Santana und die Stones auf Vinyl

So manches Lieblingsalbum fanden die Besucher der Schallplatten- und CD-Börse beim Stöbern an den Ständen.
So manches Lieblingsalbum fanden die Besucher der Schallplatten- und CD-Börse beim Stöbern an den Ständen.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Die Schallplatten- und CD-Börse im Revierpark Vonderort war sehr gut besucht. Vor allem viele junge Leute interessierten sich für die antiken Tonträger.

Bottrop..  „Meine Güte, ist das wieder voll hier.“ – Diese Worte empfangen mich beim Hineingehen in das Freizeithaus am Revierpark Vonderort. Übertrieben ist das nicht, denn in den Räumlichkeiten tummeln sich die Menschen. Die CD- und Schallplattenbörse lockt wieder um die 500 Menschen an, die sich in den engen Gängen nach Schätzen der Musik umsehen.

Wer solche Börsen und die Kultur um Platten für ausgestorben hält, wird hier eines Besseren belehrt. „Schallplatten kommen wieder“, stellt Veranstalter Ulrich Lauber fest. „Die Produktion hat sich in einem Jahr vervierfacht und die Menschen wissen wieder, den einzigartigen Klang von Schallplatten zu schätzen.“ Denn die digitale Musik ist zwar massenkompatibel, aber Höhen, Tiefen und Bass der Schallplatte garantieren den besten Klang. Schnell verliert man sich zwischen den Ständen der rund 50 Händler, die mit wahren Kunstwerken aus jeder bestehenden Musikrichtung handeln. Hier reihen sich Platten von Santana, Elvis und den Rolling Stones neben CD’s von Peter Maffay und Konzert-DVD’s von Helene Fischer. Ein buntes Potpourri, bei dem ich mich gar nicht entscheiden kann, wo ich zuerst hinsehen soll. Beim Hard-Rock ruft auf einmal eine Frau: „Endlich!“ Gefunden hat sie eines ihrer Lieblingsalben von Judas Priest.

Dieser Anblick ist allerdings eher selten. „Diese Leidenschaft spricht vielleicht ein oder zwei Prozent der Bevölkerung an“, so Lauber. „Frauen sind davon nur rund fünf Prozent.“ Das liebevolle Auspacken und Auflegen der Platte und das wirkliche Zuhören sind für ihn nur ein paar der Gründe, warum mittlerweile auch viele Jüngere zu den antiken Tonträgern wechseln. Während ich mich schnell in Dekaden voller Musikgeschichte verliere, wird neben mir gefeilscht, gehandelt und sich über Erstpressungen und Kratzer ausgetauscht. Man kennt sich hier. „Die Preisspanne liegt oft zwischen 50 Cent und 500 Euro, nach oben gibt es keine Grenzen“, erklärt mir Händler Peter Müller. „Da kommt es sehr auf Angebot und Nachfrage an.“ Viele Händler haben selbst eine Sammlung und gucken auch mal, was die Tischnachbarn für Schätze haben. „Meine besten Platten habe ich zum Teil von solchen Börsen.“

Schallplatten und CD’s sind ein Hobby, welches Zeit braucht. „Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass Schallplatten jemals aussterben werden, auch wenn sie natürlich immer eine Minderheit ausmachen werden.“ Auf dem Weg nach draußen nehmen viele Besucher selbst gedruckte Taschen, auf denen der Spruch „Rettet das Vinyl“ steht. Auf dem Parkplatz dann ein weiteres Phänomen der Musikliebhaber: Besucher Michael Schone hat seinen Kofferraum aufgemacht. Inhalt: ein Plattenspieler, auf dem jeder seine gerade erworbenen Käufe Probe hören kann. Ein Mix aus AC/DC und Pearl Jam begleitet mich dann auf dem Weg nach Hause.