Stadt betreibt ihre größte Kirche als Kulturort

Auch das niederländische Alkmaar hat eine Kulturkirche. Davon konnten sich jetzt etwa 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion des Festivals „Orgel Plus“ überzeugen. Die führte nämlich zu den historischen Orgeln des größten Gotteshauses der Stadt nördlich von Amsterdam. Diese spätgotische Kirche von wahrhaft kathedralen Ausmaßen ist außer Dienst gestellt und wird von der Stadtverwaltung „nur“ noch als Kulturort betrieben.

„Eine Tatsache, die mir mit ihren unterschiedlichen Nutzungen auch zuweilen weh tut, zumal man ständig um den Erhalt des Baus und der kostbaren Orgeln kämpfen muss“, sagt Pieter van Dijk. Er ist Titularorganist der Laurens-Kerk und als Stadtorganist in Alkmaar nicht nur zuständig für Musik, sondern auch für deren Organisation in der Kirche und der Restaurierung und Pflege der kostbaren Instrumente.

„Ich muss immer wieder belegen, was für einen historischen Schatz wir mit diesen Instrumenten haben und mit welchem touristischen Pfund wir in Alkmaar wuchern können und sollen“, so van Dijk, der auch Professuren am Sweelinck-Konservatorium Amsterdam und der Hochschule für Musik in Hamburg innehat. Zu diesem touristischen Pfund gehörten natürlich auch die 200 Besucher heute aus dem Ruhrgebiet“, lacht van Dijk.

Von Sweelinck, dem vielleicht berühmtesten niederländischen Komponisten, der 1621 starb, stammt auch die erste Kostprobe, die van Dijk auf der wohl ältesten noch spielbaren Orgel der Niederlande gibt. Mit dieser Toccata demonstrierte er zugleich „das große Maul“, wie der bekannte Star-Organist das Klangvolumen des kleineren Instrumentes im Chor der Kirche fast liebevoll-salopp umschreibt.

Sie steht nur optisch zurück hinter der großen, die Westfront der Kirche einnehmenden Orgel, die Gemer van Hagerbeer und Frans Caspar Schnitger im 17. und 18. Jahrhundert erbauten. Hinter den prächtig bemalten Prospekttüren verbirgt sich das einst als „Wunder von Alkmaar“ bekannte Werk, das sich zurzeit im Endspurt einer umfassenden Restaurierung befindet.

Nach Pieter van Dijk greift auch Gerhard Kemena in Tasten und Pedal des wuchtigen und warmen Werkes. Im Tutti lässt der langjährige Bottroper Martins-Kantor und Organisator der beliebten Exkursionen „O du fröhliche“ erklingen - und 200 Kehlen stimmen ein. Dann geht es auch schon weiter durch die stürmischen Grachten. Nach der „Grote Kerk St. Laurens“ öffnet auch die kleinere, katholische Kirche St. Laurens ihre Tore. Dort wartet ein Instrument des niederländischen Orgelbauers Pels von 1959 auf die Restaurierung und Wiederaufstellung auf der alten Empore.

Nicht nur Gerhard Kemena und Festivalleiter Gerd-Heinz Stevens zeigten, was in dem Instrument steckt. Zur Überraschung aller begab sich auch Propst Paul Neumann von St. Cyriakus an den Spieltisch - mit „Jesu bleibet meine Freude“ des Bach-Zeitgenossen Johann Gottfried Walther. Gerhard Kemena hatte wohl nachdrücklich angefragt...