So klingt ein Jahrhundert

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Das Zeitalter der Aufklärung – und damit der Beginn der Moderne: Das ist das 18. Jahrhundert. Musikalisch gesehen, bildet sich der Übergang vom Barockzeitalter zur frühen Klassik heraus. Mit anderen Worten: Die Epoche von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Jean-Jacques Charpentier nahm Anlauf auf den Gipfel. Dr. Gerd-Heinz Stevens, der sich inzwischen außerhalb seines Festivals „Orgel Plus“ immer präsenter in Bottrop als Organist zeigt, wanderte bei seinem Dreifach-Solo in der Kulturkirche Heilig Kreuz durch die Jahrzehnte .

Stevens absolvierte einen oftmaligen Ortswechsel bei seinem Programm: Cembalo und Truhenorgel im Altarraum, große Orgel von der Empore aus. Viele Werke interpretierte er jeweils mit dem silbrig-pfiffigen „Sound“ der kleinen Truhenorgel und mit dem „irdischen“ des Cembalos oder mit dem “orchestralen“ Zauber der Hl.-Kreuz-Orgel. So führte er eine Lektion im Klang durch. Friedrich W. Zachau, Johann Pachelbel, J. S. Bach, G. F. Händel, Franz X. Brixi, J. J. Charpentier, Christlieb S. Binder oder Marianus Königsperger klopfte er auf die instrumentalen Möglichkeiten hin ab – erstaunlich, wie unterschiedlich, gar fremd sich manch’ Komposition bei diesem gewollten Wechsel anhörte. Aber gerade das war ja der Reiz dieser Musikstunde.

In der mit Kerzenlicht dezent erleuchteten Kirche (Altarraum) beendete Stevens seinen Jahrhundert-Dialog mit nachweihnachtlich inspirierten Werken. Dabei gewährte er einen Einblick in seine Improvisationskunst an der Orgel, in die er auch den Gesang der Besucher einbezog.