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Steinerne Störenfriede

28.01.2009 | 15:22 Uhr
Steinerne Störenfriede

Der Regionalverband Ruhr lässt die Schotter-Ansammlung unter dem Tetraeder bald abräumen. Er darf die Gestaltung eines Anwohners nicht dulden. Denn Gutachter halten dessen Tun für rechtswidrig.

Die steinernen Alien-Figuren unter dem Tetraeder werden bald verschwinden. Der Regionalverband Ruhr (RVR) mit Sitz in Essen lässt die Gebilde in der Mulde der Halde an der Beckstraße entfernen.

Gern tut der Verband das offensichtlich nicht. „Wir müssen einer Verpflichtung nachkommen”, sagte Martina Kötters, stellvertretende Pressesprecherin des RVR. „Wir hatten mit dem Gestalter dieser Figuren eigentlich ja ein Gentleman-Agreement getroffen, wonach seine Figuren bestehen bleiben können”, sagte sie.

Abraumsteine auf der Halde hatte der Bottroper Fred F. zu seinen Figuren zusammengelegt. Schubkarrenweise karrte er Sand auf das Plateau, um sein Bauwerk noch weiter auszubauen. Das untersagte ihm der RVR zwar, doch die liegenden Steinfiguren, die einer naiven Vorstellung von Außerirdischen nahe kommen, duldet der Verband seit Monaten.

Das dürfen die Essener ohne das Einverständnis des eigentlichen Künstlers aber nicht. Es ist rechtswidrig, was Hobby-Gestalter Fred F. getan hat. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das der RVR eingeholte. Und der Regionalverband steht selbst als Störer da, wenn er Fred F.s Verhalten weiterhin dadurch unterstützt, dass er dessen rechtswidrigen Eingriff aufrechterhält.

Den eigentlichen Künstler Prof. Wolfgang Christ, nach dessen Konzept sowohl das Tetraeder als auch die dazu gehörige Mulde unter der begehbaren Skulptur gestaltet wurden, stören die Steinfiguren sehr. Der Architekt und Professor für Städtebau an der Bauhaus-Universität Weimar sieht darin eine „agressive Aneignung öffentlichen Kapitals”. Dabei geht es ihm gar nicht so sehr darum, dass sich der Bottroper da ausgerechnet an seiner Arbeit zu schaffen machte. Ihn ärgert etwas anderes. „Es gibt doch genug andere Flächen im Ruhrgebiet, wo dieser Mann seinem Hobby nachgehen könnte”, erklärte der Hochschullehrer in einem WAZ-Gespräch. Fred F. habe aber die Nähe zum Tetraeder gesucht. Denn, meint Prof. Christ: „Er profitiert ja von der Qualität des Standortes. Ohne diesen hätte er die öffentliche Resonanz nicht. Das ist nicht legitim”. Die RVR-Gutachter gehen noch weiter. Sie verweisen darauf, dass der Haldenstandort erst durch Christs skulpturale Architektur an Bedeutung gewonnen hat. Das Haldenplateau ist ja erst nach dem Bau des Tetraeders nicht nur ein beliebter Treffpunkt in der Stadt, sondern auch ein touristisches Ziel im Ruhrgebiet geworden. Die Steinfiguren aber verfremden Christs Skulptur und die darauf abgestimmte linsenförmige Mulde.

Dem Weimarer Architekten dient das Teatraeder als „eine Schule des Sehens”. Es gewähre jedem Haldenbesucher seine ganz eigenen Blicke auf das Ruhrgebiet. „Mit seinen Figuren gibt der Mann den Besuchern aber ein ganz bestimmtes Bild vor”, kritisiert Christ.

Das stellt seine Absicht geradezu auf den Kopf. So sehen es auch die Gutachter. Durch die Alienfiguren werde Christs Intention unterlaufen, urteilen sie. Sie griffen ja ein völlig anderes Thema auf und führten damit zu einer völlig anderen Aussage. Dabei wird gerade das große Interesse des Publikums am Tetraeder für Fred F. zum Problem. Denn für die Gutachter „leidet das Ansehen des Künstlers um so mehr, je größer der Kreis derer ist, die das beeinträchtigte Werk wahrnehmen können”.

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Norbert Jänecke

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Kommentare
29.01.2009
17:09
Steinerne Störenfriede
von nick | #37

Man möge doch bitte die Kirche im Dorf lassen und alles übrige auch an seinem Platz.

Letztendlich ist es doch so, daß die Mehrheit der Bevölkerung den Tetraeder nur von der Autobahn oder sonstwie aus größerer Entfernung sieht. Insofern ist das Stahlgerüst die eigentliche Landmarke.
Um die Aliens zu sehen, muß man die Halde besteigen. Und je nach Lichteinfall sind sie nicht sofort als solche auszumachen. Auch vom erhöhten Standpunkt der Plattform kann man das Gebilde nicht unbedingt als Ganzes erfassen. Ist schon mal jemandem aufgefallen, daß die Medien fast ausschließlich Luftbilder davon veröffentlichen?
Also, so what?

Was ich aber wirklich bemerkenswert finde, ist die jahrelange Unversehrtheit des Ensembles. Es wäre ein leichtes, das Gebilde zu zerstören, aber Vandalismus findet offensichtlich nicht statt. Das wird einen Grund haben.
Also laßt die Steine liegen. Der Herr Professor hat bisher nur eines erreicht: die Aliens einem wirklich großen Publikum bekannt zu machen!

29.01.2009
16:56
Steinerne Störenfriede
von Eugen Hermes | #36

Gerade durch die Steinfiguren ist der Standort am Tetraeder doch erst so liebenswert geworden. Bitte nicht zerstören!!! Die toten Schottersteine haben doch nur Gesichter bekommen!

