Service rund ums Wohnen wird wichtiger

GBB-Geschäftsführer Hans-Jürgen Bode (r.) und sein Nachfolger Stephan Platz stellen die Zukunft der städtischen Baugesellschaft vor.
GBB-Geschäftsführer Hans-Jürgen Bode (r.) und sein Nachfolger Stephan Platz stellen die Zukunft der städtischen Baugesellschaft vor.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
GBB-Geschäftsführer Hans-Jürgen Bode und sein Nachfolger Stephan Patz von der städtischen Baugesellschaft im Gespräch. Immer mehr Mieter fragen soziale Dienstleistungen nach.

Bottrop..  Fast 25 Jahre war Hans-Jürgen Bode Chef der städtischen Gesellschaft für Bauen und Wohnen (GBB). Sein Nachfolger Stephan Patz arbeitet seit Anfang Juli für die GBB. Im Gespräch mit WAZ-Redakteur Matthias Düngelhoff sprechen der alte und der neue Geschäftsführer über die Herausforderungen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen sowie die Entwicklung der GBB – von den 1990-Jahren bis zu den Perspektiven der Zukunft.

Vor welchen Herausforderungen stehen Gesellschaften wie die GBB zukünftig?

Bode: Früher stand an erster Stelle das Schaffen von Wohnraum. Heute ist das längst nicht mehr alles. Die soziale Komponente ist immer wichtiger geworden und wird es auch in Zukunft weiterhin. Dazu gehören etwa Einkaufsmöglichkeiten, soziale Dienste und Dienstleistungen. Natürlich auch vor dem Hintergrund, unseren Kunden die Möglichkeit zu schaffen, länger in ihren Wohnungen bleiben zu können.

Patz: Solche Serviceangebote kommen ja auch jüngeren Menschen zugute. Beispielsweise waren das Putzen des Treppenhauses, das Laub fegen oder Schnee räumen waren Selbstverständlichkeiten. Heute gibt es viele Menschen, die sich aus guten oder auch weniger nachvollziehbaren Gründen nicht mehr daran beteiligen können oder wollen. Also schafft man entsprechende Angebote. Aber dazu gehört dann auch, dass sich die Nebenkosten erhöhen, weil solche Dienste umgelegt werden.

Aber sind nicht gerade kommunale Wohnungsunternehmen in der Verantwortung, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Patz: Selbstverständlich und das werden wir auch weiterhin tun. Wir bauen öffentlich geförderte Wohnungen, das tun private Anbieter in dem Umfang nicht mehr.

Bode: Ein Beispiel ist unser Projekt auf dem Eigen, dort bauen wir ja auch öffentlich gefördert. Es entstehen Wohnungen, die Menschen mit Wohnberechtigungsschein beziehen können. Gleichzeitig entstehen dort auch frei finanzierte Wohnungen. Bis 1998 hatten wir ja nur öffentlich geförderte Wohnungen im Bestand, dann haben wir für rund die Hälfte der Wohnungen die Bindung vorzeitig abgelöst. So konnten wir unsere Wohnungen auch denjenigen anbieten, die keinen Wohnberechtigungsschein haben. Auf diese Weise haben wir die Gesellschaft für neue Kundenkreise geöffnet.

Aber so etwas hat doch Auswirkungen auf die Miete?

Bode: Unsere Durchschnittsmiete liegt bei 4,84 Euro pro Quadratmeter. Der größte Teil unserer Wohnungen kostet zwischen 4 und 5,10 Euro. Damit liegen wir unterhalb des Mietspiegels, der ist für uns die Obergrenze.

Patz: Aber man muss auch sehen, dass sich die Uhr weiter dreht. Handwerkerleistungen, Löhne Gehälter, Neubauten, all das ist teurer geworden. Also sind wir letztlich gezwungen, die Mieten anzupassen, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Aber wir gehen da nicht rein technisch vor, sondern setzen auf unsere Bestandskenntnis. Das heißt, wir erhöhen eben nicht zwangsläufig undifferenziert jede Wohnung bis an den Mietspiegel, es muss angemessen sein und wir wollen ja auch keine zu große Fluktuation unter den Mietern.

Wie kann Bottrop in Zeiten eines schrumpfenden Ruhrgebiets attraktiv bleiben?

Bode: Die Stadt muss Arbeitsplätze schaffen und gleichzeitig ein lebenswertes Umfeld, etwa durch den Bau von Kindergärten. Als GBB müssen wir wie bisher sukzessive in den Bestand investieren und modernisieren. Aber wir müssen auch, wenn wir merken dass bestimmte Angebote nicht mehr gefragt sind, unter Umständen, abreißen. Wir haben noch Wohnungen mit Kohle- oder Nachtspeicheröfen im Angebot. Dort sind die Mieten sehr preiswert, der Wohnraum ist nach wie vor gefragt. Doch wenn sich das ändert, muss man auch da über einen Rückbau nachdenken und dort bedarfsgerecht und barrierefrei neu bauen.

Kommunale Gesellschaft bleibt Modell mit wichtigen Aufgaben

Sind den kommunale Wohnungsunternehmen überhaupt noch zeitgemäß? Viele Städte haben sie ja auch privatisiert.

Patz: Aber man muss wissen, Unternehmen, die im Eigentum irgendeines Fonds sind, interessieren sich im Zweifelsfall nicht dafür, ob die Fassaden in Bottrop attraktiv sind oder ob das Gebäude in den Stadtteil passt. Dort steht oft nur die Rendite im Vordergrund.

Bode: Auch wir als GBB müssen Gewinn erwirtschaften gleichzeitig erfüllen wir aber auch noch andere Aufgaben, etwa im Bereich der Stadtentwicklung. Oft sind wir die ersten, die neue Projekte anschieben. Beispielsweise das Baugebiet im Johannestal. Wir haben dort angefangen, dann sind andere Investoren nachgezogen. Ähnlich hat es auch in Batenbrock beim Geschwister-Scholl-Weg funktioniert. Wohnungsgesellschaften sind ein Instrument der Kommune und können eine Anschubwirkung für solche Projekte haben.

Patz: Ein weiterer Unterschied zu privaten Wohnungsunternehmen: Wir bauen neu und wir schaffen eben auch den öffentlich geförderten Wohnraum.

Warum ist das für andere Anbieter nicht so attraktiv?

Bode: Die Bewilligungsmiete für öffentlich geförderten Wohnraum liegt in Bottrop derzeit bei 5,25 Euro pro Quadratmeter. Gleichzeitig müssen die Wohnungen mit Boden- und Wandbelägen fertig gestellt werden. Aber dazu kommen noch weitere Bedingungen. So ist unter anderem zu berücksichtigen, dass, die Wohnungen barrierefrei sein müssen und ein Balkon gehört auch dazu, des weiteren müssen 30 Prozent der Grundstücksfläche Grünfläche sein. All diese Auflagen müssen erfüllt sein. Diese Wohnungen sind ausschließlich für Kunden mit Wohnberechtigungsschein vorzuhalten.