Sicherheitsschleusen im Amt will niemand

2012 verübten Unbekante ein Buttersäure-Anschlag auf das Jobcenter am Berliner Platz. Die Mitarbeiter mussten das Gebäude verlassen.
2012 verübten Unbekante ein Buttersäure-Anschlag auf das Jobcenter am Berliner Platz. Die Mitarbeiter mussten das Gebäude verlassen.
Foto: Franz Naskrent
Was wir bereits wissen
Der Vorschlag des Beamtenbundes, Sicherheitsschleusen an Rathäusern und Jobcentern einzurichten, stößt in Bottrop auf Ablehnung.

Der Vorschlag des Beamtenbundes, Sicherheitsschleusen an Rathäusern und Jobcentern einzurichten, stößt in Bottrop auf Ablehnung. „Wie weit will man sich noch absichern?“, fragt Lutz Küstner, Vorsitzender des Personalrates im Rathaus. Aber er räumt ein, dass das Thema Sicherheit der Beschäftigten sehr ernst genommen wird. „Vor allem in Zeiten, in denen die Kollegen manchmal nach strengen Regeln, etwa bei der Gewährung von finanzieller Unterstützung, handeln müssen. Aber aufgebrachte Zeitgenossen können auch Sicherheitsschleusen nicht abhalten“, urteilt er. Die Beschäftigten im Rathaus versuchten daher, Bürger freundlich und zuvorkommend zu behandeln, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen.

Der Beamtenbund hatte mit Blick auf die wachsende Zahl von Gewalttaten gegen Staatsdiener gefordert, Sicherheitsschleusen wie an Flughäfen an Rathäusern, Jobcentern und Verwaltungsgebäuden einzurichten.

Davon jedoch hält auch Thorsten Bräuninger, Geschäftsführer des Jobcenters Bottrop, nichts. „Wir sind auf ein vernünftiges Miteinander mit den Kunden angewiesen“, sagt er. Schleusen seien dabei keine vertrauensbildende Maßnahme. Zudem sei der Betrieb mit einer Schleuse bei hohem Publikumsaufkommen unpraktikabel. Vor und hinter der Schleuse würden sich lange Warteschlangen bilden. Dies könne Konfliktpotenzial eher verstärken.

Das Jobcenter habe beim Einzug in die neuen Räume im Kaufland-Gebäude jedoch etliche Schutzvorkehrungen für die Beschäftigten berücksichtigt. Dazu zähle unter anderem, dass es einen zentralen Eingangsbereich gebe, Durchgangstüren zwischen Büros, einen Sicherheitsdienst im Haus. Zudem machten alle Mitarbeiter ein Deeskalationstraining, um schon im Voraus Konflikte zu entschärfen. Der wichtigste Schutz allerdings sei, dass die Mitarbeiter gegenseitig aufeinander Acht gäben.