29.01.2009
15:51
Steinerne Störenfriede
von Peter Mertens | #35

Es ist doch klar, daß das Gutachten zu keinem anderen Ergebnis kommen konnte: Es wurde ja sicherlich auch von hochdotierten Künstlern und Experten erstellt. Da spricht man pro domo! Warum läßt man nicht einfach den gesunden Menschenverstand oder den mehrheitlichen Bürgerwillen sprechen?
WIR sind das Ruhrgebiet. Hat uns seinerzeit irgendjemand gefragt, ob uns der ubiquitäre unausweichliche Anblick der Tetraeder-Stahlkontruktion stört?
Bislang war das Tetraeder für mich ein aufwändige Aussichtsplattform auf einer ansonsten öden Geröllwüste. Es ist mir außerordentlich peinlich, daß sich mir die Gedankenwelt des Prof. Christ bislang nicht ohne Erklärung erschlossen hat. Ich kenne viele Mitbürger, die erst wegen der Aliens wieder einmal die Halde bestiegen haben - und fasziniert waren: Vom Blick über das Ruhrgebiet und besonders auf die Aliens!
Es ist unfaßbar, daß diese nun aufgrund der arroganten Engstirnigkeit eines Weimarer Professors verschwinden sollen.
Teilen wir doch einmal dem RVR - der sich durch unsere Steuergelder finanziert - unsere Meinung mit! per Post, per email .- und gerne auch direkt an die Adresse von Prof. Christ!!!

29.01.2009
15:47
Steinerne Störenfriede
von A.Berger | #34

mit viel Liebe zum Detail, Geschick und vor allem unermüdlichem Fleiß hat Fred F. dem Ruhrgebiet eine weitere kostenlose und originelle Attraktion geschenkt. Die Probleme: 1) Fred F. ist kein Professor für Städtbau, sondern nur ein “einfacher Bürger” 2) Seine Aliens haben nicht Millionen gekostet. Und “wax nix kost, ist auch nix “! 3) Hinter den “Aliens” stehen keine hochtrabenden Theorien, sie sind einfach nur da!
Aber: Die Steinfiguren haben der Tetraeder-Halde in den letzten Jahre eine nicht unerhebliche zusätzliche Popularität verliehen, viele Besucher haben gerade wegen dieses originellen Kunstwerkes die Halde bestiegen. Ist es vielleicht sogar das, was das professorale Ego nicht erträgt? Nämlich, daß die Aliens möglicherweise attraktiver sind als das Tetraeder selbst? Ich finde es schade, daß der RVR als Betreiber der Halde - der ja scheinbar den Steinfiguren in der Tendenz eher positiv gegenübersteht - hier “einknickt”.

29.01.2009
13:23
Steinerne Störenfriede
von auchergal | #33

Der Professor Christ sollte dankbar sein den erst durch Herrn Fred F. ist sein Kunstwerk aus der Luft sichtbar und findet Beachtung. Das man das Gesamtbild eines Kunstwerk nicht verändern darf ist auch richtig. Aber durch Ihr Verhalten Herr Prof. sind Sie Gunst tief gesunken. Wahre Größe Herr Prof. währe Herrn Fred F. die Hand reichen und danke sagen, die Bürger stehen voll hinter Herrn Fred.F.

29.01.2009
12:32
Steinerne Störenfriede
von arco | #32

botandi #25 gab den richtigen Tipp:
Alle sollten dem Herrn Professor ihre Meinung sagen
wolfgang.christ@uni-weimar.de
Vielleicht merkt er dann, wie die Uhren im Revier ticken.

29.01.2009
11:54
Steinerne Störenfriede
von Anne Wolters | #31

Aus welcher Stadt kommt der Erschaffer des Tetraeders???? - Und aus welcher Stadt kommt Fred F.??? - Na, da haben wir doch die Lösung: Bottroper Künstler für Bottroper Kunst-

29.01.2009
11:34
Steinerne Störenfriede
von botandi | #30

Der Künstler hat sich mit dieser Diskussion bestimmt keinen Gefallen getan. Seine Reputation wird durch diese Eitelkeit eher sinken. Unter seiner Mailanschrift wolfgang.christ@uni-weimar.de nimmt er unsere Kommentare bestimmt gerne entgegen.

29.01.2009
07:36
Steinerne Störenfriede
von EHB | #29

Ein Künstler hat den Tetraeder entworfen? Da hätte ein Bauschlosser oder ein Statiker wohl gereicht. Als Kunst habe ich den Tetraeder nie angesehen, als schützenswertes Ensemble erst recht nicht.

29.01.2009
00:06
Steinerne Störenfriede
von Revierbürger | #28

Über den Müll der überall auf der Halde rumliegt, vor allem nach Sylvester, da regt sich kein Arsch auf, aber über Initiativen, die auch noch in der Bevölkerung gerne gesehen sind, da will man wieder mit dem Bürokratischen Knüppel drauf hauen.
Welch eine Doppelmoral ?
Ich finde der Müll, Vandalismus und die ganzen Schmierereien da oben, stören viel mehr irgendwelche Kunstwerke, dass wird aber nach wie vor als Kavaliersdelikte auf Staatkosten angesehen.
LIEBER RVR, seht erst einmal zu, dass so ein Scheiß unnachgiebig bekämpft wird, als dass ihr irgendwelche Aktionskünstler ohne Lobby wie Kriminelle bloßstellt.
Hört auf Erbsen zu zählen und verschont die Bürger mit eurer antiquierten Beamtenärschigkeit.
Vergesst nicht wer das Ruhrgebiet zu dem gemacht hat was es ist. Kleiner Tipp, es waren nicht die Beamten oder Konsorten die ähnliches zäh fließendes Gedankengut in ihrem Kopf beherbergen.

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