Streikende waren laut, damit Bottrops OB Tischler sie hört

Sie machten gehörig Krach, die Mitarbeiterinnen des Sozial- und Erziehungsdienstes bei ihrem Zug durch die Bottroper Innenstadt.
Sie machten gehörig Krach, die Mitarbeiterinnen des Sozial- und Erziehungsdienstes bei ihrem Zug durch die Bottroper Innenstadt.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bottrops Stadtchef sitzt nämlich beim Kommunalen Arbeitgeberverband in einem Ausschuss. Die Arbeitgeber beraten am 28. Mai über ein neues Angebot.

Bottrop..  „Unser Streik richtet sich nicht gegen die Eltern und Kinder“, versicherten die Erzieherinnen. „Soziale Berufe müssen besser bezahlt werden. Wir leisten hoch qualifizierte Arbeit“, forderten sie und machten auf einen weiteren Missstand aufmerksam: „Viele von uns arbeiten nur mit befristeten Verträgen und viele haben keine vollen Stellen.“ Altersarmut haben viele der Frauen als drohendes Gespenst vor Augen, auch weil sie im Schnitt immer noch 22 Prozent weniger verdienen als Männer.

Auch an Karstadt führte der Weg der Streikenden vorbei, die sich mit den Beschäftigten des Kaufhauses solidarisierten, das nächstes Jahr geschlossen werden soll. Vor dem Rathaus wurden sie von Martina Steinwerth, der Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Emscher-Lippe-Süd, begrüßt. „Die Arbeitgeber wollen den Streik auf dem Rücken der Eltern und Kinder aussitzen“, klagte sie an und verwies darauf, dass sich die Arbeitgeber erst wieder am kommenden Donnerstag treffen, um über ein Angebot an die Gewerkschaft zu beraten.

Lutz Küstner, der Vorsitzende des Bottroper Personalrates hoffte in seiner Rede, dass Oberbürgermeister Tischler in seinem Amtszimmer die Forderungen der Streikenden hört: „Schließlich ist der OB Mitglied im Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) und verhandelt mit.“ Sie seien „mit Gold nicht aufzuwiegen“, versicherte er seinen Kolleginnen und zeiegte sich überzeugt, dass die „die Arbeitgeber in die Knie zwingen.“

Wenn die immer sagten, die Kommunen hätten kein Geld für derartige Gehaltserhöhungen – bei 750 000 Beschäftigten in der ganzen Bundesrepublik rund eine Milliarde Euro – so sei das ein Märchen, meinte Dr. Josef Hülsdünker, DGB-Regionsgeschäftsführer. Eine angemessene Besteuerung von Großverdienern und Unternehmen könne auch viel Geld in die Kommunen spülen.

Die Demo am Rathaus war laut und blieb friedlich. Auch eine Gruppe von Kindern war mit ihren Erzieherinnen dabei. Schließlich streiken die kommunal Bediensteten nicht für sich alleine, sondern auch für Kollegen aus Einrichtungen mit anderen Trägern, die sich am Ende an den Tarifen der Kommune orientieren.