Schlaflabor in Bottrop hilft Kindern bei Ruhelosigkeit

Ein ungestörter, erholsamer Schlaf ist wichtig für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.
Ein ungestörter, erholsamer Schlaf ist wichtig für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
In der Kinderklinik des Marienhospitals in Bottrop gibt es eine von 23 Einrichtungen dieser Art in Deutschland.Hier werden die jungen Patienten nachts überwacht.

Bottrop.. Wenn Kinder schlecht schlafen, nachts mit den Zähnen knirschen oder schnarchen kostet das nicht nur die Eltern Nerven. Schlafstörungen können auch das wache Kinderleben massiv beeinträchtigen, zu Unruhe, Konzentrationsstörungen, unverhältnismäßiger Aggressivität führen. Ursachen für eine unruhige Nachtruhe gibt es verschiedenste – und der heutzutage schon für Kinder selbstverständliche Umgang mit digitalen Medien kann dazu gehören, weiß Dr. Martin Günther, Chefarzt der Kinderklinik am Marienhospital. Dort steht ein Schlaflabor extra für Kinder und Jugendliche zur Verfügung, das von der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin akkreditiert ist. Deutschlandweit gibt es laut Günther 23 dieser Art.

Spezielle Räume für Babys und ältere Kinder

„Wir haben in unserem Schlaflabor vor allem die Gruppe der Frühgeborenen und die der größeren Kinder und Jugendlichen“, sagt Günther. In zwei speziellen Räumen (für Babys und für ältere Kinder) kann die Nachtruhe über verschiedene Messungen kontrolliert werden. Dieses Verfahren kann aber auch mobil direkt am Inkubator durchgeführt werden – etwa bei den Säuglingen.

Bei den Frühgeborenen, die teils mit nur 400 bis 500 Gramm schon in der 23. Schwangerschaftswoche quasi noch unreif zur Welt kamen, geht es im Schlaflabor darum, die Regelmäßigkeit der Atmung zu überprüfen. Große, die ins Schlaflabor kommen, haben zum Beispiel das Problem, dass sie ausgeprägt schnarchen. „Da gucken wir, ob die Atmung im Schlaf so behindert ist, dass es zu Atemaussetzern kommt“, erläutert der Chefarzt.

Übergewicht kann ein Problem für Schlafprobleme sein

Schlafprobleme bei Kindern und Jugendlichen können laut dem Experten körperliche Ursachen haben, wie zum Beispiel Übergewicht (ein Grund fürs Schnarchen) oder Zähne, die im Zuge des Wachstums anders zueinander stehen (Knirschen). Manche störenden Schlafunterbrechungen (Trinken wollen in der Nacht) sind angewöhnt. Jugendliche können aufgrund von Drogen wachgehalten werden.

Aufmerken sollten Eltern darüber hinaus bei Aufmerksamkeitsstörungen („Zappelphilipp“), die auch einen Grund in der Abfolge des Schlafes haben könnten, und bei Kopfschmerzen. Auch diese mögen auf schlechten Schlaf deuten, vielleicht aufgrund von Leistungsstress.

Geneigte Fehlhaltung des Kopfes

„Es gibt aber auch noch einen ganz anderen Feind: Die blaue Farbe in den Monitoren“, sagt der Experte mit Blick auf die Nutzung digitaler Medien gerade auch in den Abendstunden. Das Blau stelle die innere Uhr zurück auf wach, das könne die Gesamtschlafdauer verändern, letztlich Kopfschmerzen und andere Probleme hervorrufen. Auch die geneigte Fehlhaltung des Kopfes beim „Daddeln“ kann Schmerzen verursachen, die den Schlaf stören, warnt Günther.

Kinder und Jugendliche mit Schlafproblemen sollten zunächst dem Kinderarzt vorgestellt werden. Die kleinen Patienten, deren Nachtruhe dann tatsächlich in der Klinik überwacht wird, kommen in einen kühlen, extra zu verdunkelnden Raum mit höherer Schalldichte, werden dort „verkabelt“ und per Kamera beobachtet. Gemessen werden u.a. Hirnströme, Atmung, Augenbewegung. Bei Kindern bis zu neun Jahren sind die Eltern dabei. Während Erwachsene oft insgesamt nur eine Nacht in einem Schlaflabor verbringen, gewöhnen sich die Kinder erst eine Nacht an die ungewohnten Gerätschaften, bevor in der zweiten Nacht die Diagnostik ansteht, erklärt Günther. Daran schließt sich das individuelle Behandlungskonzept an.