Stadt will bei der Jugend sparen

Ferienspiele der Arche Noah, – die gilt als „Vorzeigeeinrichtung, so das Urteil im Kopnzept-Entwurf.
Ferienspiele der Arche Noah, – die gilt als „Vorzeigeeinrichtung, so das Urteil im Kopnzept-Entwurf.
Foto: Winfried Labus/WAZ-FotoPool
Was wir bereits wissen
180 000 Euro weniger für offene Kinder- und Jugendarbeit. Erster Entwurf für ein künftiges Konzept liegt zur Beratung vor. Beurteilung aller Einrichtungen.

Bottrop..  Mit 1,2 Millionen Euro fördert die Stadt jährlich die offene Kinder- und Jugendarbeit. Davon profitieren große Einrichtungen wie die Arche Noah oder der Abenteuerspielplatz, die von stadtweiter Bedeutung sind, ebenso wie kleinere Einrichtungen, die vielleicht eher in den Stadtteilen eine Rolle spielen. Zum Beispiel das Jugendcafé der AG Soziale Brennpunkte am Borsigweg oder die KOT St. Antonius in der Welheimer Mark oder Offene Türen in Grafenwald oder Eigen. Insgesamt erhalten 29 Einrichtungen Geld von der Stadt.

Förderung als freiwillige Leistung

Allerdings ist diese Förderung eine freiwillige Leistung, und die stehen angesichts der Haushaltssituation auf dem Prüfstand. 180 000 Euro muss der Fachbereich Jugend und Schule hier einsparen, so die Vorgabe. Aus dem Grund hat der Fachbereich eine Überprüfung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit angekündigt. Alle Einrichtungen wurden mehrmals aufgesucht, um zu prüfen, „wie viel Kinder und Jugendliche durch die jährliche Förderung der Stadt Bottrop in Höhe von 1,2 Millionen Euro von den offenen Einrichtungen tatsächlich erreicht werden.“ Das Ergebnis der Untersuchung ist ein Entwurf für ein Konzept der offenen Kinder und Jugendarbeit in Bottrop. Das hat die Verwaltung nun im Jugendhilfeausschuss vorgestellt, und es wird die Verantwortlichen noch länger beschäftigen – sowohl in Politik, in Verwaltung und bei den Trägern der Einrichtungen.

Im Schnitt hätten die Mitarbeiter des Fachbereichs bei ihren mehrfachen Besuchen in den Einrichtungen 8,9 Besucher angetroffen. „Dabei reichte die Zählbreite der Angetroffenen bei den Besuchen von ,keine Besucher’ bis hin zu einer Anzahl von gleichzeitig angetroffenen ,62 Besuchern’“, so die Schilderung in der Bestandsaufnahme. Nimmt man die 8,9 als Durchschnittszahl, so liegen lediglich elf Einrichtungen über dem Schnitt.

Drei Mitarbeiter des Fachbereichs haben die Einrichtungen besucht – insgesamt 176mal. 146 Besuche waren verwertbar. Dabei wurden Fragebögen abgearbeitet, die mit den Trägern erstellt worden waren. Faktoren wie Wetter, Zeitpunkt der Besuche oder Anzahl der Mitarbeiter vor Ort spielten eine Rolle. Aber auch subjektive Eindrücke sind als „weiche“ Kriterien in die Auswertung eingeflossen, etwa die Atmosphäre, aber auch Erklärungen der Mitarbeiter.

Die Auswertung fällt nicht für alle Einrichtungen schmeichelhaft aus. Gelten der BDKJ-Abenteuerspielplatz, die Arche Noah oder der Kinderschutzbund als „Vorzeigeeinrichtungen“ mit guten Besucherzahlen, so gibt es auch Einrichtungen, in denen kein Besucher oder nur einer angetroffen wurde. Ausdrücklich betont die Verwaltung auch die geänderten Freizeitgewohnheiten vieler Kinder und Jugendlicher.

Träger und Politik sehen ebenfalls Handlungsbedarf

Politik und Träger der Einrichtungen waren sich im Jugendhilfeausschuss einig, dass im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit Handlungsbedarf besteht. Allerdings hätten die Träger nur einen sehr kurzen Zeitraum gehabt, um ihre Stellungnahme zu dem Entwurf der Verwaltung abzugeben.

Auch aus diesem Grund verständigte sich der Ausschuss einstimmig auf die Bildung eines Unterausschusses. Dort sind auch zwei Vertreter der Träger Mitglied. Ziel dieses Gremiums ist es, die grundsätzliche Ausrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit zu beraten. Dabei sollen die Stellungnahmen der Träger berücksichtigt werden.

Bis Juni hofft der Ausschuss dann auf Ergebnisse, denn dann müssen neue Leistungsvereinbarungen mit den Trägern beraten und geschlossen werden. Das heißt, zu dem Zeitpunkt geht es auch darum, wie viel Geld die Einrichtungen erhalten. Deshalb müssen jedoch die bisher geltenden Vereinbarungen im März vorsorglich gekündigt werden.