„Sie  kommen  als  potenzieller  Spender  in  Frage“

Der Stammzellenspender Georg Heyenrath präsentiert mit Freude seinen Ausweis der DKMS. Er weiß, er hat das Richtige getan.
Der Stammzellenspender Georg Heyenrath präsentiert mit Freude seinen Ausweis der DKMS. Er weiß, er hat das Richtige getan.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das war die Nachricht, die Georg Heyenrath von der DKMS erhielt. Er reagierte sofort, spendete Stammzellen und rettet so vielleicht ein Menschenleben.

Bottrop.. „Ich würde es jederzeit wieder machen. Als ich die Post in den Händen hielt, habe ich nicht lange gezögert und sofort zurückgerufen“, betont Georg Heyenrath glücklich. Der 24-jährige Psychologiestudent ist bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert und hat im Dezember die Chance genutzt, ein Leben zu retten. Er hat einer fremden Person seine Stammzellen gespendet, die nun durch seine Hilfe eventuell vom Blutkrebs geheilt werden kann.

Vor sechs Jahren ließ er sich bei der gemeinnützigen Organisation, die sich gegen die schwerwiegende Erkrankung stark macht, eintragen und typisieren. Während der Schulzeit gaben er und seine Klassenkameraden einen Wangenabstrich ab, der mit einem Wattestäbchen entnommen wurde. Dies war der erste Schritt auf dem Weg zur rettenden Stammzellenspende. „Wir haben es damals einfach gemacht, weil wir dachten, wir könnten etwas Gutes tun – vielleicht einem Menschen in Not helfen. Ich weiß, dass es richtig war“, betont Heyenrath.

"Ich wollte und musste etwas tun"

Letztes Jahr im Oktober hielt er dann den Brief der DKMS in seinen Händen. „Sie kommen als potenzieller Spender in Frage“, so die Nachricht. Für Heyenrath gab es zu diesem Zeitpunkt keinen Zweifel: „Ich wollte und musste etwas tun. Ich sehe es auch heute noch als meine gesellschaftliche Pflicht an. Es ist ein Privileg in Frage zu kommen“, unterstreicht er stolz. „Meine Betreuerin war am Telefon sehr freundlich. Sie hat mir alle Fragen beantwortet und mich über den weiteren Vorgang aufgeklärt. Sie fragte mich erneut, ob ich wirklich spenden wolle, denn es müsse schnell gehen.“

Zwei Verfahren zur Auswahl

Und so kam es: Zwei Wochen nach dem Telefonat fuhr der Bottroper nach Köln zu einer dreistündigen Voruntersuchung. „Es war ein kompletter Check – von der Urinprobe bis zum EKG war alles dabei“, sagt Heyenrath. „Dann war klar, es kann losgehen. Ich hatte zwei Verfahren zur Auswahl, die Stammzellenspende oder die Knochenmarkspende; letztere hätte einen stationären Aufenthalt und eine OP bedeutet. Ich habe auf ärztlichen Rat Stammzellen gespendet.“

Zunächst musste der Student sich eine Woche lang, morgens sowie abends, Medikamente spritzen, die die Produktion der Stammzellen im Blut anregen. „Es fühlt sich an wie eine Erkältung, nur ohne Schnupfen. Die Tage hatte ich leichte Gliederschmerzen und war müde, konnte aber arbeiten“, gibt er zu.

„Dann wurden mir – am Tag der Entnahme – zwei Zugänge an den Armen gelegt. Aus dem einen floss das Blut in einen Apparat, der die Zellen filterte, bevor es durch den anderen Zugang zurück in den Körper gelangte. Es war nicht schlimm, eher interessant. Ich war nach dreieinhalb Stunden fertig und konnte direkt wieder nach Hause gehen. Es war eine Erfahrung.“

Ein gemeinsames Treffen

Ein bisschen Angst habe der junge Bottroper schon gehabt, jedoch bereut er den Eingriff in keinem Moment. „Viele meiner Freunde haben mich gefragt, wer denn meine Spende bekomme. Zuerst wollte ich es gar nicht wissen. Ich schätze die Anonymität meines Gegenübers“, so Heyenrath.

Mittlerweile habe sich seine Einstellung aber ein Stück geändert: Seinen „Partner“, dem er vielleicht durch seine Bereitschaft helfen konnte, würde er in Zukunft gerne kennenlernen, stellt er heraus. „Ich weiß nur, dass er männlich ist und 60 Jahre alt. Er kommt wohl aus Deutschland – das habe ich zwei Wochen nach der Spende erfahren“, erzählt der Spender mit breitem Grinsen. Vielleicht ergebe es sich eines Tages, dass man sich persönlich trifft – „das wäre toll“.