Straßennetz auf dem Prüfstand

Die Friedrich-Ebert-Straße ist eine der meistbefahrenen Straßen der Stadt und außerdem eine Landesstraße. Ihre Einstufung ist unstrittig.
Die Friedrich-Ebert-Straße ist eine der meistbefahrenen Straßen der Stadt und außerdem eine Landesstraße. Ihre Einstufung ist unstrittig.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Straßen der Stadt sind in Kategorien eingeteilt. Diese Einstufung soll das Planungsamt überprüfen. Dafür sind unter anderem Verkehrszählungen nötig.

Bottrop..  Welche Straßen müssen wirklich noch als Hauptverkehrsstraßen definiert sein? Mit dieser Frage müssen sich nun die Verkehrsplaner der Stadt beschäftigen. Wie berichtet hatte die SPD im Bau- und Verkehrsausschuss einen Antrag gestellt, das so genannte Vorrangnetz der Stadt auf den Prüfstand zu stellen. In dem sind die Hauptstraße definiert, über die ein Großteil des Verkehrs fließt. Auf ihnen sammelt sich der Verkehr, der aus angrenzenden Wohnvierteln kommt.

Nun soll dieses Netz überprüft werden. Doch es ist nicht so leicht, kurzerhand Straßen aus diesem Netz zu streichen. Die Planer müssen sich Straße für Straße ansehen und auch das Verkehrsaufkommen dort zählen. Natascha Dietz, , Abteilungsleiterin im Planungsamt rechnet frühestens Anfang des kommenden Jahres mit einem Konzept, das dann den Politikern zur Beratung und Entscheidung vorlegt werden kann. Ein Kriterium für die Einstufung sei unter anderem das Verkehrsaufkommen. Dazu müssen Autos und Lkw gezählt werden. „Wir zählen eine Woche lang rund um die Uhr, wie viele Fahrzeuge auf einer Straße unterwegs sind“, sagt Natascha Dietz. Das Problem: In Wochen mit Feiertagen etwa in Mai und Juni sowie in Ferienwochen kann nicht gezählt werden. Das Ergebnis wäre verfälscht.

Hürden bei der Einstufung

Die Einstufung ist nicht allein vom Verkehrsaufkommen abhängig. „Ein solches Netz soll auch Ausweichmöglichkeiten bei Stau oder Baustellen bieten“, sagt Christina Kleinheins, Leiterin des Planungsamtes. Auch Umleitungen bei Baustellen sollten in der Regel nicht über Anwohnerstraßen führen. Polizei, Feuerwehr und Vestische werden vot der Einstufung von Straßen ebenfall gehört. Aber: Straßen die als Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen kategorisiert sind, können nicht aus dem Netz gestrichen werden.

Außerdem hat die Stadt gerade erst ein LKW-Routenkonzept erarbeitet. Diese Netze müssen nun aufeinander abgestimmt werden. Christina Kleinheins: „Die Frage, die sich stellt, ist einfach: Wie dicht soll so ein Netz sein?“ Das Planungsamt wird einen Vorschlag erarbeiten. Die Tendenz geht dahin, dieses Netz auszudünnen.

Das liegt durchaus im Interesse der Politik, die das Thema angestoßen hatte, um Anwohnerwünschen nach weiteren Tempo-30-Zonen nachzukommen (die WAZ berichtete). Vor allem bei Straßen, an denen eine Sanierung kurz bevor steht, solle die Einstufung vorrangig überprüft werden, bringt Rüdiger Lehr, Vorsitzender im Bau- und Verkehrsausschuss den politischen Wunsch noch einmal auf den Punkt. Denn die Einstufung einer Straße hat Auswirkungen auf den Ausbau. So müssen Straßen, die nicht zum Vorrangnetz gehören, meist nicht so breit werden, der Bau könnte günstiger werden. Ein Knackpunkt ergibt sich aber an anderer Stelle. Für Anliegerstraßen sind die Beiträge, die Anwohner bei der Sanierung tragen müssen höher. Verkürzt ausgedrückt: Je niedriger eine Straße eingestuft ist, umso höher ist der Anteil der Kosten, der umgelegt werden kann.

Leser halten Tempo-Regelung für ausreichend

Wie viele Tempo-30-Straßen braucht Bottrop?“ - Das wollten wir auch in unserer Online-Umfrage auf waz.de/bottrop von den Lesern in Erfahrung bringen.

Schließlich steht hinter der Überprüfung des Vorrangnetzes auch der Gedanke, das Tempo auf einigen Straßen zu reduzieren. Denn gerade auf Bürgerversammlungen zum Straßenausbau kommt seitens der Anwohner immer wieder die Forderung nach Tempo 30. Die Straßenverkehrsordnung aber sieht im Vorrangnetz Tempo 50 vor.

In der WAZ-Umfrage war die knappe Mehrheit (33 Prozent) der Nutzer der Überzeugung, dass die bereits im Stadtgebiet vorhandenen Straßen ausreichen, auf denen lediglich 30 gefahren werden darf. Dicht gefolgt von immerhin auch noch 28 Prozent der Nutzer, die sich auf jeden Fall „in allen Wohngebieten mit Kindern und alten Leuten“ eine solche Tempobegrenzung wünschen.

Befürworter findet aber auch der Gedanke, auf einigen Vorrangstraßen statt der erlaubten 50 künftig nur noch 30 km/h zu erlauben. Immerhin 26 Prozent der Nutzer sind dieser Meinung. Weit abgeschlagen mit lediglich 13 Prozent sind die Nutzer, die Tempo 30 für vollkommen überflüssig halten.

Insgesamt haben sich 559 Online-Leser an dieser nicht repräsentativen Umfrage beteiligt.