Spanier übernehmen den Movie Park in Bottrop

Bottrop..  Der Movie Park in spanischer Hand: Der neue Eigentümer heißt Parques Reunidos, zweitgrößter Betreiber von Freizeitparks in Europa und die Nummer Drei in der Welt hinter Disney World und „Merlin“.

Der Movie-Park in Bottrop hat bereits seit Montag einen neuen Eigentümer: Parques Reunidos, zweitgrößter Betreiber von Freizeitparks in Europa hat den Park übernommen. Der alte und neue Movie-Park-Geschäftsführer, Wouter Dekkers (Foto oben mit der 20 Millionsten Besucherin), informierte am Mittwochmorgen die Mitarbeiter auf einer außerordentlichen Belegschaftsversammlung von dem Besitzerwechsel. Mit der positiven Nachricht vorneweg: Die festangestellte Belegschaft des Parkes wird übernommen. Im Movie Park in Kirchhellen sind aktuell 80 feste Mitarbeiter beschäftigt, darunter 14 Auszubildende. Hinzukommen 650 Saisonarbeiter.

Über den Kaufpreis wurde zwischen dem bisherigen Eigentümer, der britischen Investmentfirma Palamon Capital Partners, und dem Vertragspartner Parques Reunidos Stillschweigen vereinbart.

Wouter Dekkers interpretiert den Verkauf indes als ausgesprochen positives Signal: „Für Palamon ist der Exit, wie es in der Wirtschaft heißt, der richtige Zeitpunkt.“ Der Movie Park habe durch seine enorme positive Entwicklung in den letzten Jahren erheblich an Marktwert gewonnen. „Unsere Strategie, mit Shrek und SpongeBob auf familienorientierte Attraktionen zu setzen, ist voll aufgegangen. Wir sind sehr stolz darauf, den Turnaround-Prozess geschafft zu haben.“

2005 fast pleite

Will sagen: Als der Niederländer Wouter Dekkers 2005 den Ruf von Palamon erhielt und die Geschäftsführung übernahm, „war der Park fast pleite, das hat damals jeder mitbekommen“, so Dekkers gegenüber der WAZ. Die Besucherzahl war auf knapp 750 000 gesunken. Doch dank Palamon, das in den letzten fünf Jahren 35 Mio Euro in den Freizeitpark investierte, und dank Teamplayer Dekkers, der mit einer intakten, hart arbeitenden Mannschaft ein neues, schlüssiges Konzept für den Park entwickelte, schnellten die Zahlen Jahr für Jahr nach oben – mit dem zwischenzeitlichen Saison-Höhepunkt 2009, als rund 1,3 Millionen Gäste in Kirchhellen gezählt wurden.

„Sie sprechen unsere Parksprache“

Nach Warner Bros., Six Flags und Palamon Capital Partners geht der Movie Park mit den Spaniern von Parques Reunidos bereits die vierte Ehe ein. Für Wouter Dekkers ist es die ideale Partnerschaft: „Die Spanier übernehmen nicht nur den ganzen Park, also Mitarbeiter, Produkte, Grundstückseigentümer, Management. Sie verfolgen auch die gleiche Philosophie wie wir: Sie sprechen unsere Parksprache.“

Die Spanier betreiben 68 Freizeiteinrichtungen unterschiedlichster Provenienz in Europa, Argentinien und den USA: darunter elf Freizeitparks, 13 Zoos, 21 Wasserparks sowie 21 Familienparks à la Kletterparadies, Seilbahn und Unterhaltungscenter.

Die Verdienste von Palamon Capital Partners um die Gesundung des Kirchhellener Freizeitparks seien unbestritten, „aber sie sprechen eben im Gegensatz zu den Spaniern eine Finanzsprache.“ Parques Reunidos gehe es darum, sein Freizeitpark-Imperium mit dem Erwerb des Movie Parks auszubauen, „und nicht darum, uns schnellstmöglichst wieder zu verkaufen.“

Phase vier

Dass der neue Besitzer die gleiche Sprache spreche, zeige die erste frühzeitige Investition in die X-Men-Show, die übrigens heute Vorpremiere feiert: „Die Show wurde schon im vergangenen Jahr genehmigt. Unsere spanischen Besitzer haben erkannt, das sie zur Philosophie des Parks passt – und nach zwei, drei Tagen hatten wir die Genehmigung“, erzählt Dekkers. „Für mich bedeutet das: Die meinen, was sie sagen!“

Die gleiche Sprache zu sprechen, das bedeutet für Dekkers auch, voneinander zu lernen: „Ich sehe Synergieeffekte.“ Die Erfolge des größten Film- und Entertainment-Parks in Europa seien nicht unbemerkt geblieben. „Es wurde einiges kopiert, zum Beispiel unsere Promotion-Strategie.“

Dekkers sieht seit 1996 jetzt die „Phase vier“ des Movie Parks beginnen: „Warner Bros. war Phase eins: Die sind super gelandet, haben aber zuviel versprochen. Six Flags hat die Fehler erkannt und die Kapazität zum Beispiel mit Fahrgeschäften vergrößert, aber ohne mit dem Herzen zu planen. So war es ein großer Fehler, das Entertainment so stark zu reduzieren. Darunter litt die Qualität.“ Die Briten von Palamon hätten eine Menge Geld in den Park gesteckt und den Abstieg dadurch aufgefangen. „Wir hatten viel freie Hand“, bedankt sich Dekkers, „das Klima im Park hat sich sehr verbessert.“

Im Planungshorizont der vierten Phase hat sich Dekkers mit seinem Team jetzt ein Zwischenziel gesetzt: „1,5 Millionen Besucher im Jahr 2014, das muss zu schaffen sein, ich glaube sogar mehr.“ Und für die Jahre 2011 und 2012 liegen bei ihm auch schon differenzierte Ausbaupläne in der Schublade.

Investitions-Bereitschaft der Briten nahm ab

Für den Manager war schon länger ersichtlich, dass sich Palamon Capital Partners mit Verkaufsabsichten trug. Erste Anzeichen: Die, das Geschäft wurde schleppender. Zwischenzeitlich habe er sogar erwogen, den Park selbst zu übernehmen: „Natürlich nicht allein, aber wir haben uns als Team stark reingehängt. Die Besucherzahlen durften keinesfalls wieder sinken.“