Spielerisches Lernen in der Bücherei

„Spielvergnügen“ in der Bücherei: Eveline Siegert (mitte links), Spielpatin Renate Schodjaian und die Kinder beim Malefiz.
„Spielvergnügen“ in der Bücherei: Eveline Siegert (mitte links), Spielpatin Renate Schodjaian und die Kinder beim Malefiz.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist ein Schwerpunkt der Bibliothek. Das Angebot reicht von Spielenachmittagen zu Theater- und Leseveranstaltungen .

Bottrop..  Andreas beugt sich über das Spielbrett, fiebert seinem nächsten Zug entgegen. Zusammen mit seinen Freunden lernt er die Spielesammlung der Bibliothek kennen. Malefiz spielt der Achtjährige heute das erste Mal und ist mit Feuereifer dabei. Mit am Tisch ist die ehrenamtliche Spielepatin Renate Schodjaian. „Kinder spielen heutzutage immer weniger direkt miteinander: Statt sich für Gesellschaftsspiele zu interessieren, sitzen sie vor dem Computer“, hat sie beobachtet.

Die spielerische Umsetzung pädagogischer Lernansätze ist für Eveline Siegert, Mitarbeiterin der Bibliothek, ein Herzensanliegen. Deshalb organisiert sie die regelmäßigen Spielenachmittage. „Wenn Kinder realisieren, dass es ums Lernen geht, verschwindet oft der Spaß an der Sache. Die beste Pädagogik ist es, wenn sie nichts davon merken.“ Die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen für Kinder zwischen drei und zwölf Jahren sei ein Schwerpunkt der Bibliotheksarbeit, erklärt Siegert. „Wir kooperieren eng mit den Lehrern der offenen Ganztagsschulen und erreichen dadurch verschiedene soziale Schichten.“ Durch die Kooperation mit dem offenen Ganztag und die regelmäßigen Bibliotheksführungen für Schulklassen würden auch Schüler aus bildungsferneren Elternhäusern dazu angeregt, Literatur außerschulisch zu erleben.

Barbara Luerweg, Lehrerin an der Cyriakusschule, ist oft mit ihren Schülern beim Spielenachmittag. „Die Kooperation mit der Bibliothek läuft sehr gut.“ Besonders positiv ist ihr das „Mitmach-Theater“ in Erinnerung geblieben. „Die Kinder waren richtig ausgelassen. Einer meiner Schüler, der kaum Deutsch konnte, hat trotz Sprachproblemen mitgespielt und wurde von den anderen integriert“.

Und genau das mache das Kinder- und Jugendprogramm der Bibliothek aus: „Es geht um die Interaktion, das gegenseitige Kennenlernen und das spielerische Erkunden der Medien“, betont Siegert. Bei den Lese-, Spiele- und Theaterveranstaltungen können sich die Kinder jederzeit einbringen, sie böten Zeit und Raum für intensive Gespräche über Bücher und Autoren, aber auch eigene Erfahrungen.

Veranstaltungen plant Siegert etwa zwei Monate im Voraus, damit sie flexibel bleibt und auf neue Büchertrends reagieren kann. „Ich mache das Ganze nicht alleine.“ Feste Kooperationspartner seien Agenturen, die sie bei der Konzeption der Programme unterstützen. Auch für Anregungen von Schulen, Kindergärten oder anderen Interessierten sei sie offen.

Der Spielenachmittag ist ein fester Bestandteil des Programms. „Gesellschaftsspiele bewirken mehr als das Zocken am Computer. Kinder kommunizieren direkt miteinander, lernen zu verlieren, sich an Regeln zu halten und zu kooperieren“. Außerdem hätten sie einen Riesenspaß. „Der geht auch mit dem Älterwerden nicht verloren“, schmunzelt sie. Die Spieleabende für Erwachsene seien immer restlos ausgebucht.