Reporterin aus USA berichtet über Zukunftshaus in Bottrop

Die Radio-Reporterin bei der Recherche im Zukunftshaus in Bottrop.
Die Radio-Reporterin bei der Recherche im Zukunftshaus in Bottrop.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Mariellla Segarra recherchiert im Ruhrgebiet für eine Radio-Sender in Pennsylvania. Innovation City-Projekte sind für sie interessant.

Bottrop.. Marielle Segarra steht im Keller des Zukunftshauses an der Hansastraße. Architektin Anna Vering erklärt der Radio-Reporterin aus Philadelphia in den USA die Stromversorgung des Hauses. Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach speist die Stromspeicher im Keller. Die US-Journalistin ist unterwegs im Ruhrgebiet und berichtet für das „National Public Radio“, quasi den öffentlich rechtlichen Rundfunk in Pennsylvania. Dort gibt es zahlreiche Städte, die ähnliche Schwierigkeiten haben wie die Ruhrgebietsstädte. Auch dort ist die Kohle- und Stahlindustrie auf dem Rückzug. Der Strukturwandel im Ruhrgebiet hat es der Journalistin daher angetan.

Technik fasziniert

Über ein Austauschprogramm der „Rias Berlin-Kommission“ kam die 26-Jährige nach Berlin. Die Kommission ermöglicht zwei Mal im Jahr rund 15 US-Journalisten einen Aufenthalt in Deutschland. Im Anschluss an den offiziellen Austausch reiste Marielle Segarra für das Projekt „Keystone Crossroads“ ihres Senders ins Ruhrgebiet. Ziel des Projekts ist ein anderer, neuer Blick auf die Städte in Pennsylvania und eine Diskussion über deren Zukunft.

Neben Stationen in Dortmund oder Zollverein in Essen sei auch Innovation City, der Umbau einer Bergbaustadt zu einer grünen Stadt ein interessantes Thema, sagt Marielle Segarra. Bei ihren Recherchen sei sie eher zufällig auf das Projekt gestoßen – und steht nun in dem Bottroper Keller, der mit Hightech vollgestopft ist. Schließlich erzeugt diese Geschäftshaus aus den 1960er-Jahren nach seinem Umbau mehr Energie als es verbraucht. Diese technische Seite fasziniert sie. Dass so etwas auch in ihrer Heimat umgesetzt werden könne, davon ist sie nicht überzeugt.

Der Blick über den Tellerrand hilft immer

Dass das Ruhrgebiet sein industrielles Erbe nicht versteckt, sondern im Gegenteil, es „umarmt“, beeindruckt die Journalistin. Das sei in Pennsylvania noch nicht soweit fortgeschritten, obwohl es auch dort in Bethlehem einen Industriepark gebe. Dessen Initiator habe sich übrigens vom Duisburger Landschaftspark inspirieren lassen. Und diese vielen verschiedenen Ideen haben es der Journalistin dann auch angetan. Obwohl es wohl nicht möglich sei, sie eins zu eins zu übertragen. „Dafür sind die politischen, kulturellen und auch wirtschaftlichen Voraussetzung zu unterschiedlich“, glaubt sie. Doch der Blick über den Tellerrand helfe eben, neue Idee und Diskussionsansätze zu finden.

Umgekehrt bringt sie ins Ruhrgebiet den Blick von außen mit – und der fällt durchaus schmeichelhafter aus als manch Einheimischer es sich vorstellen kann. So ist die Amerikanerin angetan vom Öffentlichen Nahverkehr und dem Tagesticket. Möglichkeiten wie diese gebe es in Pennsylvania nur auf sehr engem Raum. Dabei sei diese Region in den USA auch so mit dem Ruhrgebiet vergleichbar. Auch dort gingen die einzelnen Städte quasi ineinander über. Doch ihrer Ansicht nach funktioniere die Abstimmung in Deutschland besser. Bus und Bahn verbinden die Städte dazu die Radwegeverbindungen – Marielle Segarra findet einige Ansätze für ihre Heimat.