Schüler erkundet den Weihnachtsfrieden 1914

Igor Schmidt zeigt  die Kapelle der schottischen Loretto-Schule, in der Nachkommen britischer und deutscher Soldaten vor den Schülern an das denkwürdige Ereignis erinnerten.
Igor Schmidt zeigt die Kapelle der schottischen Loretto-Schule, in der Nachkommen britischer und deutscher Soldaten vor den Schülern an das denkwürdige Ereignis erinnerten.
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Was wir bereits wissen
Igor Schmidt fuhr mit Schülern der Bottroper Willy-Brandt-Gesamtschule ins schottische Edinburgh. Nachkommen deutscher und britischer Soldaten erinnerten dort an einen friedvollen Moment im Ersten Weltkrieg.

Der Erste Weltkrieg liegt 100 Jahre zurück, im vergangenen Jahr ist mehrfach daran erinnert worden. 100 Jahre, das mag weit entfernt scheinen. Doch für den Bottroper Schüler Igor Schmidt ist ein Moment, der sich vor 100 Jahren, mitten im Krieg abgespielt hat, zum Ergreifen nah gerückt. Es ist der Moment an Weihnachten 1914, in dem deutsche und britische Soldaten aus den Schützengräben krochen und gemeinsam Weihnachten feierten.

Der Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule hat diesen Augenblick und die folgenden Tage, die als das Wunder von Weihnachten 1914 in die Geschichte dieses Krieges eingingen, jetzt in Schottland in einer bewegenden Zeremonie nachempfinden können. „Wir sind vor wenigen Tagen mit 30 Schülern der Jahrgangsstufe 12 nach Edinburgh gefahren, zum Loretto-Internat“, erzählt der 17-Jährige. Oberstufenleiter Josef Ademer habe das initiiert.

In der Kapelle der privaten Schule ist an diese Szene, die auch Generationen später noch die Menschen bewegt, erinnert worden: Ein britischer Soldat springt bei der flämischen Stadt Ypern aus dem Schützengraben, hält beide Hände hoch, in einer Hand hat er Zigaretten, mit der anderen schüttelt er deutschen Soldaten die Hand, sie rauchen, singen „Stille Nacht, heilige Nacht“ und spielen Fußball miteinander.

In der schottischen Kapelle hätten sich jetzt die Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule, Schüler aus Ypern in Belgien, der Chor der Loretto-Schule und geladene Gäste versammelt. „Es war eine besondere Stimmung“, sagt der Schüler, „alle haben das gespürt“. Die Enkel zweier Soldaten, die damals dabei waren, seien nach vorn gekommen und hätten sich symbolisch noch einmal die Hand gereicht. Joachim Freiherr von Sinner als Nachkomme von Maximilian Freiherr von Sinner, und Nachkommen des Schotten Archibald Buchanan-Dunlop. Buchanan-Dunlop war Schüler der Loretto-Schule. „Der Pfarrer las Psalm 23 in englischer, deutscher, französischer und flämischer Sprache vor, ,Der Herr sei mein Hirte’. Der wurde auch 1914 vorgelesen. Dann haben wir auch Stille Nacht, heilige Nacht gesungen. Das alles“, sagt der Schüler, „war wirklich sehr bewegend“.

Außerdem hätten die Schotten mit den Schülern ein neues Fenster der Kapelle eröffnet, in dem das Geschehen von damals dargestellt ist. Im Theater der Schule hätten sie die Szenen nachgespielt und Kriegstexte vorgetragen. Und später hätten sie auch das Fußballspiel nachgespielt, erzählt Igor Schmidt.

Ihn habe die Reise nach Schottland beeindruckt. „Ich war vorher skeptisch. Ich dachte: Wie soll man einen solchen Moment wiedergeben? Das werden sie nicht können.“ Doch er habe sich geirrt. „Sie haben vergegenwärtigt, wie die Situation war. Sie haben gezeigt, was Weihnachten ausrichten kann.“ Der Krieg habe so viel Leid, Tod und Hass über die Menschen gebracht „und genau an Heiligabend ist Waffenstillstand“. Nur Weihnachten, sagt der Bottroper Schüler, habe die Kraft, so etwas zu vollbringen.