Studentin Susanne absolviert Praktikum im Kinderdorf Gambia

Susanne und Lehrerin Paulina führten die Bottroper Kindergarten-Delegation bei der großen Parade zu den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten an.
Susanne und Lehrerin Paulina führten die Bottroper Kindergarten-Delegation bei der großen Parade zu den Unabhängigkeitsfeierlichkeiten an.
Foto: Rolf Schulte
Was wir bereits wissen
22-Jährige wagt kurzentschlossen einen Vier-Wochen-Trip nach Westafrika. Im Kinderdorf Bottrop unterrichtet sie Englisch, ist schnell sehr beliebt.

Bottrop.. Aus Voerde kurz entschlossen ins westafrikanische Gambia reisen. Warum, Susanne Sobik? „Eine Kommilitonin von der Uni Essen hat mir von ihrem Praktikum im Kinderdorf Bottrop erzählt. Das hat sich sehr gut angehört. Dafür wollte ich gerne einen eigenen Blick bekommen. Westafrika kannte ich bis dahin nur vom Lesen oder Hören.“

Ein paar Tage später hatte die 22-jährige Studentin der sozialen Arbeit ihre Tickets gebucht. Und die Meinung ihrer Familie zu diesem spontanen Vier-Wochen-Trip? „Irgendwas zwischen Zweifel und Zuspruch.“ Nachträglich, gibt Susanne zu, habe sie selbst etwas Schiss gehabt nach dem Motto: Was hast du gemacht?

Aber sehr entschlossen und voller Tatendrang ist sie gleich am ersten Tag eingetaucht in den Betrieb des Kindergartens, in dem in Form einer Vorschule 235 gambianischen Mädchen und Jungen unterrichtet werden. „In der ersten Woche war ich mit den Lehrern bei den Erstklässlern, noch ziemlich schüchtern. Ich hab’ den Kleinen englische Kinderlieder vorgesungen, wir haben miteinander getanzt. Inzwischen habe ich auch allein unterrichtet“.

Zum Frühstück gibt es Brot oder süßen Brei

Aber Englisch ist anfangs für sie schwierig als Unterrichtssprache. Auch bei der Frühstücksausgabe war die Studentin eingesetzt. Jeden Tag gibt’s für die Kinder Getränke und Brot oder süßen Brei. „Susan“ oder noch einfacher „Suzi“ fiel nicht nur durch ihr Engagement auf, da war auch ihr fröhliches Lachen – das steckte Kinder wie Erwachsene an.

Susanne hat nicht nur im Kinderdorf Augen und Ohren weit aufgesperrt, um viele Eindrücke zu sammeln. „Das ging schon bei der Fahrt vom Flughafen los, Kühe auf der Fahrbahn, Wellblech auf den Hausdächern und als Zaunersatz, die Frauen tragen Wasserkanister oder große Töpfe auf ihrem Kopf. Aber das Beste an Gambia sind die Menschen: so superfreundlich! Sie lächeln und sind offen, das entspricht meinem Naturell. Die reißen mich mit! Verschenkte Herzlichkeit kommt doppelt zurück.“ Klar, sagt die Studentin in der Nachbetrachtung, „viele Gambianer sind arm, die Kleidung der Kinder ist oft löchrig, die Schuhe sind zu klein oder zu groß, aber gerade die Mädchen und Jungen haben Spaß an den kleinen Dingen. Das ist anders als bei uns.“

Schnell war die quirlige „Suzi“ eine „von ihnen“

Dass die quirlige „Suzi“ während ihres Praktikums eine „von ihnen“ geworden ist, bewies das Kindergartenteam bei den Vorbereitungen zu einer großen Parade aus Anlass der 50-jährigen Unabhängigkeit des Staates. Dazu bekamen alle Lehrer einen besonders schmucken Dress.

Schulleiter Pa Jagana ließ auch für sie ein Kleid schneidern. Und am letzten Arbeitstag gab’s ein Zertifikat. „Dabei war das für mich keine Arbeit, sondern eine tolle Freizeit.“ Spontan wie ihr Entschluss zur Reise kam auch der zur Verlängerung ihrer „Freizeit“, aber da spielte die Fluggesellschaft nicht mit, alle Rückflüge nach Deutschland waren über Ostern ausgebucht. Susanne Sobik nahm’s gelassen: „Ich komme wieder, auf jeden Fall!“

Stadtwappen kommt auf Schuluniform und Briefkopf

Solche Versprechen wünscht sich auch Martin Gomez (52). Er ist seit November Leiter der „Technical School“ und Nachfolger des verstorbenen Principals Momodou Samateh.

„Die Schule und der Kindergarten sind zwei Gebäude unter einem großen Dach vom Kinderdorf Bottrop.“ An die 2000 Studenten und etwa 75 Lehrer stehen unter seiner Verantwortung.

„Unsere Schule kann Praktikanten aus Deutschland verschiedene Tätigkeitsbereiche anbieten: Holz- und Metallverarbeitung, Hauswirtschaften, Kunst und Sport. Alle Interessenten sind uns willkommen!“

Auf den Sport legt der Pädagoge, der im englischen Bristol seinen Abschluss gemacht hat, besonderen Wert. Der Schule steht jetzt – nach einer Patenspende – ein neues Basketball-Feld zur Verfügung. „Aber hier kann auch ein neuer Fußballplatz entstehen, sogar mit Rasen, weil wir jetzt durch einen Tiefbrunnen kostenfreies Wasser haben!“ Martin Gomez hat viele Ideen, auch zur Umgestaltung des großen Schulareals. Aber am Wichtigsten ist ihm, in Gambia eindeutig Flagge für den deutschen Namensgeber zu zeigen. Sein Entschluss: Das alte Schulabzeichen wird geändert. „Ich will das Bottroper Stadtwappen und den Schriftzug Bottrop sehen – auf den Uniformen unserer Studenten und den offiziellen Briefbögen.“