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Stürmische Zeiten für den Bottroper Karneval

06.02.2016 | 11:00 Uhr
Stürmische Zeiten für den Bottroper Karneval
25 Jahre ist es her, dass der erste Golfkrieg für Absagen im Karneval sorgte. In Bottrop fiel de rZug ganz aus. Der Sitzungskarneval kam deitlich abgespeckt daher - wie ein Blick ins WAZ-Archiv zeigt.Foto: Oliver Mengedoht

Bottrop.  1990 ging der Rosenmontagszug fast im Orkan unter. Ein Jahr später, vor 25 Jahren, fiel der Zug dann ganz aus. Grund für die Absage war der gerade tobende erste Golfkrieg. Die Sitzungen wurden reduziert.

Es gab auch stürmische Zeiten beim Bottroper Karneval. Vor allem Anfang der 90er Jahre traf es den Rosenmontagszug gleich zwei Mal mit voller Wucht. 1990 hieß noch „Mit Rückenwind im Eilzugtempo zum Rathaussturm“: Schuld war ein Orkan, der den Zug fast ins Wanken brachte und Prinz Klaus I. (Carls) und Elsbeth I. (Carls-Müller) so durchnässte, dass ihre Lieblichkeit erstmal Teile ihres Ornats auf einem Heizkörper im Rathaus trocknen musste, wie Elsbeth Müller kürzlich erst zum noch Besten gab.

Eine Session später sah es schon ganz anders aus. Der erste Golfkrieg brachte damals nicht nur in vielen deutschen Städten Kriegsgegner zu Demonstrationen auf die Straße. Veranstaltungen wie der Straßenkarneval fielen vielerorts aus.

Auch in Bottrop entschloss sich der Karnevalsausschuss, den Rosenmontagszug abzusagen. Der Sitzungskarneval fand größtenteils statt, wurde aber abgespeckt und - wie die WAZ damals berichtete - sah dementsprechend auch viele leere Plätze. Wer in alten Fotos stöbert und den Blick auf die Boyer Narren wirft, sieht lichte Reihen in der Aula Welheim, zu der Zeit sonst im Bottroper Karneval eher ein ungewohnter Anblick.

Übersichtlicher Terminkalender

Die Zugabsage spaltete die Karnevalisten ebenso wie die Stadtgesellschaft. Und Prinz Udo I. (Marquardt) und Karin I. (Scholand) von der KKG - die in dem Jahr ihr 33-jähriges Bestehen feierte - hatten einen, vorsichtig ausgedrückt, recht übersichtlichen Terminkalender zu bewältigen. Udo Marquardt konnte die rigorose Absage nicht nachvollziehen: „Ich vermisse die Toleranz. Lasst doch die feiern, die feiern wollen! Bis zum 16. Januar hatten wir 41 Kriege - der 42. wird nun dazu herangezogen, den Karneval abzusagen, den Karneval, der doch Freude und Abschalten bringen soll. Karnevalisten feiern doch nicht um ihrer selbst willen, sondern um anderen eine Freude zu machen.“ So sah es der damals amtierende Prinz.

Auch der Vorsitzende des Bottroper Karnevalsausschusses, Helmut Kuhn, zeigte sich überrascht, als zum Beispiel die KG Vonderort ihre Prunksitzung absagte. Der städtische Seniorenkarneval im Saalbau fiel ebenfalls aus. Andere Treffen, wie in Feldhausen oder im Bürgersaal Batenbrock, wurden durch ein so genanntes „besinnliches Kaffeetrinken“ ersetzt.

Sorglose Zeiten habe es noch nie gegeben, und trotzdem sei immer Karneval gefeiert worden, vielleicht gerade deshalb. Das sagte der Präsident der KG Grün-Weiße Funken aus Batenbrock, die sich gerade deshalb wohl im wie immer prächtig geschmückten Saalbau trafen. Trotzdem: Richtige Karnevalsstimmung wollte einfach nicht aufkommen, wie der Chronist jener Tage berichtet.

Immerhin: Das „Kriegsprinzenpaar“ bekam doch noch „seinen“ Rosenmontagszug. Seine Nachfolger Heinz II. (Louven) und Uschi I. (Moskwa) von der KG Stellkeswägg 1881 hatten nichts dagegen, dass ihre Vorgänger im vollen Ornat im Rosenmontagszug 1992 hoch auf dem Wagen mit fuhren. Eine Doppelspitze, die es so beim Stadtprinzenpaar sicher noch nicht gegeben hatte.

Der damalige Leiter der WAZ-Lokalredaktion, Wolfgang Gerrits, setzte in seinem Kommentar auf die freie Entscheidung des Einzelnen: „Sicherlich gibt es gute Gründe, die Veranstaltungen abzusetzen. Es gibt aber nicht weniger gute Gründe, die Sitzungen im Saal als geschlossene Veranstaltung durchzuziehen. Jeder einzelne muss mit sich selber ausmachen, ob er die Prunksitzungen besuchen will oder nicht. Schließlich wird niemand gezwungen, den Saal zu betreten.“

Ausgerechnet in diesem karnevalistisch durchwachsenen Jahr war die Stadt Gastgeberin für das Treffen von Kinderprinzenpaaren aus ganz NRW - das der damalige Oberbürgermeister Kurt Schmitz allerdings nicht besuchte. Immerhin waren von 50 angemeldeten noch 30 Nachwuchspaare angereist - die feierten aber auf Sparflamme.

Dirk Aschendorf

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Stürmische Zeiten für den Bottroper Karneval
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2016-02-06 11:00
Bottrop