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Stenografie ist eine sterbende Kunst

22.01.2016 | 11:00 Uhr
Stenografie ist eine sterbende Kunst
Im Berufskolleg hat der Stenografenverein eigene Räume. Hier unterrichtet Heike Sikora einmal in der Woche Grundschüler.Foto: Rainer Raffalski

Bottrop.   Der Stenografenverein Bottrop wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Heute sind Zehn-Finger-Tastschreib-Kurse das Hauptgeschäft des Vereins.

„Sie schreiben aber nicht Steno?“, kann Heike Sikora mit einem Blick sogar über Kopf erkennen. Die Vorsitzende des Bottroper Stenografenvereins ist sozusagen die oberste Fachfrau für Kurzschrift und Zehn-Finger-Tast-System. Obwohl: Steno hat sie selbst nicht gelernt. Das ist heute sowieso eine aussterbende Kunst.

Nur zwei Orte fallen der Vorsitzenden spontan ein, an denen noch Kurzschrift benötigt wird: Im Bundestag und auch im Landtag gibt es Stenografen, die während der Sitzungen Wort für Wort mitschreiben. Es ist kein Wunder, dass Heike Sikora ausgerechnet die Parlamente in den Sinn kommen. Schließlich arbeiten die beiden Bottroper Brüder Thilo und Olaf Rörtgen – Eigengewächse des Bottroper Stenografenvereins, der jetzt 70 Jahre alt wird – in Berlin bzw. Düsseldorf als Stenografen.

Es wird nicht mehr in den Block diktiert

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Schnellschreibwettbewerbe

Schnellschreibwettbewerbe werden noch heute ausgetragen, obwohl kaum noch jemand Steno lernt. Die wahren Meister im Schnellschreiben schaffen übrigens 250 bis 475 Silben pro Sekunde.

Infos über Kurse und den Verein gibt es bei Heike Sikora ( 701433) und auf der Homepage: www.vft-bottrop.de

Aber selbst Sekretärinnen müssen heute kein Steno mehr beherrschen. Die Zeiten, da der Chef seiner Sekretärin in den (Steno-)Block diktiert hat, sind längst vorbei. Heute spricht er auf Band und gibt dies seiner Sekretärin zum Abschreiben – wenn er nicht sofort ein Sprachprogramm an seinem Computer nutzt, das das gesprochene Wort direkt in Schrift umsetzt.

Und so sind Menschen, die Stenografie beherrschen und dann womöglich noch die englische Kurzschrift, gefragter denn je und können bei ihren Einsätzen eine Menge Geld verdienen. Beispielsweise vor Ärztekongressen seien die Veranstalter immer wieder auf der Suche nach solchen Fachleuten, verrät Heike Sikora.

Bis vor rund zehn Jahren, so schätzt sie, war Stenografie noch Bestandteil kaufmännischer Ausbildung. Als das vom Lehrplan verschwand, „war das die Sterbestunde der Stenografenvereine“, bedauert die Vorsitzende der Bottroper Vereinigung. Die Vereine bildeten den Nachwuchs aus. Und damals gehörte es auch „zum guten Ton“, so erzählt sie, dass jeder, der einen Büroberuf hatte, auch Mitglied im Verein wurde. Weit mehr als 200 Mitglieder hatte der Verein in seinen Blütejahren, unter 50 sind es heute – im Jahr des 70-jährigen Bestehens.

Verein erlebte seine volle Blüte

Am 24. Mai 1946 wurde der Verein von Paul Werner ins Leben gerufen, der auch der erste Vorsitzende wurde und es bis 1953 blieb. Ihm folgte Josef Koppenburg nach, der den Vorsitz fast 50 Jahre lang hatte und heute Ehrenvorsitzender ist. „Der Verein war sein Baby“, erinnert sich Heike Sikora liebevoll, Vorsitzende seit 2001. Unter seiner Ägide habe er die volle Blüte erlebt und bei Wettbewerben Bekanntheit über die Stadt hinaus erlangt.

Heute sind Tastschreibkurse am PC für Viertklässler und Auszubildende das Hauptgeschäft des Stenografenvereins. Trainiert werden dabei nicht nur das Schreiben mit zehn Fingern sowie Word und Excel, sondern auch Ausdrucksweise und sicherer Umgang mit Sprache.

Ute Hildebrand-Schute

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2016-01-22 11:00
Bottrop