Stadt Bottrop will den Eltern die Kita-Gebühren erstatten

Die Notgruppen funktionieren gut.
Die Notgruppen funktionieren gut.
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Was wir bereits wissen
Der Verwaltungsvorstand schlägt dem Rat die anteilige Rückzahlungen vor. Der Streik der Erzieherinnen geht wohl auch nächste Woche noch weiter.

Bottrop.. Die Zeichen stehen weiterhin auf Arbeitskampf. Eltern, deren Kinder eine städtische Kita besuchen, müssen sich wohl auf eine weitere Streikwoche einrichten. Die Erzieherinnen gehen davon aus, dass ihr Ausstand bis nach Pfingsten andauern wird.

Immerhin eine gute Nachricht gibt es aus dem Rathaus für die Bottroper Eltern: „Wir werden dem Rat vorschlagen, dass den Eltern die Kitabeiträge für die Streiktage anteilig erstattet werden“, erklärte Stadtkämmerer Willi Loeven Dienstag nach der Sitzung des Verwaltungsvorstandes. Der Rat tagt im Juni.

Beschlüsse zum Streik erwartet man bei einer bundesweiten Tagung der Streikdelegierten am Mittwoch, erklärt Verdi-Gewerkschaftssekretär Thorsten Waschulewski vom Bezirk Emscher-Lippe-Süd.

Streikende stehen heute auf dem Marktplatz

Bis zum Ende dieser Woche wollen die Streikenden auf jeden Fall in Bottrop Präsenz zeigen. Am Mittwoch informieren sie ab 9.30 Uhr auf dem Wochenmarkt über ihr Anliegen. Am Donnerstag wollen sie sich vor den drei städtischen Kitas mit Notgruppen postieren. Am Freitag ist ab 9.30 Uhr eine Kundgebung auf dem Berliner Platz geplant mit anschließendem Demonstrationszug zum Rathaus. Die Erzieherinnen hoffen, dass sich auch Eltern dem Protestzug anschließen.

Nach eineinhalb Wochen mit zwölf Notgruppen in drei Kitas zieht die zuständige Sachgebietsleiterin des Fachbereichs Jugend und Schule Bilanz: „Es ist alles ganz gut gelaufen. Für die Kinder ist inzwischen etwas mehr Ruhe eingekehrt.“ Ursula Sommer hofft, dass es so weitergehen kann, falls der Streik andauert. „Es darf natürlich niemand krank werden oder ausfallen.“

Die Erzieherinnen hingegen haben die Sorge, dass ein verlängerter Streik für mehr Chaos in den Einrichtungen sorgen könnte. Viele Eltern hätten lediglich einen Notfallplan für zwei Wochen gestrickt, sagt Kerstin Schneider von der Kita Im Brinkmannsfeld. „Wenn dann noch mehr Kinder zu uns in die Notfallgruppe kommen sollen, wird es schwierig.“

Viel Arbeit bleibt derzeit liegen

Schon jetzt bedeute der Arbeitskampf für die nicht streikenden Erzieherinnen eine erhebliche Belastung, ergänzt Schneiders Kollegin Anke Reetz. „Es wirkt zwar recht entspannt bei uns in der Kita, aber wir können der normalen Arbeit gar nicht mehr nachgehen.“ Gespräche mit den Eltern oder die pädagogische Beobachtung der Kinder blieben auf der Strecke. „Normalerweise sind wir 16 Frauen, jetzt kümmern wir uns zu neunt um die Kinder“, so Reetz.

Notfallgruppen geraten zum Stresstest für Kinder

Bei manch einer Familie hat der Kita-Streik das Familienleben auf den Kopf gestellt: „Ich bin auf die Notfallgruppe angewiesen, weil mein Mann und ich berufstätig sind“, sagt Stefanie Sporkmann, als sie ihre Kinder aus der Kita Im Brinkmannsfeld abholt. „Aber hier ist der Rhythmus der Kinder völlig durcheinander geraten“. In der Notfallgruppe sei so viel Neues auf sie zugekommen, dass ihre Kinder Eva (3) und Paul (1) keine Ruhe mehr für ihren Mittagsschlaf gefunden hätten. „Hier sind fremde Betten, fremde Leute, es gibt einen anderer Tagesablauf“, sagt die Mutter. Zumindest hätten Eva und Paul die Umgewöhnung im Vergleich zu anderen Kindern noch gut weggesteckt: „Ich kenne Mütter, die ihre Kinder bewusst zuhause gelassen haben, weil sie wissen, dass sie die Veränderung nicht verkraften.“

Ein Problem, das für Mutter Saloua Hida keine Rolle spielt. Ihr fünfjähriger Sohn konnte sich schnell in die Notfallgruppe Im Brinkmannsfeld eingewöhnen. „Er fühlt sich hier sehr wohl“. Hida arbeitet täglich halbtags, von 8 bis 14 Uhr, die Notfallgruppe war ihre „einzige Option“. Ihre zwei Kinder – das andere ist zehn Jahre alt – erzieht sie alleine. „Auch in der Familie habe ich niemanden, der aufpassen kann.“ Da könne sie von besonderem Glück sprechen, dass ihr Kind kein Problem mit der plötzlichen Veränderung habe