Urgewalt und Morgenmuffel

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Aus der Geheimtipp-Ecke ist die Reihe „Kabarett im Hof“ mit Moderator Benjamin Eisenberg längst heraus. Hof Jünger setzt mit ihr seit Jahren eine Eigenmarke – und die „Bude“ ist immer voll. Und man amüsierte sich auch wieder bärig bei den Gästen „La Signora“ (Carmela de Feo aus Oberhausen) und Nicolas Evertsbusch aus Köln. Er sprang für den erkrankten „Magic Udo“ ein.

Eisenberg ist der Frechdachs, der in der Politik und in gesellschaftlichen Entwicklungen seine entlarvten Schauplätze findet. Ob Merkel oder Nahles, Whats-App oder das Heimnetzwerk für fernbediente Küchen und Betten: Eisenberg hat Zeitthemen auf Lager. Manches zündet nicht als Volltreffer, aber er ist mehr als nur der „Ansager“, sondern mischt profiliert mit im Lachtheater.

Ein neues Gesicht mit neuen Songs: der Kölner Nicolas Evertsbusch, der in seinen Balladen sich selbst durch den Kakao zieht. Als Muttersöhnchen, als Morgenmuffel, als Büro-Langweiler, der in seiner Kollegin die große Liebe entdeckt, als Frau, die eigentlich immer schlafen soll (um ihr Mundwerk zu halten) – Lieder mit musikalischem Tempo und kräftigen Pointen. Ihn würde man gern mit einem Soloprogramm erleben. Beispielsweise mit seiner Hommage an den „bösen“ Georg Kreisler. Und dann fegte mit Urgewalt „La Signora“ über die Bretter: Carmela de Feo macht die Männer an, lacht sich über die eigenen Marotten kaputt, singt und schmettert mit Lust und Laune von der „Kanzel“ (der neuen Treppenkonstruktion, die Bühne und Saal verbindet), freundet sich mit der „Taube am Teich“ an oder spürt in der Bibel heutige Geschichte(n) auf. Wie die vom „brennenden Busch“. Kirchhellener seien übrigens nicht, das weiß sie ganz genau, beim auserwählten Volk dabei gewesen. Die „heiße Hexe“ versteigt sich in einer Showszene sogar zum Aufruf: „Betet mich an.“ Und verdreht die Augen…

Der nächste Abend von „Kabarett im Hof“ findet erst wieder im Herbst statt. Eisenberg bleibt dabei die Personen-Konstante.