"Tieferer Unsinn" als Chanson
30.07.2008 | 17:28 Uhr 2008-07-30T17:28:00+0200
Die Nachwelt schätzt Joachim Ringelnatz, der 1934 völlig verarmt in Berlin starb, als Verfasser skurriler Verse und Humoristen. Bei dieser Sichtweise kommen viele Qualitäten seines Werks zu kurz, meint die Gelsenkirchener Chansonsängerin Maegie Koreen. Sie rückt in ihrem Programm die „scheue und dem
Die Nachwelt schätzt Joachim Ringelnatz, der 1934 völlig verarmt in Berlin starb, als Verfasser skurriler Verse und Humoristen. Bei dieser Sichtweise kommen viele Qualitäten seines Werks zu kurz, meint die Gelsenkirchener Chansonsängerin Maegie Koreen. Sie rückt in ihrem Programm die „scheue und demütige Seite” des Poeten, der auf seinem turbulenten Lebensweg materielle Not und persönliche Ausgrenzung erlebt hat, in den Vordergrund, ohne auf die kabarettistischen Klassiker ganz zu verzichten. Am Donnerstag, 7. August, und damit an Ringelnatz' 125. Geburtstag stellt sie unter dem Titel „Tieferer Unsinn” ab 20 Uhr in der lebendigen Bibliothek ihre Vertonung von Ringelnatz-Versen vor. Maegie Koreen lernte „ihren” Ringelnatz vor rund 40 Jahren in Berlin kennen, vermittelt durch den Schauspieler Norbert Gescher, Sohn aus zweiter Ehe der Ringelnatz-Witwe Leonarda. Gemeinsam mit ihm gestaltete sie ihr erstes Ringelnatz-Programm, das seither gewachsen ist. Ringelnatz-Verse zu vertonen, erklärt die Sängerin, sei im Übrigen wegen des skurrilen Textaufbaus eine besondere Herausforderung. Mit Liedern, Dias und biographischen Anekdoten will sie während ihres Chansonabends ein Bild der Persönlichkeit und des Lebensumfeld des Dichters, Vortragskünstlers und Malers entwickeln. Seine Karriere, die 1909 in der Schwabinger Kneipe Simplicissimus begann, ist auch ein Stück Geschichte des Deutschen Kabaretts. Seine Gedichte wurden auch in Leipziger und Berliner literarischen Kabaretts gern als Chansons gesungen. Die Ringelnatz-Liedersammlung war Maegie Koreens erstes biographisches Chanson-Programm und führte zur Beschäftigung mit Claire Waldoff. Auf dieser Basis entstanden 1995 das Programm „Aus dem Leben einer geliebten Radautüte” und eine Claire-Waldoff-Biographie. „Ein Chanson ist das kleinste Musical der Welt. Man kann in einem Chanson ein ganzes Drama erzählen”, betont Maegie Koreen. Vorausgesetzt, der Interpret beherrscht die Kunst, Text und Musik zum Chanson zu verbinden. Für diese Kunst arbeitet Maegie Koreen, die auch in Workshops jungen Sängern das Chanson nahebringt, seit den 70-er Jahren. Ihr Auftritt in Bottrop soll (die WAZ berichtete) auch den Boden bereiten für ein Kulturhauptstadt-Projekt unter dem Titel Chansonnale. Denn einerseits verdient diese Liedkunst nach ihrer Auffassung mehr Aufmerksamkeit, und zum zweiten erkennt sie im Ruhrgebiet eines großes Potenzial von ChansonsängerInnen. Die Chansonsängerin wird mit ihrem Ringelnatz-Programm noch in weiteren Städten zu hören sein. Weitere Infos unter www.chanson-Café.de .
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