute Gelegenheit, Sprachpraxis zu bekommen." Berührungsängste mit den Kranken hat sie nicht, obwohl sie nicht weiß, auf welche Krankheiten sie dort trifft. "Weit verbreitet ist da sicherlich Leukämie, dazu Fehlbildungen auf Grund der Strahlung." Von ihren Eltern und aus dem Freundeskreis gibt's viel Lob für die Freundinnen. Oft verbunden mit dem Nachsatz: "Für mich wär' das nix." Dabei sind sich die Mädchen sicher, dass das jeder könnte. "Außerdem haben wir selbst auch was davon. Auslandserfahrung ist nicht zu unterschätzen."

Kinder im Alter von sieben bis 17 Jahre erholen sich im Kinderzentrum Nadeshda und sollen hier für kurze Zeit unbeschwert ihr Leben genießen. "Das ist so wichtig für sie, weil sie in ihren Heimatorten solche Freiheiten nicht kennen. Sie dürfen zum Beispiel nicht in den Wald, weil dort die Strahlenbelastung auch jetzt noch viel zu hoch ist", weiß Johanna. Für die Kinder sei es eine Riesenchance, sich völlig frei zu bewegen und mal nicht auf die Ernährung achten zu müssen. "Viele Pilze oder Hülsenfrüchte sind normalerweise tabu, weil sie verseucht sind", ergänzt Verena.

500 Euro ist den Dreien ihre Hilfsbereitschaft wert. So viel müssen sie nämlich für Flug, Unterkunft und Verpflegung hinblättern. Eine stolze Summe, dafür dass man in Weißrussland helfen und arbeiten muss? "Das haben wir auch anfangs gedacht, aber wenn man sich genauer mit dem Projekt beschäftigt weiß man, dass es allein von Spenden lebt und kein Geld für Helfer hat."

Von Matthias Düngelhoff

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1480780/create

Aktuelle Fotos und Videos
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Faszination Oldtimer
Bildgalerie
Sammlerstücke
11.Bottroper Gospelnacht
Bildgalerie
Musik
Aus dem Ressort
Die Ideallösung ist ein Aufzug
Bahnhof Boy
Der Tenor war eindeutig. Am Bahnhof Boy muss ein Aufzug her, eine Rampe ist keine wirkliche Alternative. Da waren sich alle der gut 100 Demonstranten am Freitag einig. „150 Meter müsste so eine Rampe lang sein, das ist schon für einen gesunden Menschen eine anstrengende Slalomstrecke“, sagt der...
Schlecker: Perspektive für ein Viertel der Frauen
Arbeitsagentur
Rund acht Wochen nach der Kündigungswelle bei der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker hat im Bezirk der Gelsenkirchener Arbeitsagentur ein knappes Viertel der ehemaligen Beschäftigten wieder eine berufliche Perspektive.