Das aktuelle Wetter Bottrop 20°C
Gedenken

Tafel erinnert an jüdisches Leben

28.01.2016 | 08:00 Uhr
Tafel erinnert an jüdisches Leben
Judith Neuwald-Tasbach, die Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde sprach zu den Anwesenden.Foto: Winfried Labus

Bottrop.   Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde und OB Bernd Tischler mahnen, aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen. Internationaler Holocaust-Gedenktag.

Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und so das heutige Leben besser machen. Dieser Wunsch stand am Internationalen Holocaust-Gedenktag im Mittelpunkt – auch bei der Gedenkveranstaltung am Jüdischen Friedhof in Bottrop. Dort äußerte sich Judith Neuwald-Tasbach, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, zu der auch Bottrop gehört. Nur gemeinsam könne es gelingen, Auschwitz, „das dunkelstes Kapitel unserer Geschichte“ zu besiegen und daraus zu lernen.

Umso schwieriger sei das, wenn nun in Deutschland und ganz Eurpa Parteien aufträten, die rechtes Gedankengut propagierten. „In vielen Ländern Europas ist ein Rechtsruck zu beobachten“, mahnte die Vorsitzende. „Wir Juden haben ein feines Gespür für diese Anzeichen, es erschreckt uns sehr, wie sich momentan die Welt um uns herum entwickelt“. Besonders erschreckend sei, dass Auschwitz heute zwar immer noch in vielen Köpfen sei, „leider nicht immer als Synonym für das Schrecklichste, was man Menschen antun kann“. Sie erinnerte an einen Eintrag in einem sozialen Netzwerk im Internet während des Bahnstreiks. Dort hatte sich der Schreiber gewünscht, alle Bahnmitarbeiter in einen Zug nach Auschwitz zu setzen und dort vergasen zu lassen. „Das war nicht das Schlimmste, schlimm war der große Zuspruch den dieser Eintrag gefunden hat.“

Für Judith Neuwald-Tasbach hat der 27. Januar zusätzlich noch persönliche Bedeutung. Zum einen war ihre Mutter in Auschwitz, zum anderen wurde ihr Vater an einem 27. Januar von Gelsenkirchen nach Riga ins dortige Ghetto deportiert.

Oberbürgermeister Bernd Tischler schlug ebenfalls die Parallele in die heutige Zeit. „Wir alle müssen uns immer wieder der Vergangenheit unseres Landes stellen. Denn nur so werden wir bereit sein, dass sich das Leid und das Unrecht des Nationalsozialismus nicht wiederholen können.“ Auschwitz stehe als Symbol für den millionenfachen Mord an Juden und anderen Volksgruppen während des Nazis-Regimes.

Millionenfacher Mord

In dem Zusammenhang hob er die Oberstufenschüler der Willy-Brandt-Gesamtschule hervor, deren Geschichtsarbeitsgruppe den kleinen Friedhof im Vorfeld der Veranstaltung gereinigt hat. Damit hätten sie ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen gesetzt und gezeigt, dass sie bereit seien, das Gedenken an die Opfer von Krieg und Verfolgung wach zu halten.

Nur so gelinge es, denen gegenüber zu treten, „die heute ihre nationalsozialistischen Parolen wieder in die Welt tragen“. Ihnen dürfe man nicht erneut Raum „in unserem Land und in unserer Stadt bieten“.

Die Gedenktafel steht nun vor dem Tor des jüdischen Friedhofs. Foto: Winfried Labus / FUNKE Foto Services

Der kleine jüdische Friedhof in einer Ecke des Westfriedhofs sei ein Zeuge jüdischen Lebens in der Stadt, betonte Judith Neuwald-Tasbach. Dort sind Bottroper Juden bestattet, aber auch jüdische Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine, die während der NS-Zeit in Gelsenkirchen arbeiten mussten. Eine Gedenktafel erzählt nun die Geschichte dieses „Beit Olam“, „Haus der Ewigkeit“ – wie ein jüdischer Friedhof auch genannt wird. So werde der kleine Friedhof „zu einem Ort des Gedenkens an die jüdische Geschichte von Bottrop aber auch des Gedenkens an die grausame Zeit des Dritten Reiches“, so Judith Neuwald-Tasbach. Ausdrücklich lobte sie die Gestaltung der Tafel.

27. Januar
Ein internationaler Gedenktag

Nicht nur in Deutschland wird am 27. Januar der NS-Opfer gedacht. Hier wird der Tag seit 1966 begangen. 2005 haben die Vereinten Nationen ihn zum internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt.

Das Datum geht zurück auf die Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945.

Rund 80 Besucher folgten der Gedenkveranstaltung, zum Abschluss sprach Rabbiner Chaim Kornblum ein Gebet für die jüdischen Märtyrer, die im dritten Reich umkamen. Das wird so in allen Gemeinden gebetet. Viele Besucher nutzten dann die Gelegenheit zu einem Gang über den Friedhof und legten dem jüdischen Brauch entsprechend, kleine Steine auf die Grabsteine.

Matthias Düngelhoff

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Der Rhytmus im BernePark
Bildgalerie
Extraschicht 2016
Europameisterschaft
Bildgalerie
Deutschland gegen...
Pferdemarkt
Bildgalerie
Stadtfest
DS Dance
Bildgalerie
Finale
article
11502213
Tafel erinnert an jüdisches Leben
Tafel erinnert an jüdisches Leben
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/bottrop/tafel-erinnert-an-juedisches-leben-id11502213.html
2016-01-28 08:00
Bottrop