Theo Olbrich stellt seit mehr als 60 Jahren aus

Der Künstler Theo Olbrich vor seinen Werken mit einer Bleistiftzeichnung seiner Enkelin.
Der Künstler Theo Olbrich vor seinen Werken mit einer Bleistiftzeichnung seiner Enkelin.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Der Maler und Zeichner Theo Olbrich steuert mit sicheren Schritten auf seinen 90. Geburtstag zu. Damit dürfte er einer der ältesten aktiven Künstler der Stadt sein.

Bottrop..  Schwer zu schlagen sein dürfte dieser Rekord: Theo Olbrich stellt seit mehr als 60 Jahren aus, sieben Mal allein bei der Jahresausstellung Bottroper Künstler im Museum Quadrat. Demnächst wieder im DRK-Haus Rottmannsmühle.

„Kommen Sie rein, wir machen’s uns in der Küche gemütlich.“ Überall in der heimeligen Dachgeschosswohnung von Theo Olbrich am Ostring sind seine Werke zu sehen: Landschaftsmalerei, Porträts, Bottroper Berühmtheiten wie der Malakoffturm, Ansichten von der Zugspitze, dazu jede Menge Grafiken Skizzen und Karikaturen. Die zu allen Themen und Gelegenheiten, dazu in Reimform betextet. Die Verse kann Theo Olbrich übrigens mühelos aus dem Kopf hersagen.

Typische Biografie

Seine Biografie ist in vieler Hinsicht typisch für die Kriegsgeneration: Olbrich ist Kriegsversehrter, Aussiedler und ein Berufsleben lang einem Arbeitgeber treu geblieben. 1925 in Oberschlesien geboren, macht Theo Olbrich nach der Volksschule eine Tischlerlehre. Mit 18 Jahren wird er Anfang 1944 in die Wehrmacht eingezogen und nach Frankreich als Besatzungssoldat abkommandiert. In der Nähe von Avignon gerät er im August 1944 schwer verwundet in Kriegsgefangenschaft, wird dreimal operiert, erlebt das Kriegsende in einem Gefangenenlager in Nordafrika, wo er langsam das Gehen wieder lernt und zu malen und zeichnen beginnt. Im Februar 1947 wird er entlassen. In den Entlassungspapieren gibt er als Adresse Bottrop an: Hier hat sich inzwischen sein Bruder niedergelassen.

Olbrichs Weg aber führt zunächst zurück ins inzwischen polnische Oberschlesien. „Meine Mutter hat mich kaum noch erkannt.“ Im Riesengebirge wird er an einer Kunstgewerbeschule angenommen. Mit Erfolg: „Drei Ausstellungen habe ich noch in der alten Heimat gemacht. Ich habe sogar eine Prämie vom Kultusministerium in Warschau bekommen und war Abteilungsleiter des kunstgewerblichen Bezirksgenossenschaft.“

Kleinere Aufträge

1957 folgt, inzwischen mit Frau und Tochter, die Aussiedlung in den Westen über das Aufnahmelager Friedland und das Bottroper Rotkreuz-Lager an der Siemensstraße. „Ich kannte die Horster Straße schon, als da noch die Straßenbahn fuhr.“ Beim Arbeitsamt wollte man ihn trotz seiner Kriegsverletzung auf Zeche unter Tage schicken, aber Olbrich hörte auf den Rat eines Malerkollegen, erinnerte sich an seinen Lehrberuf und heuerte bei der inzwischen insolventen Küchen- und Fenster-Traditionsfabrik Brockmann an: „Ich musste ja eine Familie ernähren.“

Das tat er bei Brockmann 27 Jahre lang, elf Jahre als Tischler und 16 Jahre als Ausbilder. Seine erste Ausstellung in Bottrop hatte er bei Arthur K. Führer in dessen „Galerie 7“. Während Führer, vier Jahre jünger als Olbrich, bis heute als Schriftsteller, Dichter und vor allem Zeitzeuge tätig ist, ist Olbrich der alten „Lieblingsbeschäftigung“, wie er es nennt, treu geblieben. Er stellte nicht nur im Quadrat aus, sondern auch in seiner Firma. Zudem schuf er für die Pfarrgemeinde Skizzen, Karikaturen und Dekoration, besonders zu Karneval. Solche Bilder sind es auch, die er passend zur fünften Jahreszeit für das DRK-Heim zusammengestellt hat. Ansonsten pflegt Olbrich vergnügt den Kontakt zu zwei Töchtern und einer Enkeltochter. Ans Aufhören denkt er noch nicht, wegen der Nachfrage: „Auf Bestellung mache ich noch kleinere Aufträge.“