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Sie werden gebraucht

10.02.2012 | 18:11 Uhr
Sie werden gebraucht
Im AWo-Begegnungszentrum an der Bügelstrasse gab es die Zertifikate. Fotografie Winfried Labus / WAZ Foto Pool

Bottrop  Weitere Tagesmütter sind jetzt ausgebildet worden. Sie werden besonders angesichts des Rechtsanspruchs auf die Betreuung von Kindern unter drei Jahren gebraucht.

. Wer hört das nicht gerne? „Wir brauchen Sie!“ Martin Notthoff, Leiter des Jugendamtes, sprach von einer Herkulesaufgabe, die zu stemmen sei. Und dabei setzt er auch auf die, die jetzt gerade ihre Qualifizierung abgeschlossen haben: 13 „neue“ Tagesmütter und ein Tagesvater.

Die AWo als Träger hat sie in Kooperation mit dem Sozialdienst katholischer Frauen, dem Jugendamt und der Arbeitsagentur für eine Aufgabe qualifiziert, der mit dem Rechtsanspruch auf eine Betreuung für Kinder unter drei Jahren ab dem Sommer 2013 eine besondere Bedeutung zukommt.

Wie berichtet, werden zu dem Termin 275 neue Plätze nötig. Das heißt fürs Jugendamt und seine Verbündeten: Lücken in bestehenden Kindertagesstätten zu finden, Ladenlokale aufzuspüren, in denen man weitere Groß-Tagespflegestellen einrichten kann und eben auch überhaupt Tagesmütter zu finden und zu schulen. Die nächste Qualifizierungsmaßnahme will die AWo ab April durchführen: 160 Stunden Schulung plus Kurs in Erster Hilfe.

Die größte Nachfrage nach Tagesmüttern gibt es für die Kleinsten, die noch nicht im klassischen Kindergartenalter sind. Für die Kinder unter drei Jahren gibt es noch zu wenige Kita-Plätze, und vielen Eltern ist die Betreuung im familienähnlichen Umfeld bei einer Tagesmutter auch angenehmer. 120 U3-Kinder werden momentan so betreut, sagt das Jugendamt. Zudem sind Tagesmütter segensreich für Eltern, die im Schichtdienst und in Randzeiten außerhalb normaler Öffnungszeiten der Tagesstätten arbeiten. Da können die Betreuungszeiten auch individuell abgesprochen werden.

Die Motivation der Tagesmütter ist groß. Gerade wenn sie selbst Kinder haben, ist die Betreuung weiterer Kinder eine lohnende Aufgabe - und das nicht unbedingt wegen des Geldes. Denn mit den fünf Euro pro Stunde plus dem halben Satz von Krankenkassen- und Rentenbeiträgen und Zahlung der Unfallversicherung lassen sich keine großen Sprünge machen. Und sicher lässt sich so nicht der Lohn ersetzen, der mancher Tagesmutter entgeht, weil sie selbst eben keinen Arbeitgeber fand , der sie nach der Geburt ihres Kindes einstellen mochte. Rebecca Becker-Olemann zum Beispiel: „Als sich für mich nach der Geburt meines Sohnes kein Chef fand, hab’ ich gedacht: dreh’ doch den Spieß einmal um und gib Du einer jungen Mutter die Chance zu arbeiten.“ Klein-Leon (9 Monate), den sie jetzt betreut und zur Verleihung der Qualifizierungsurkunde mitgebracht hat, freut das sichtlich. Rebecca Becker-Olemanns eigener Sohn, jetzt zwei Jahre alt, ist jetzt - in einer Kita. Schon größer, schon gruppentauglicher und vielleicht nicht mehr so auf die individuelle Betreuung angewiesen, die man von der Tagesmutter erwarten kann.

Helga Pillar

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