Spaß an der Schule, das reicht für das erste Schuljahr

Lilja ( l.) und Nike spielen mit Familienhund
Lilja ( l.) und Nike spielen mit Familienhund
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Lilja und Nike besuchen die erste Klasse der Grundschule in Bottrop-Feldhausen. Ihre Mütter erzählen vom Alltag mit einem Grundschulkind.

Bottrop..  Die Mama fällt aus allen Wolken, als Nike verkündet, sie gehe nicht gerne zur Schule. Selbstbewusst bleibt die Siebenjährige dabei, auch als ihre Mama protestiert. Nike geht in die erste Klasse der Grundschule in Feldhausen, zusammen mit Lilja und vielen anderen Kindern aus der Kita direkt gegenüber.

Und wenn sie so aus der Schule plaudern, die beiden kleinen Kirchhellener Mädchen, dann kommt auch der Spaß rüber, den sie dabei haben. Es ist die Gemeinschaft mit den anderen Kindern, es sind die vielen schönen Sachen, die sie den ganzen Tag zusammen machen. „Die Pausen sind am besten“, erklärt Nike, „wenn wir alle zusammen draußen spielen.“

Aber nebenbei haben die Kinder schon eine ganze Menge gelernt, finden Christina Stratmann, die Mama von Lilja, und Dunja Bäumer, die Mama von Nike, so kurz vor Ende des ersten Schuljahres. Ihre Kinder können bereits gut lesen, Nike liest ihrem kleinen Bruder Niels jeden Tag aus dessen Büchern vor, und Lilja liest ihre Kinderbücher im Wechsel mit ihrer Mutter. Den ersten kleinen Brief ihrer Tochter hat Dunja Bäumer aufbewahrt, und Lilja schreibt inzwischen Tagebuch in der Kladde von Oma.

Der Start in die Schule hat nicht nur ihr Kinderleben durcheinander gewirbelt, sondern auch das der Familie. Man muss sich neu organisieren, meinen die Mütter. Beide sind berufstätig und froh, dass es die Offene Ganztagsschule (OGS) gibt. „Ich weiß gar nicht, wie meine Mutter das früher gemacht hat“, wundert sich Dunja Bäumer. Ohne die OGS wäre es kaum möglich, dass beide Eltern arbeiten und zwangsweise weitere Fahrwege haben, weil man ja auf dem Lande wohnt.

Die Kinder gehen gerne in die OGS

Die OGS macht den beiden Mädchen im Übrigen ganz besonders viel Spaß. Lilja mag es, hier ihre Hausaufgaben zu erledigen. Ihre Mutter hatte erst Bedenken wegen der langen Schultage ihrer Tochter. Und auch Dunja Bäumer hatte Zweifel. „In anderen Ländern sind Ganztagsschulen selbstverständlich, da haben die Mütter kein schlechtes Gewissen deshalb“, stellt sie fest.

Weil alle Freundinnen der Mädchen auch in der OGS sind, müssen die Kinder sich jetzt nicht mehr nachmittags extra verabreden, sondern sind ohnehin zusammen. Und viele Freizeitangebote, zu denen die Eltern ihre Kinder sonst bringen müssten, finden auch in der OGS statt, vom Einradfahren über Tennis, Schreinern oder Musik. Lilja und Nike wollen im nächsten Schuljahr gerne Geige lernen.

Nach der OGS müssen die beiden Siebenjährigen in der Regel nichts mehr für die Schule tun. Die Mütter kontrollieren die Hausaufgaben, manchmal muss etwas berichtigt werden. Auf Kriegsfuß stehen beide mit der Methode „Lesen durch Schreiben“, nach der die Grundschüler hier unterrichtet werden. Die Kinder schreiben die Wörter mit Hilfe einer Anlauttabelle so, wie sie sie hören. Rechtschreibfehler sollen anfangs nicht korrigiert werden. Davon halten beide nichts.

„Gras wächst ja auch nicht schnelle, wenn man dran zieht“

Üben am Nachmittag, das finden beide Mütter wenig sinnvoll. „Meine Tochter hat Spaß an der Schule, das reicht mir eigentlich für das erste Schuljahr“, meint Christina Stratmann, die selber Lehrerin an einem Berufskolleg ist. Dunja Bäumer weiß von Eltern, die vom ersten Schultag an das klare Ziel „Gymnasium“ für ihre Kinder vor Augen haben. „Das ist doch das Verkehrteste, was man machen kann, gleich so einen Leistungsdruck aufzubauen“, kritisiert sie. Und Christina Stratmann meint: „Gras wächst ja auch nicht schneller, wenn man daran zieht.“