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Sie kehrten einfach nicht zurück

03.10.2009 | 12:00 Uhr

Bottrop. Fünf Tage bevor die DDR die mauer öffnete, gelang Gudrun Burba und ihrer Familie die Flucht in den Westen.

Sie kehrten einfach nicht mehr zurück. Am 4. November 1989 blieben Gudrun Burba und ihr Ehemann Reinhold bei ihren Eltern in Westberlin. Man hatte ihnen ein Pflegevisum ausgestellt, damit sie sich um die alten Herrschaften kümmern konnten, erzählt die 68-Jährige. Das verhalf ihnen zur Flucht aus der DDR – fünf Tage bevor die Mauer fiel.

Gudrun Burba flüchtete 1989 aus der DDR. Ihre Erlebnisse hielt sie in diesem Buch fest. Foto: Birgit Schweizer / WAZ FotoPool

„Ich bin für diese fünf Tage dankbar”, sagt die frühere Lehrerin der Grundschule in Vonderort. „Wir wollten es selbst”, betont sie, wollten in den Westen zu den Eltern und zu ihrer Familie. „Viele andere in der früheren DDR fühlten sich doch überrannt. Die wollten das Westgeld und die Reisefreiheit, aber ihre günstige Ostmiete wollten sie behalten”, meint sie.

Nach Bottrop verschlug es die Lehrerin, die auch in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik schon an einer Grundschule unterrichtet hatte, weil ihre jüngste Tochter Carola wegen ihrer Heirat hier lebt.

Gudrun Burba ist ein richtiger Familienmensch. Eigentlich wollten sie und ihr Mann schon vor über vier Jahrzehnten die DDR verlassen, als sie 1961 die Mauer bauten. „Wir konnten das vom Fenster aus sehen”, erinnert sich die Berlinerin, „ein Bruder ist einfach noch drübergehopst”. Sie aber blieb, weil ihre Eltern damals noch im Osten lebten.

Nach Westberlin gezogen

Als Rentner seien die Eltern 1972 schließlich nach Westberlin gezogen. Ihr Vater hatte im Westen eine höhere Rente zu erwarten, weil er vor der Teilung Deutschlands schon berufstätig war und hohe Beiträge zahlte. Eigentlich wollten die Eltern schon 1970 umziehen, doch sie brauchten dazu die Einwilligung ihrer Kinder. „Meine Brüder haben die Erklärung sofort unterschrieben, ich habe mich zwei Jahre lang geweigert”, erinnert sich die 68-Jährige, eben weil sie zwei Jahrzehnte zuvor bei der Familie geblieben war.

Letztlich wollte sie dem Wohl ihrer Eltern aber nicht länger im Wege stehen und ließ sie nach Spandau ziehen. Sie selbst wagte an eine Ausreise lange gar nicht mehr zu denken. „Wegen unserer Kinder”, sagt Gudrun Burba, die ihre Geschichte aufgeschrieben hat und als Buch in kleiner Auflage für Familie und Freunde drucken ließ.

Es war ihre Tochter, die die Fluchtgedanken der Familie wieder weckte. „Noch einmal komme ich nicht zurück”, sagte sie völlig überraschend für ihre Eltern, als sie von einem Familienbesuch aus dem Westen wiederkehrte. Ende April 1989 war das.

Während ihre beiden Töchter vorgaben, Urlaubspläne zu schmieden und die Reise nach Brünn in die Tschechische Republik vorbereiteten, schaffte ihre Mutter vor deren Reiseantritt bei ihren West-Besuchen zur Pflege der Eltern wichtige Utensilien aus dem Haushalt erst einmal nach Spandau. Für 30 Tage war ihr Pflegevisum ausgestellt. Und am allerletzten kehrten sie dann einfach nicht mehr in die DDR zurück.

In der Prager Botschaft

„Wir waren so fixiert auf unsere Flucht, dass wir vieles von dem, was sich um uns herum längst tat, gar nicht richtig wahrnahmen”, erinnert sich Gudrun Burba, nicht die Montagsdemonstrationenen, nicht die Treffen in der Gethsemane-Kirche in Prenzlauer Berg; dass sich die Prager Botschaft mit ausreisewilligen DDR-Bürgern füllte aber sehr wohl.

Auch ihre Töchter machten auf ihrem vermeintlichen Urlaubstrip den Umweg über Prag. Per Räuberleiter kletterten sie über den Zaun der Botschaft, und hörten dort Minister Rudolf Seiters dann sagen: Wer seine Papiere noch hat, darf sofort ausreisen.

Norbert Jänecke

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