Ungewohnte Klänge aus dem Ruhrgebiet

Hans-Joachim Heßler stellt an de rSteinmann-Orgel der Martinskirche Unbekanntes aus dem Ruhrgebiet vor.
Hans-Joachim Heßler stellt an de rSteinmann-Orgel der Martinskirche Unbekanntes aus dem Ruhrgebiet vor.
Foto: FUNKE Foto Services

Bottrop..  Mit teilweise ungewohnten KIängen überraschte Hans-Joachim Heßler jetzt die Konzertbesucher in der Martinskirche in der Innenstadt. Im Rahmen des Kulturprogramms, mit dem die evangelische Kirche den 50. Geburtstag der Steinmann-Orgel der Martinskirche feiert, war der Musikwissenschaftler, Pianist, Organist und Komponist nun als Gastinterpret an der Orgel zu erleben.

Solist spielt und moderiert

Sein Programm, das er übrigens auch moderierte, spannte den Bogen von Klängen, die im Essener Damenstiftes des Mittelalters entstanden sind, über Studien aus der Kompositionslehre des Dortmunder Musiktheoretikers Friedrich Beurhaus und seines Schülers am dortigen Gymnasium, Philipp Nicolai, aus der Renaissance über die Romantik im Ruhrgebiet bis hin zu zeitgenössischen Klängen aus der eigenen Feder.

Mit Hilfe von Einspielungen von Vokalpassagen bei den Beiträgen alter Musik, die mit improvisatorischen Orgelfarben ergänzt wurden oder Alltagsgeräuschen und selbst gespieltem Schlagwerk bei der zeitgenössischen Musik wurde das Orgelspiel um extravagante Zugaben bereichert. Alle Werke tragen die Handschrift des heutigen Bearbeiters. Auch die ursprünglich für zwei tiefe Streichinstrumente gedachte Variationen des in Duisburg tätigen Joseph Alexander, der einst Lehrer des ungleich berühmteren Jacques Offenbach war.

Lange Musiktradition im Revier

Aber auch der Klavier-Fuge des von Robert Schumann geschätzten und aus Dortmund-Hörde stammenden Romantikers Daniel Friedrich Eduard Wilsing gab Hans-Joachim Heßler eine sehr persönliche Note in diesem ohnehin ungewöhnlich vielgestaltigen Programm.

Die Orgel der Martinskirche, die ohne das für diese Musik eigentlich erforderliche Schwellwerk und romantische Register daherkommt und die trockene Akustik des Raumes trübten ein wenig den Genuss des abwechslungsreichen Programms. Das bot aber trotz dieser Einschränkungen ein Konzerterlebnis jenseits der sonst üblichen Repertoire-Pfade. Dabei wurde auch deutlich, das die Musik im Ruhrgebiet auf eine lange Tradition zurückblicken kann.

Die Steinmann-Orgel soll in ihrem Jubiläumsjahr auch bei weiteren Gelegenheiten zu hören sein. Und die Zuhörer nutzten im Anschluss an das sonntägliche Konzert mit der Betrachtung der Stadt-Bilder von Anna Aßmann die Gelegenheit, das Gehörte auch visuell spannend zu ergänzen.