Urgestein und Prototyp
21.02.2008 | 18:27 Uhr 2008-02-21T18:27:35+0100Polizeihauptkommissar Wolfgang Franz ist der dienstälteste Bezirksbeamte in Bottrop.Der 57-Jährige durchstreift seit elf Jahren den Eigen und hat sein "Herz an den Ortsteil verloren"
SERIE DER SCHUTZMANN AN DER ECKE (6) Bei der Frage "Guten Tag Herr Franz, kennen Sie mich noch?", stößt er bisweilen an seine Grenzen. "Das sind dann oft Jugendliche im Alter von 14 oder 15 Jahren, denen ich vor neun oder zehn Jahren im Kindergarten etwas über die Polizeiarbeit erzählt habe, oder die ich bei Wachbesichtigungen und Übungsgängen an der Grundschule begleitet habe", erzählt Polizeihauptkommissar (PHK) Wolfgang Franz, gleichermaßen Urgestein wie Prototyp des polizeilichen Bezirksdienstes in Bottrop.
Bereits seit 1997 durchstreift der 57-Jährige den Eigen. Doch von Lust auf Veränderung keine Spur. Ganz im Gegenteil. "Für mich persönlich wäre es schlimm, wenn ich den Bezirk wechseln müsste. Ich habe mein Herz an den Ortsteil verloren", sagt der gebürtige Bottroper, der allerdings kein gebürtiger Eigener ist. Er sei "ein Ebeler Jung'" bekennt der Bezirksbeamte, der jetzt in Vonderort lebt.
Seit 1970 ist Wolfgang Franz im Polizeidienst, seit Ende 1974 ist seine Heimatstadt auch sein Dienstort. 1992 kam er zum damaligen Bezirks- und Ermittlungsdienst, der sich schwerpunktmäßig mit Diebstählen und anderen Formen der Kleinkriminalität befasste. In einem fünfmonatigen Lehrgang qualifizierte er sich 1994 für den gehobenen Dienst. Das öffnete ihm die Türen zur Kriminalpolizei. Doch was für viele seiner Kollegen die Erfüllung eines langgehegten Wunschtraums war, entpuppte sich für den kontaktfreudigen Bottroper ehe als Alptraum: "Immer nur am Schreibtisch sitzen - das war nicht mein Ding", erinnert sich Franz, der wieder "zurück zu den Wurzeln" wollte.
1997 beendete er das Intermezzo bei der Kriminalpolizei und bewarb sich für den Bezirksdienst und wurde dem Eigen zugeteilt. Die Entscheidung, der Kriminalpolizei nach zweieinhalb Jahren den Rücken zu kehren, hat er nie bereut. Auch nicht, als ihm sozusagen "Dienstwohnung gekündigt" wurde: "Bis 1999 gab es ja noch die Wache Eigen auf der Gladbecker Straße", erzählt Franz. In der Rückbetrachtung habe die Schließung nicht nur Nachteile gebracht. "Irgendwie war man dort ja auch abgeschnitten. Von den Kollegen ebenso wie vom Informationsfluss." Letztlich sei es vernünftig gewesen, den "Außenposten" aufzugeben und in die Hauptwache umzuziehen. Und die Kontakte würden eh nicht auf der Wache, sondern auf der Straße geknüpft. Oder eben in den Schulen und Kindergärten.
Letztere sind fast so etwas wie ein Steckenpferd von Wolfgang Franz. "Als ich 1997 mit der Betreuung der Kindergärten anfing, war das noch absolut unüblich", erinnert sich der 57-Jährige. Inzwischen habe man aber erkannt, wie wichtig es sei, das Kinder schon frühzeitig ein Vertrauenverhältnis zur Polizei aufbauen. "Die Arbeit mit den Kindern macht mir riesigen Spaß", sagt er. Nicht selten offenbaren die Kleinen "ihrem" Polizisten ihre ärgsten Nöte. "Ein echter Klassiker ist der Satz. ,Der Papa schnallt sich nicht an'", schmunzelt Franz.
Grundsätzlich gebe es aber im Bezirksdienst keine Aufgaben, denen er sich nur ungern widme. Vom Einsatz bei einer Streikkundgebung - wie am Dienstag dieser Woche - bis zur Vollstreckung eines Haftbefehls - Wolfgang Franz deckt die ganze Bandbreite ab.
Den Eigen hat er voll im Griff. Abgesehen vielleicht von der Vorliebe der Eigener für Blau-Weiß. Die kann der "Ebeler Jung'" und treue RWE-Fan nicht teilen.

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