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Kriegsgräber

Urlaubs-Einsatz hoch oben in den Dolomiten

19.07.2012 | 17:20 Uhr
Urlaubs-Einsatz hoch oben in den Dolomiten
In den Dolomiten haben die Soldaten in Reserve Wege zu den Kriegsgräbern erneuert.

Bundeswehr-Reservisten aus Bottrop setzten Wege zum Mahnmal für Gebirgsjäger am Pordoi-Pass instand. Die schwere körperliche Arbeit wurde zusätzlich durch harte Wetterbedingungen erschwert. Am Ende jedoch waren alle Beteiligten mehr als zufrieden mit ihrer Arbeit.

In den Dolomiten nahe bei Bozen, da wo viele naturverbundene Menschen ihren Urlaub verbringen, starben vor knapp 100 Jahren Tausende Soldaten in einem brutalen Gebirgskrieg. Es war der Erste Weltkrieg, Österreich mit Deutschland kämpften gegen Italien. Es waren unbeschreiblich grausame Kämpfe, sagen die Chroniken. Auch im Zweiten Weltkrieg starben in den Bergen noch Soldaten. Doch die Toten sind auch gut 90 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg nicht vergessen. Bundeswehr-Reservisten der Kreisgruppe Recklinghausen/Gelsenkirchen, zu der auch Bottrop gehört, setzten jetzt die Wege zu ihren Gräbern hoch oben am Pordoi Pass wieder in Stand.

Harte körperliche Arbeit, „aber wir hatten trotzdem jeden Tag eine Super-Stimmung“, sagt Jens Gerstenkorn, Leiter der Gruppe aus Bottrop. Wie schon seit vielen Jahren kümmerten sich er und seine Kameraden auch jetzt wieder ehrenamtlich in ihrer Urlaubszeit um Kriegsgräber. Sie machen das im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die Aufgabe für die Soldaten der Reserve lautete: „Verbreiterung, Reparatur und Pflasterung der Zugangswege im Hang und Arbeiten an der Drainage.“

Und das alles in einer Höhe von rund 2500 Metern. „Die Wege zu dem Mahnmal rutschen im Winter immer wieder ab“, beschreibt Gerstenkorn, Oberst der Reserve, die Ausgangslage. „Wir musten die Wege erweitern oder teilweise neu anlegen.“ In jedem Jahr, erklärt er, kämen rund 12 000 Menschen hoch, um das Mahnmal zu besuchen. „Es ist in dieser Gegend sehr bekannt.“

Angelegt wurde die Rund-Anlage noch vor dem Zweiten Weltkrieg für insgesamt 8500 österreichische und deutsche Tote. Später kamen noch die verstorbenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs hinzu. „Sie sind meist nicht bei Gebirgskämpfen gefallen, sondern sind beim Rückzug im Lazarett gestorben, oder bei Kämpfen mit Partisanen“, weiß Jens Gerstenkorn.

Das Material für ihre Arbeit im Weltnatur-Erbe Dolomiten – Zement, Kies – bekommen die Soldaten der Reserve vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge. Arbeitsfreude hingegen müssen sie selbst mitbringen. Hört man dem Einsatzleiter zu, eine der am leichtesten zu erfüllenden Voraussetzungen. Denn die Begeisterung reichte für zehn Stunden Arbeit pro Tag, einschließlich der Samstage. „Das lief extrem arbeitsam ab“, erzählt Gerstenkorn über den zweiwöchigen Einsatz im Juli. Alle hätte mit hoher Konzentration angepackt, denn „die Weg mussten ja in den Berg rein verbreitert werden“. Und das alles bei „extrem kritischen Wetterbedingungen“. Große Hitze und plötzlich einsetzende starke Gewitter hätten den Reservisten aller Dienstgrade zuweilen zu schaffen gemacht.

Doch die übergroße Freundlichkeit der Menschen in den Bergen habe manche Anstrengung vergessen lassen. „Dort oben gibt es Besucher aus der ganzen Welt und viele haben uns angesprochen. Und immer wieder haben sie uns gesagt: Toll, dass Ihr das hier macht.“ Eine Anerkennung, die den Soldaten der Reserve auch jetzt noch berührt.

Angelika Wölk


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